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14. November 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 46 Ausgabe: Nr. 46 » November 13, 2008

Für einen Wandel

von Jaques Ungar, November 13, 2008
John Key, der neu gewählte konservative Regierungschef von Neuseeland, ist zwar kein praktizierender Jude, doch als Sohn der vor dem Zweiten Weltkrieg aus Wien geflüchteten und via London nach Neuseeland gekommenen Ruth Lazar ist er abstammungsmässig sehr wohl Jude. Aus dieser Tatsache macht er auch keinen Hehl.

Mit seinen 47 Jahren ist John Key genauso jung wie der designierte amerikanische Präsident Barack Obama. Und genauso wie der Amerikaner Obama hat der Neuseeländer Key am letzten Wochenende die Erfüllung seines politischen Traums erleben können, gewann seine konservative Nationale Partei doch bei den Parlamentswahlen 59 der total 122 Sitze. Weil Key sich die Unterstützung zweier kleiner Parteien gesichert hat, kann er eine Koalition von 65 Mandaten bilden und damit die seit neun Jahren regierende Sozialistin Helen Clark vom Amt verdrängen, musste sich ihre Labour-Partei bei den Wahlen doch mit 43 Sitzen begnügen.
Ähnlich wie Obama, der wenige Tage vor ihm festgestellt hatte, Amerika sei «vom Wandel erfasst worden», erklärte auch Key in seiner Siegesrede in Auckland, mit ihrer Wahl hätten sich die Neuseeländer «für den Wandel» entschieden.

Harte Arbeit

Das vom Export abhängige Neuseeland leidet besonders stark unter der weltweiten Finanzkrise, was Key denn auch in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte. Der globale Abwärtstrend sei das akuteste Problem für sein Land, sagte er und fügte hinzu: «Die globale Finanzkrise bedeutet, dass die vor uns liegende Strasse eine holprige werden wird. Morgen beginnt die harte Arbeit.»
Die Unterschiede zwischen Key und Obama sind aber nicht weniger ausgeprägt als die Parallelen. So erarbeitete sich der neue neuseeländische Premierminister als Devisenhändler bei Merrill Lynch in London ein Millionenvermögen, bevor er 2001 in seine Heimat zurückkehrte und eine politische Laufbahn einschlug. Und im Gegensatz zu Obama dürfte Key eine eher rechtsgerichtete, unternehmerfreundliche Regierung bilden, die andere Prioritäten setzen wird als das Kabinett Helen Clark, für welches beispielsweise die globale Erwärmung während fast einem Jahrzehnt eine zentrale Rolle gespielt hatte.
Andererseits gehört Key in Neuseeland wie Obama in den USA einer Minderheit an. Keys Mutter, Ruth Lazar, war nämlich eine in Wien zur Welt gekommene Jüdin, deren in London lebende Tante ihr durch die Vermittlung einer fiktiven Ehe am Vorabend des Zweiten Weltkriegs 1939 die Flucht aus Österreich ermöglicht hatte. Keys Vater George starb als Alkoholiker, als sein Sohn sieben Jahre alt war, und folglich spielte die Mutter eine wichtige Rolle im Leben des nachmaligen Regierungschefs. «Sie war eine erstaunliche Frau», sagte er kurz vor den Wahlen. «Sie hatte einen stark entwickelten Gerechtigkeitssinn und glaubte fest daran, dass ich Grosses erreichen konnte. Sie förderte mich bewusst.» Key macht den Einfluss seiner Mutter für seine wirtschaftlichen und politischen Erfolge verantwortlich. Was ihre jüdische Abstammung betrifft, betonte Key, die Mutter sei nie «tief religiös» gewesen, doch habe sie ihn mehrere Male in die Synagoge mitgenommen und sei auch aktiv in der Gemeinde gewesen.

Starkes Interesse an Israel

John Key, verheiratet und Vater von zwei Kindern, ist zwar kein praktizierender Jude, doch betrachtet er sich als Mitglied der jüdischen Gemeinde und bekundet auch ein starkes Interesse an Israel. So sprach er unlängst an einer Zeremonie aus Anlass des 60. Geburtstags des Staates Israel, in dem er bisher zwar selbst noch nie war, den er aber zu besuchen hofft, und zwar nicht nur, weil einige seiner Cousins dort leben.
Key, der auch schon für wohltätige Zwecke in Israel (vor allem für das Jerusalemer Hadassa-Krankenhaus) gespendet hat, würde anlässlich einer Israel-Visite, wie er vor den Wahlen der «Jerusalem Post» gegenüber ausführte, ganz bestimmt auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen. Bezüglich der politischen Position seiner Regierung Israel gegenüber wollte John Key sich zunächst nicht auf die Äste hinaus lassen. «Neuseeland hat sehr warme Beziehungen zu Israel», sagte er nur. Infolge der relativ niedrigen Bevölkerungszahlen gebe es viele Synergieeffekte zwischen den beiden Staaten. Weniger als 0,2 Prozent der total 4,1 Millionen Einwohner von Neuseeland gehören der jüdischen Gemeinde an.





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