Reden, Fahnen und Ballone
Ein Meer von Israel-Fahnen, von blauen und weissen Ballonen mit der Aufschrift «Schalom» sowie grössere und kleinere Transparente mit Solidaritätsaufrufen gegenüber Israel füllten den Berner Münsterplatz am letzten Samstagmittag bei winterlicher Kälte. Rund 1500 Personen waren dem Aufruf der Gesellschaft Schweiz-Israel (GSI) gefolgt, der vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz und des Forums für Israel – einer Gruppierung von Christen und in Bern lebenden Israeli – unterstützt wurde. An den Zugangswegen standen Polizisten, Störungen blieben aber aus. Einzig eine junge Frau verteilte Flugblätter «Solidarität mit Gaza – Stop Israel». Die Parolen auf den Transparenten reichten von «8000 Raketen sind genug» über «Hamas-Charta = Mein Kampf» bis zu «Betet für Israel». Wahrscheinlich gut die Hälfte der Anwesenden stammte aus christlich-evangelikalen Kreisen.
Organisator Karl Mörschel, Präsident der GSI-Sektion Bern, bezeichnete den Einsatz für das Existenzrecht Israels und gegen den Antisemitismus in jeder Form als Ziel der Kundgebung. Nach einer Schweigeminute für die unschuldigen Opfer des Krieges auf beiden Seiten ergriff GSI-Zentralpräsidentin Vreni Müller-Hemmi das Wort. Sie bekannte sich zu einer tragfähigen Zwei-Staaten-Lösung, forderte zu differenzierter Wahrnehmung auf und wandte sich «gegen simplifizierende Be- und Verurteilung». Wer sich in der Schweiz mit der Hamas solidarisiere, unterstütze auch ihre Hasspropaganda, deren Missachtung zentraler Menschenrechte und deren Forderung der Auslöschung des Staates Israel. Explizit forderte sie Aussenministerin Micheline Calmy-Rey auf, die Hamas für die israelische Offensive und das «unmenschliche Handeln dieses Regimes an der eigenen Bevölkerung» verantwortlich zu machen. Auch GSI-Vizepräsident Rolf Bloch betonte, die Hamas dürfe nicht mit den Palästinensern gleichgesetzt werden. Wenn liberale und freiheitlich denkende Menschen diese Organisation unterstützten, gingen sie eine falsche Allianz ein. Nationalrat Markus Hutter (FDP, Zürich) kritisierte seinerseits die Teilnahme des grünen Nationalrats Geri Müller, Präsident der aussenpolitischen Kommission, an einer «einseitigen Kundgebung zugunsten der Hamas». Die Hamas sei nicht nur eine Bedrohung für Israel, sondern auch für die westliche Welt und damit die Schweiz. Zwei Personen wandten sich in französischer Sprache an die Kundgebungsteilnehmer: «Kein Friede ohne Sicherheit» rief Nationalrätin Martine Brunschwig Graf (Liberale, Genf) aus, was Nationalrat Jean-Pierre Graber (SVP, Bern) unter Hinweis auf die Debatten im Uno-Menschenrechtsrat ergänzte durch «Kein Frieden ohne Wahrheit». Auch gelte es, bei allem Leid, die Proportionen zu wahren; bezüglich der Opferzahl stehe der Nahe Osten an 49. Stelle aller Konflikte seit 1950.
Nach einer Stunde wurde die Kundgebung durch das Singen der israelischen Nationalhymne «Hatikva» und das Steigenlassen der Ballone in den blauen Winterhimmel offiziell beendet, doch wurde auf dem Münsterplatz noch längere Zeit eifrig diskutiert und zu israelischer Musik getanzt.


