Medienunternehmen in der Krise
Für die ersten neun Monate 2008 musste Maariv Holdings einen Verlust von 55 Millionen Schekel hinnehmen, der Nettoverlust beziffert sich gar auf 71 Millionen. Die letzten drei Monate des laufenden Jahres dürften keine Erleichterung bringen, erzielt die Firma im vierten Quartal traditionsgemäss doch immer schlechte Resultate.
Salz in die Wunde bedeutet die Welt-Finanzkrise, die ein schlechtes Omen für die Entwicklung des Anzeigenvolumens im kommenden Jahr ist. Wie tief die Probleme im Mediengeschäft reichen, lässt sich etwa daran ablesen, dass in den letzten drei Jahren die Aktien der «New York Times» um 80 Prozent gefallen sind. Infolge der Rezession und der Marktkonkurrenz des Internets sind auch die Aktien von Fernseh- und Anzeigenkonzernen um 50 bis 70 Prozent gesunken. Dessen ungeachtet ist Ofer Nimrodi, der Mehrheitsaktionär von Maariv Holdings, zuversichtlich, dass die Printmedien in Israel vor einem Comeback stehen. Nimrodis Unternehmen gehört zu den weniger erfolgreichen Gesellschaften im israelischen Medienbereich. Seit Anfang 2005 hat Maariv Holdings einen kumulierten Verlust von 230 Millionen Schekel erzielt. Sowohl im Betriebs- als auch im Netz-Bereich musste in jedem Jahr seit 2005 ein Defizit verzeichnet werden. Vor dem Hintergrund dieses Negativ-Rekords überrascht Nimrodis Optimismus doch einigermassen.
Finanzielle Belastungen
Auf Betreiben der israelischen Wertschriftenbehörde erklärte «Maariv» in seinem Bericht zum dritten Quartal 2008, wie man den Verpflichtungen nachzukommen gedenke. Von November 2008 bis Dezember 2010 muss das Unternehmen 123 Millionen Schekel an Schulden zurückzahlen. Keine kleine Aufgabe für einen Betrieb mit einer Cash-Basis von 3,5 Millionen Schekel (am 1. November) und einem antizipierten Bedarf an Cash von 12 Millionen in den nächsten zwei Monaten.
Bei der Beantwortung der Frage, wie dieser Schuldenberg abzutragen sei, kommt Nimrodis Optimismus ins Spiel. So prophezeit er im jüngsten Quartalsbericht, dass «Maariv» im Jahr 2009 einen Cash-Flow von 18,8 Millionen Schekel generieren wird, nachdem in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ein negativer Cash-Flow von 32 Millionen verzeichnet werden musste. Hinzu kommt der für den Rest des Jahres 2008 erwartete Fehlbetrag von 12 Millionen Schekel. Nimrodi rechnet in anderen Worten also damit, dass «Maariv» im nächsten Jahr von einem 2008 aufgelaufenen Defizit von 44 Millionen zu einem Überschuss von acht Millionen gelangen wird, was eine Differenz von 52 Millionen bedeuten würde. Und das in einem Jahr, das nach Ansicht von Experten durch eine Rezession geprägt sein wird, die sowohl am Konsum als auch an den Investitionen nagen dürfte. Die Prognose des «Maariv»-Bosses klingt umso unrealistischer, als die Einnahmen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 14 Prozent krebsten, obwohl die israelische Wirtschaft in diesem Zeitraum ihr Wachstum fortsetzte.
Abbau von Personal
Nach Angaben der Gesellschaft gehört ¬eine globale Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit, die das israelische Wachs¬ tum negativ beeinflussen könnte, zu ihren Risiken. Dies wiederum dürfte die Werbeausgaben beeinträchtigen, da gefährdete Firmen diesen Budgetposten als einen der ersten zu kürzen pflegen. Ein weiteres Risiko ist die steigende Auflage der Gratiszeitung «Israel Hayom», die, wie «Maariv» in erstaunlicher Offenheit schreibt, zu einer «legitimen Zeitung» geworden ist. Hinzu kommt, wie der Bericht hinzufügt, der wachsende Anteil der Online-Werbung am gesamten Werbekuchen. Weiter hält «Maariv» fest, das Blatt habe seine Unabhängigkeit verloren und sei im Wesentlichen abhängig von Nimrodis Gnaden, der laufend Gelder von seiner Muttergesellschaft ILDC einschiesst.
Wenn es schon auf der Einnahmenseite nichts Gutes zu berichten gibt, kann Nimrodi vielleicht von Fortschritten auf der Ausgabenseite erzählen. Das war bisher zwar nie seine starke Seite, doch wer weiss? Schaut man sich allerdings die Ergebnisse der Zeitung an, gelangt man zum Schluss, dass trotz endloser Deklarationen von grandiosen Sparplänen, die Gewinn- und Verlustrechnung wenig beeindruckt. In den ersten neun Monaten 2008 gingen die Verkaufskosten von «Maariv» im Vergleich zur selben Periode des Vorjahres zwar um 29 Millionen Schekel zurück, doch ist dies in erster Linie auf einen Rückgang der Papierkosten um 18 Prozent zurückzuführen (wegen des veränderten Dollar-Schekel-Kurses) und weniger auf Lohnsenkungen. Die Papierkosten werden im nächsten Jahr aber wieder steigen, was das Cash-Flow-Problem noch akuter machen dürfte.
«Maariv» kündigt nun eine strikte Kostenkontrolle und einen Personalabbau an. Im Zeitraum Januar bis September lagen die Verwaltungskosten aber nur um zwei Millionen Schekel unter dem Wert für die Vergleichsperiode von 2007. Die Erlösung dürfte also kaum von der Ausgabenseite kommen. Alles in allem sehen für «Maariv» die Prognosen für 2009 wenig rosig aus.


