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6. Februar 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 06 Ausgabe: Nr. 6 » February 5, 2009

Richtig vernetzt zum Erfolg

February 5, 2009
Editorial von Yves Kugelmann

Worte. Wie viele Konferenzen, Kongresse und Workshops haben die unzähligen jüdischen Organisationen in den letzten Jahren organisiert, Zusammenarbeit, Austausch, Synergien und Vernetzung mit Worten versucht und dann nicht umzusetzen vermocht. Wie viele Projekte, Konzepte und Szenarien wurden letztlich für die Schubladen verabschiedet, anstatt implementiert zu werden. Wirkungslos blieben die Versuche des European Coucil of Jewish Communities (ECJC) an seinen jährlichen Treffen der letzten Jahre und zuletzt mit der Eröffnung eines neuen Berliner Büros, ein vernetztes, eigenständiges europäisches Judentum neu zu etablieren und zu formieren und die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden zu vertiefen –  wenngleich die Arbeit gerade für osteuropäische Gemeinden sehr wichtig ist. Was für die einen eine europäische Vision war, war für viele andere konkretes, brennendes Anliegen, wenn es darum ging im Austausch untereinander gemeinsam Bedürfnisse wie Lehrer-, Rabbiner- oder Jugendleiterausbildungen, europäische Erziehungsprogramme, Kompetenzzentren für Sozial- und Fürsorge, Vorsorge-, Holocausttrauma- und Altersbetreuungsprogramme, internationale Kaschrutlisten, Partnervermittlungen oder schlicht Informations- und Vernetzungsplattformen zu etablieren.



Taten. Am Sonntagabend sprach der Vordenker und Initiator Ariel Muzicant der vor einem Jahr begründeten Treffen den Vertretern der deutschsprachigen jüdischen Gemeinden ins Gewissen. Er forderte Taten und Implementierung der angedachten Projekte bei diesem dritten Treffen der Vertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, diesmal in Zürich. Die Worte zeigten Wirkung. In den Bereichen Religiöses, Soziales, Gemeinde- und Informationsarbeit definierten in Workshops die Gemeindevertreter aus den verschiedenen Fachbereichen vielfältige konkrete Projekte, von denen nun eine ganze Reihe, mit konkreten Termin- und Umsetzungsplänen versehen, bis zum nächsten Treffen in München vorangetrieben werden sollen (vgl. S. 7). Wohl auch unter dem Druck der globalen Herausforderungen, der aktuellen Wirtschaftskrisen und Dank guter Vorbereitung und Organisa¬tion zeitigte das Zürcher Treffen viele greifbare Resultate und professionelles Vorgehen und es offenbarte vor allem einen neuen, motivierten Geist unter Fachkräften der Gemeinden, die längst erkannt haben, das veraltete Strukturen aufgebrochen und professionelle Gemeindearbeit eingeführt werden müssen. Unter der Ägide von Charlotte Knobloch, Ariel Muzicant und Herbert Winter zeigte sich das dringende Bedürfnis nach einem Austausch, bei dem globale Herausforderungen lokal und vernetzt angegangen und zugleich bei allen Gemeinsamkeiten merkbare und ausgesprochene kulturelle Differenzen respektiert werden.

Resultate. Nach wie vor überlagert die politisch die eigentliche Gemeindearbeit. Nach wie vor wollen Gemeindeverantwortliche lieber Politik und Öffentlichkeits- statt Gemeinde- und Facharbeit betreiben. Anstatt dass erstere den zahlreichen politischen Interessensverbänden und NGOs zu überlassen, wird zunehmend aber das wachsende Bewusstsein sichtbar, dass eine neue Generation von Verantwortlichen Gemeinden als gesellschaftliche, soziale und kulturelle Organismen sieht und betreibt. Bleibt zu hoffen, dass der in Zürich sichtbare Elan anhält und die Präsidenten der Dachverbände den Gemeindearbeitern den nötigen Raum und Freiheiten für die Weiterentwicklung und Implementierung der anstehenden Projekte lassen.    



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