Mindestens noch ein Jahr auf Sendung
Der Radiosender Energy Zürich ist vom Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikatio im laufenden Konzessionsverfahren nicht berücksichtigt worden und hat damit für die Region Zürich-Glarus keine Konzession erhalten. Wie aus einer aktuellen Medienmitteilung hervorgeht, wird gegen den Entscheid jetzt aber Rekurs eingelegt. Damit kann Energy Zürich noch mindestens bis Ende 2009 weitersenden, «früher wird das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nicht erwartet», heisst es in der Mitteilung. «Wir kämpfen um die Zukunft des Radiosenders», sagt Jonathan Schächter, Moderator bei Energy Zürich. Solange man aber noch auf Sendung sei, gebe es für den Sender auch eine Überlebenschance. So, wie es zurzeit aussieht, verliert Energy Zürich den Sendeplatz und wird somit aus dem UKW-Netz verschwinden.
Eine Welle der Solidarität
Eine Ausstrahlung über DAB oder Kabel komme bisher nicht in Frage, denn «wir sind auf die Werbeeinnahmen angewiesen», so Schächter. Energy Zürich muss also allenfalls seinen Betrieb einstellen. Daran möchte Schächter vorerst gar noch nicht denken. Jeden Tag erreiche eine Flut von Briefen die Redaktion. Und auf Internetplattformen wie Facebook werden derzeit Gruppen wie «100 000 Energy-Züri-Hörer für die Rettung des Hit-Radios» gegründet. «Es ist unglaublich, wie solidarisch unsere Zuhörer sind», freut sich Schächter über die Unterstützung. Es brauche den Sender, der täglich rund 220 000 Hörer erreicht, weil er das führende Schweizer Privatradio für eine junge Zielgruppe sei. «Ein junges Publikum wünscht sich vor allem Entertainment und gute Musik. Diesem Anspruch werden wir gerecht», argumentiert der 26-jährige Schächter, der seit über einem Jahr bei Energy Zürich tätig ist und täglich seine eigene Sendung «Energy Downtown» moderiert. Der Sender gehört zu 51 Prozent Ringier, dem grössten Schweizer Medienunternehmen, und zu 49 Prozent der französischen NRJ-Gruppe, dem grössten europäischen Radiokonzern.
Das Radio sendet seit 25 Jahren, einst unter dem Namen Radio Z. Seit August 2003 heisst es Radio Energy Zürich und beschäftigt 60 Mitarbeiter. Medienpionier Roger Schawinski sieht nicht ein, weshalb sich Energy Zürich nur um die grosse Konzession bewarb, als es um die Verteilung des dritten Platzes auf dem Frequenzband ging. «Ener-gy könnte problemlos weitersenden, wenn man sich auch für die kleine Konzession beworben hätte, wie ich mit Radio 1. Die kleine Konzession verfügt über ein fast so grosses Sendegebiet wie das von Energy heute. Ich hätte nie ein solches Risiko genommen. Wenn es Energy schafft, eine zusätzliche Frequenz zu finden, so würde mich dies für die Hörer und die Mitarbeiter freuen», sagt Schawinski gegenüber tachles. Er selbst sei natürlich froh, dass die Programmqualität von Radio 1 gewürdigt worden ist. Deshalb sei es für ihn auch kein Thema, Energy Zürich im Falle einer Schliessung zu übernehmen.
Es bleibt abzuwarten
Neben Schawinskis Radio 1 erhielten auch Radio 24 und Radio Zürisee einen Platz auf dem Frequenzband. Was das Privatfernsehen Tele Züri betrifft, so sieht Roger Schawinski für das erste Lokalfernsehen der Schweiz trotz negativem Konzessionsentscheid nur Positives: «Für Tele Züri ist das eine Chance, in einem grösseren Gebiet zu senden, als es mit einer Konzession möglich gewesen wäre. Deshalb ist dieser Entscheid für Tele Züri ein Segen», so Schawinski. Bleibt abzuwarten, was die Macher von Tele Züri unternehmen wollen, um zu verhindern, dass beim Sender nicht die Lichter ausgehen.


