Noch ist die Kriegskasse voll
Die Eskalation der israelischen Kampagne gegen die Hamas von Luftangriffen zur Bodenoffensive hatte nicht nur eine Intensivierung der Kampfhandlungen zur Folge, auch die Kriegskosten schossen in die Höhe. Zu den Kosten für die Angriffe der Düsenjäger und die Bombenabwürfe kommen der Einsatz von Panzertruppe und Marine, der Munitionsverbrauch und natürlich auch der Aufwand für die Mobilisierung Zehntausender von Reservesoldaten zum Aktivdienst hinzu.
Ein Reservesoldat kostet im Durchschnitt pro Tag 450 Schekel, wobei in dieser Summe die «militärischen» Kosten, wie die Verpflegung des Wehrmannes, nicht eingeschlossen sind. Die Kosten für die Mobilisierung von 10 000 Reservesoldaten belaufen sich auf 4,5 Millionen Schekel und ihr Verweilen während zehn Tagen im Truppenverband verschlingt 45 Millionen Schekel. In diesen Summen ebenfalls nicht enthalten sind weder die Verluste, welche der Wirtschaft dadurch entstehen, dass Arbeitskräfte in Uniformen gesteckt werden, noch die an der Heimfront verursachten Schäden.
Schlechte Prognosen
Das Ganze spielt sich, das kommt erschwerend hinzu, vor dem Hintergrund eines verlangsamten Wirtschaftswachstums ab. Während die wichtigsten Handelspartner von Israel bereits in echten Rezessionen stecken, trifft dies für Israel selber derzeit noch nicht zu. Das Jerusalemer Finanzministerium rechnet offenbar aber bereits mit dem Schlimmsten, erwartet es nach Wachstumsraten von 5,4 Prozent (2007) und 4,1 Prozent (2008) für das laufende Jahr doch nur noch mit einem Wachstum von einem Prozent im besten Fall. Die ersten Prognosen für 2010 liegen auch nicht viel höher.
Solange die Operation «Gegossenes Blei» andauert, weigern sich Finanzministerium und Armee, die Kosten der Kampagne zu diskutieren. Ohne annähernd zu wissen, wann diese Kampagne enden wird, können die anfallenden Kosten sowieso nicht einigermassen präzise kalkuliert werden. Laut seriösen Schätzungen des Ministeriums aber hat das Unternehmen die Armee in seiner ersten Woche 700 Millionen Schekel gekostet.
Operation «Gegossenes Blei»
Nach dem zweiten Libanon-Krieg hatte die Armee ein Budget von 30 Milliarden Schekel beantragt. Nur gerade acht Milliarden waren für die Ersetzung verbrauchten oder beschädigten Inventars gedacht gewesen, während 9,6 Milliarden auf die Vorbereitung des nächsten Krieges aufgewendet wurden. Die Armee verlangte zudem eine Aufstockung des laufenden Budgets um drei Milliarden Schekel pro Jahr. Zwischen 2006 und 2008 hat die Armee acht Milliarden Schekel erhalten. Hinsichtlich der ausstehenden 22 Milliarden bildete Premierminister Ehud Olmert die Brodet-Kommission. Ende Juli 2007 genehmigte das Kabinett Brodets Empfehlungen, die unter anderem die Überweisung weiterer 100 Milliarden Schekel an die Armee im Verlauf von zehn Jahren vorsahen. Ein Teil dieser Summe würde durch US-Hilfe gedeckt werden, ein weiterer Teil durch eine Redimensionierung der Armee.
Die Kommission Brodet befand auch, dass die Armee über eine Reserve von 800 Millionen Schekel für unerwartete Ereignisse verfügen müsse; der derzeit laufende Krieg ist ein solches Ereignis. In den Jahren 2007 und 2008 ist diese Reserve nicht genutzt worden, so dass die Armee das laufende Jahr mit einem finanziellen Kissen von 2,4 Milliarden Schekel startete. Das ist ein guter Ausgangspunkt für die Deckung der Kosten der Operation «Gegossenes Blei», doch die Summe wird nicht für den ganzen Konflikt reichen.
Hoher wirtschaftlicher Schaden
An der zivilen Front ist der indirekte Schaden der Raketenangriffe grösser als der direkte Schaden. Direkter Schaden tritt dann auf, wenn eine Rakete oder eine Granate Privateigentum trifft. Indirekter Schaden kann aus verlorenen Arbeitstagen resultieren, weil Fabriken stillgelegt oder die Kinder von den Schulen ferngehalten werden müssen.
Um die Kontrolle über seine eigenen Ausgaben nicht zu verlieren, wird das Finanzministerium die Kompensationsansprüche der Städte für erlittenen indirekten Schaden limitieren. Steuerkommissionär Yehuda Nasradishi unterstrich diese Woche, die von verschiedener Seite vorgeschlagene Ausweitung des Radius der kompensationsberechtigten Städte von sieben auf 20 Kilometer jenseits des Gazastreifens würde die Kompensationssumme gewaltig erhöhen. Der Jahresumsatz aller Geschäfte in der 20-Kilometer-Zone beläuft sich auf rund 50 Milliarden Schekel. Die Kompensation für indirekten Schaden wie rückläufiger Umsatz könnte astronomische Höhen erreichen. Die unter Beschuss stehenden Regionen sind stillgelegt, und Arbeiter werden zusehends als Reservesoldaten mobilisiert. Der Schaden für das Wirtschaftswachstum könnte anwachsen. Während des zweiten Libanon-Kriegs gelangten Ökonomen zum Schluss, die israelische Wirtschaft würde ein bis zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) verlieren. Jedes Prozent des BIP ist heute rund sieben Milliarden Schekel wert. Der Schaden durch die Operation «Gegossenes Blei» wurde anfänglich als geringer eingestuft, doch nachdem nun auch Beersheva und Ashdod in den Einzugsbereich der Raketen gelangt sind, könnte sich das ändern.


