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5. Dezember 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 49 Ausgabe: Nr. 49 » December 4, 2008

Der Krieg verändert sein Gesicht

December 4, 2008

Jetzt, da die israelische Kritik an der Art, wie die indischen Behörden sich mit dem Terror von Mumbai befasst haben, etwas nachlässt, ist es an der Zeit, sich mit den praktischen Lehren zu beschäftigen, die aus dem Geschehen in der südindischen Metropole zu ziehen sind. Es fällt schwer zu glauben, dass an den präzise vorbereiteten Attacken von Mumbai nur gerade zehn Terroristen beteiligt waren, wie von indischer Seite behauptet wird. Ziemlich sicher haben sie (etwa über Satellitentelefone) Hilfe von Hintermännern im Ausland und von lokalen Kollaborateuren erhalten, und es ist klar, dass die verantwortliche muslimische Organisation die Latte für mögliche Nachahmer in aller Welt hoch gelegt hat: Gleichzeitige Angriffe an verschiedenen Stätten mit Geiselnahme, Sprengstoff- und Granatenattacken, die die Riesenstadt während dreier Tage lahmlegten. Zwar hat es seit dem 11. September 2001 verschiedene Terroranschläge mit vielen Opfern gegeben (in Bali, London und Madrid, um nur einige Beispiele zu nennen), doch die Anschläge von Mumbai waren zweifelsohne die raffiniertesten seither. Wir können nicht beurteilen, ob Hizbollah, Hamas oder der Welt-Jihad (eine Tochtergesellschaft von al-Qaida) imstande sind, etwas Ähnliches in Israel zu arrangieren, wo man etwas besser in der Lage zu sein scheint, einer derartigen Attacke zu begegnen, als in Indien. Von jetzt an muss dieses extreme Szenario aber auch in
Israel in Betracht gezogen werden. Der Krieg gegen den Terrorismus hat sein Gesicht verändert. Das neue Szenario stellt die Anti-Terror-Einheiten vor ganz neue Herausforderungen. Bisher ging Israels Armee von der Vermutung aus, dass sie nach der Stabilisierung der Lage dem Feind quantitativ und geheimdienstlich überlegen sei. Sobald aber grossflächige Zonen wie Hotels angegriffen werden, wird die Herausforderung viel komplexer. Anti-Terror-Experten sagen, dass bereits die Sicherung eines einzigen Stockwerks in einem Hotel, in dem Terroristen Geiseln halten, den Einsatz einer ganzen Einheit erforderlich mache. Nicht einmal Israel verfügt über genügend Einheiten, die in der Lage wären, mehreren sich gleichzeitig abspielenden Geiselnahmen und anderen Attacken simultan zu begegnen. Das würde die Ausbildung zusätzlicher Anti-Terror-Einheiten und eine vertiefte Kooperation mit ähnlichen Kräften im Ausland rechtfertigen. Wir sollten auch den Einsatz von Agenten für das Sammeln von Informationen im Vorfeld möglicher Anschläge in Betracht ziehen. Und angesichts der Qualität der Ausbildung, welche die Terroristen geniessen, und der hohen Zahl der offensichtlich gemeinsam trainierenden Menschen sollte der Westen vielleicht wieder Angriffe auf Terror-Ausbildungslager, einschliesslich jener in Pakistan und Libanon, in Erwägung ziehen. Wir sind mit von der Partie. Das Interesse, das Organisationen des Welt-Jihad an Israeli und Juden als potenziellen Zielobjekten zeigen, ist nicht neu. Jetzt wissen wir aber auch, dass islamische Terroristen Israeli und Juden sogar dann zu sekundären Zielen machen, wenn der Hintergrund für Attacken an sich ein regionaler Konflikt ist (Indien und Pakistan). Das israelische Anti-Terror-Hauptquartier denkt bereits daran, die Sicherheitsvorkehrungen für Hunderte von jüdischen Institutionen in aller Welt aufzustocken.    Amos Harel





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