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6. Februar 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 06 Ausgabe: Nr. 6 » February 5, 2009

Ein Jugendprojekt für den Frieden

von Valerie Doepgen, February 5, 2009
Die Regisseurin Dalit Bloch hat den Verein Shalom Salam gegründet und lanciert nun ein Theater- und Filmprojekt nach der Vorlage von «Romeo und Julia auf dem Dorfe», das von arabischen und jüdischen israelischen Jugendlichen gemeinsam in der Schweiz und in Israel erarbeitet und aufgeführt werden soll.
DALIT BLOCH Die Regisseurin setzt sich mit ihrem Theater- und Filmprojekt für den Friedensprozess ein

Die Idee ist ebenso ehrgeizig wie visionär: Geplant ist, frei nach Gottfried Kellers Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe» zusammen mit arabischen und jüdischen Israeli als Theaterstück einzustudieren und anschliessend in Israel und der Schweiz damit auf Tournee zu gehen. Während der Probe- und Tourneezeit in den beiden Ländern wird ein Filmteam den Begegnungs- und Arbeitsprozess der Jugendlichen dokumentieren. Leiterin und Initiantin des Projekts ist die Regisseurin und Schauspielerin Dalit Bloch, die 1959 in Beersheva geboren wurde und heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Arlesheim bei Basel lebt. Sie sagt: «Als ich 1999 aus einem Ferienaufenthalt aus Israel zurückkam, schwor ich mir, mein Geburtsland nie wieder als Touristin zu besuchen. Sollte ich dieses Land je wieder betreten, dann nur als Mitträgerin einer Friedensarbeit.» Nun stellt sie der Öffentlichkeit den von ihr gegründeten Verein Shalom Salam vor, einen Verein zur Förderung von kulturellen Begegnungen zwischen arabischen und jüdischen Israeli.

Momente der Begegnung

In Israel leben mehr als eine Million Araberinnen und Araber mit israelischem Pass. Zwischen ihnen und der jüdischen Bevölkerung existieren oftmals Vorurteile, die ein friedliches Miteinander erschweren. Dalit Bloch möchte mit ihrem Projekt «geschützte Momente der Begegnung» schaffen, in denen Wert auf Kommunikation und Austausch gelegt wird. Ihr Ziel ist es, mit je sechs arabischen und jüdischen Israeli zwischen 15 und 17 Jahren gemeinsam ein Stück Schweizer Literaturgeschichte unter «neutraler» Leitung zu erarbeiten und zu dramatisieren. Ein Theaterstück soll entstehen, das zuerst in der Schweiz und später in Israel aufgeführt wird. Der Entstehungsprozess soll von Filmemacher Benno Hungerbühler in Form eines eigenständigen abendfüllenden Dokumentarfilms festgehalten werden. Im Film sollen zudem die familiären, sozialen und politischen Hintergründe der Protagonisten beleuchtet werden, so dass daraus ein Panorma der soziopolitischen Wirklichkeit in Israel entsteht.

Energie der Liebe

Ausgangspunkt von Gottfried Kellers Novelle aus dem Jahr 1847 ist ein Streit zweier ursprünglich befreundeter Bauern um ein Stück Land, das genau zwischen ihren Äckern liegt. Keller konzentriert den Konflikt auf eine kleine dörfliche Gemeinschaft und die Feindschaft auf die beiden Väter – die zur Lebenskatastrophe ihrer Kinder wird. Die Jugendlichen sollen, so Dalit Bloch, in der intensiven Zusammenarbeit und Gemeinschaft die Energien aufnehmen, welche «die Liebenden zusammenführen», die durch Vorurteile im familiären Umfeld voneinander getrennt werden. In der Arbeit mit den Jugendlichen möchte Bloch herausfinden, wie viel diese exemplarische Geschichte mit dem Konflikt in Israel und Palästina zu tun hat. Sie möchte in der Gruppe den Fragen nachgehen, inwieweit innere und äussere Grenzen und Mauern von Neid und Missgunst überwunden werden können und ob der Tod der beiden Protagonisten wirklich der einzige Ausweg zu einem Frieden sein kann. «Innerhalb der Arbeit kann dieser dramatische Prozess ein intensiver Teil des eigenen politischen, familiären und pubertären Erlebnistraumas werden», erklärt Bloch. Zudem solle die Kombination von Theater und Dokumentarfilm eine Sensibilisierung auf das Thema des Fami-lienkonflikts auf breiter Ebene ermöglichen – und das Projekt so zum unaufdringlichen Spiegel unsichtbar vorhandener Auseinandersetzung und Gewalt werden.
Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiss Dalit Bloch: Wenn Menschen verschiedener Gruppen, Herkunft oder Ideologie über eine gemeinsame Tätigkeit wie das kulturelle Schaffen in Berührung kommen, dann entsteht die Chance für eine neue Vision des Zusammenlebens.

Tournee in der Schweiz und Israel

Ein so ehrgeiziges und mutiges Projekt braucht starke Unterstützung – sowohl in ideeller wie auch in finanzieller Hinsicht. Unabdingbar ist auch die Zusammenarbeit mit international vernetzten Friedensorganisationen, die erfahren sind in der Arbeit mit jüdischen und arabischen Gruppen. Die Organisation Havatzelet, die vor allem soziale und kulturelle Projekte sowie den Nachwuchs in Israel fördert, hat ihre Mitarbeit zugesichert. Auch Givat Haviva, die älteste und grösste israelische Einrichtung im Bereich der jüdisch-arabischen Verständigungsarbeit, hat dem Projekt ihre Unterstützung zugesichert. Zudem hat sich Mohammad Darawshe, einer der Direktoren der Abraham Fund Initiatives Israel bereit erklärt, die Produktionsleitung in Israel zu übernehmen. Das Projekt, das sich nun in der Finanzierungs- und Projektvorbereitungsphase befindet, soll bereits im kommenden Jahr starten: Nach Casting-Camps sollen im Sommer 2010 je zwei Wochen Proben in Givat Haviva und in Basel stattfinden. Im Anschluss sind eine zehntägige Tournee in der Schweiz und eine Tournee in Israel geplant. Dem Patronat des neu gegründeten Vereins Shalom Salam gehören Persönlichkeiten wie Filmemacher Dani Levy, Kulturunternehmer Martin Heller, Nationalrätin Silvia Schenker, alt Regierungsrat Ralph Lewin und der Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt Guy Morin an. Es gilt nun, Sponsoren zu finden, die das Projekt von Dalit Bloch unterstützen und wie sie daran glauben, dass «Jugendliche, die bereit sind, an einem solchen Projekt mitzuwirken, die Chance haben, dem Frieden einen Schritt näher zu kommen».   

Informationen unter dalitbloch@salamshalom.ch


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