logo
12. Dezember 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 50 Ausgabe: Nr. 50 » December 11, 2008

Schon fast aussichtlos

von Jaques Ungar, December 11, 2008
Hass. Beschämend ist das Gesicht des innerjüdischen Hasses, das sich in Hebron anlässlich der vom Gericht angeordneten Räumung des «Hauses des Konflikts» offenbarte.

Fanatisierte Schulbuben und -mädchen boten der «Armee der Zerstörung» und den «Nazis» mit Schimpftiraden, die auf die Soldaten und Polizisten herabprasselten, die nur ihre Befehle ausführten, die Stirne, um «für das Land und seine Einwohner» zu kämpfen, wie sie in verblendetem Kadavergehorsam den verhassten Medien (die man offenbar aber trotzdem braucht …) ins Mikrofon schrien. Mit Nägeln bestückte Kartoffeln, Säuren und Terpentin in Plastikbeuteln sowie Steine und Brandbomben waren in wochenlanger Arbeit vorbereitet worden. Nur dank des Überraschungseffektes der Truppen konnte nur wenig dieser Munition verschossen werden.

Albtraum. Peinlich für die immer stärker unter Druck geratenden Wertvorstellungen im Staate Israel war das Auftreten rabiater extremistischer Aktivistinnen wie Nadia Matar und Daniela Weiss, nationalistischer Knessetabgeordneter und Rabbiner der Siedlerbewegung, die nach Hebron geeilt waren, um ihre Schützlinge als die echten Kämpfer für ein jüdisches Israel hochleben zu lassen. Es waren dies die gleichen Figuren, die schon 2005 im Katif-Siedlungsblock im Gazastreifen und später dann beim Abreissen von neun Häusern in Amona in der Westbank ihre Buben und Mädchen mit Slogans angefeuert hatten, von denen der Verputz an Glorie und Heldentum schon längstens abgeblättert und durch eine Tünche von Verantwortungslosigkeit und Egoismus ersetzt worden ist. Nicht nur wollen sie nicht einsehen, dass der utopische Traum von ein paar 1000 Extremisten heute zum Albtraum von Millionen geworden ist. Sie fahren auch fort, Halbwüchsige für ihre ideologisch-politischen Zwecke zu missbrauchen und sind bereit, bis zur letzten Kraft dieser Buben und Mädchen zu kämpfen.

Radikal. Beschämend sind die Vorkommnisse auch für Eltern, Schullehrer und Rabbiner von Jeschiwot, die ihren Schutzbefohlenen bewusst gestatteten, den Unterricht zu schwänzen und stattdessen in Hebron ihren aufgestauten Hass auf Soldaten, Polizisten und Palästinenser in physische Gewalt umzusetzen. Shmuel Asban etwa erklärte erhobenen Hauptes am Krankenhausbett seines durch einen palästinensischen Stein lebensgefährlich verletzten 15-jährigen Sohnes Eliassif, nichts zu bereuen. «Er musste dorthin gehen, um zu kämpfen.» Beschämend und fast schon kriminell sind zahllose Regierungen, die das Heranwachsen der radikalen «Jugend der Hügel» tatenlos mitverfolgten. Ob sie nichts tun konnten oder nichts tun wollten, ist belanglos. Israel muss entschieden gegen diese Nester der Gesetzlosigkeit, gegen diese Staaten im Staat einschreiten, will es vermeiden, dass es diesen vermummten Rowdys und ihren Hinterleuten gelingt, die Westbank mit einem Flächenbrand zu überziehen, der an der «grünen Linie» nicht Halt machen, sondern sich nach Israel hineinfressen würde. Ob ausgerechnet die von der «lahmen Ente» Olmert geführte Regierung die Zivilcourage für einen derartigen Schritt aufbringt, muss bezweifelt werden, und die wahrscheinlich auf sie folgende rechts-nationale Koalition unter Binyamin Netanyahu wird sich hüten, ihren loyalen Verbündeten aus der Siedlerszene in den Rücken zu fallen. Das ist mehr als beschämend und peinlich. Es ist schon fast aussichtslos. 





» zurück zur Auswahl