Für eine starke Demokratie und Frieden
Im Anschluss an die einzelnen Tagungen, die der New Israel Fund (NIF) in Zürich organsiert hatte, nahmen rund 150 Gäste an der öffentlichen Abendveranstaltung teil. Nachdem Pierre Loeb, Präsident des NIF Schweiz, die Organisation und ihr Engagement vorgestellt hatte, kamen die Gäste des Abends zu Wort: alt Bundesrätin Ruth Dreifuss und Naomi Chazan, Professorin für Politische Wissenschaften der Hebräischen Universität Jerusalem und Präsidentin des NIF, hielten einen Vortrag, bevor beide innerhalb eines Podiums mit Laurent Goetschel, Professor am Europainstitut der Universität Basel und Direktor von swisspeace, Michael Sternberg, Leiter des Zentrums für Konfliktmanagement und Transformation des NIF, und Jean-Daniel Ruch, Botschafter für Sonderaufgaben Naher Osten des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, über das Thema «Konstruktives Streiten in der Politik: Realität oder Illusion?» diskutierten.
Grosses Engagement
Das Podium, das von Esther Girsberger moderiert wurde, war an sich ohne eine Teilnahme von Naomi Chazan geplant, da die Professorin kein Deutsch spricht. Nach einiger Zeit des Zuhörens aber hielt sie es nicht mehr auf den Zuschauerplätzen aus – kurz entschlossen und energisch ging sie auf die Bühne, wählte Botschafter Ruch als ihren Übersetzer aus und nahm aktiv an der Diskussion teil. Diese Aktion kann als Zeichen für das starke Engagement gesehen werden, mit dem sich alle Beteiligten für eine konstruktive Lösung im Nahost-Konflikt einsetzen.
Das Thema lässt niemanden der Anwesenden kalt, was auch an den zahlreichen Fragen im Anschluss an die Diskussion deutlich wurde. Es ging sowohl in den Referaten wie auch auf dem Podium vor allem darum, wie es gelingen kann, in Israel eine «echte, vitale und gesunde Gesellschaft» (Ruth Dreifuss) aufzubauen, wie der andauernde Konflikt mit den Palästinensern gelöst und eine Zwei-Staaten-Lösung möglichst bald gelingen kann. Dass diese nur möglich ist, wenn auf eine starke Gesellschaft gesetzt und auf die wissenschaftlichen Ergebnisse der Konfliktforschung zurückgegriffen wird, scheint ebenso klar wie die Tatsache, dass andere Länder – und eben nicht nur die USA, sondern auch die EU, die Schweiz oder Russland – sich nachhaltig und ernsthaft für einen Frieden im Nahen Osten einsetzen sollten.
Die Zeit läuft ab
Einen bitteren Beigeschmack gab die Besorgnis erregende Aussage von Naomi Chazan, die sie mit Nachdruck wiederholte: «Wenn keine Zwei-Staaten-Lösung innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre gefunden wird, dann ist es zu spät für einen Frieden.» Frieden sei der einzige Weg, um eine wahre und gesunde Demokratie in Israel zu leben; die Menschen aber würden den Glauben daran immer mehr verlieren, auch weil die politische Situation im Land sei sehr unstabil sei. Chazan sieht nur noch eine Lösung, um den Konflikt bald zu beenden: «Israel muss einen palästinensischen Staat kreieren, denn nur Gerechtigkeit für die Palästinenser garantiert das Überleben des israelischen Staates.» Einig waren sich alle Teilnehmenden darin, dass die Gesellschaft als Teil des Staates eine wichtige Rolle im Friedensprozess einnimmt. Laurent Goetschel sprach sich dafür aus, dass Menschen innerhalb der Zivilbevölkerung Verantwortung übernehmen und einen Weg aus dem Konflikt beschreiten. Er sagte: «Die Perspektive muss von innen kommen, aber von aussen unterstützt werden.» Gerade hier setzt der NIF an: Er setzt sich mit einem Jahresbudget von bis zu 30 Millionen Dollar dafür ein, die israelische Gesellschaft zu stärken. Bisher hat der NIF, der seit 1993 in der Schweiz aktiv ist, rund 800 Organisationen in Israel gegründet – nicht zuletzt, um die Demokratie zu stärken und das Land auf dem Weg zum Frieden konstruktiv zu unterstützen.


