Friedliches Kandidatenforum in New York
Wer einen harten Schlagabtausch erwartet hatte, sah sich dieser Tage enttäuscht, als Alfonse D’Amato und Jerrold Nadler in der ehrwürdigen New Yorker Park East Synagoge aufeinandertrafen, um jüdischen Wählern die Differenzen zwischen John McCain und Barack Obama aufzuzeigen. Dabei hat der Republikaner D’Amato zehn Jahre nach seiner Abwahl als Senator von New York nichts von seiner demagogischen Hemdsärmligkeit verloren, und der demokratische Kongress-Veteran Nadler ist ebenso kompetent wie durchsetzungsstark. Er nimmt in der demokratischen Fraktion in Washington eine führende Stellung ein. Doch nach ihrer Einführung durch Rabbiner Arthur Schneier präsentierten sich die alten Politlöwen als friedliche Lämmchen. D'Amato übereichte Nadler zum Auftakt artig einen Olivenzweig und entschuldigte sich für eine lange zurückliegende Beleidigung. «Senator Schlagloch» – eine Referenz an seine Aufmerksamkeit für die kleinen Sorgen seiner Wähler – war sogar fein genug zu verschweigen, dass er den beleibten Nadler einst «Waddler» genannt hatte, eine «dicke Watschelente».
Nadler nahm die Entschuldigung mit einem Hinweis auf den nahen Feiertag Jom Kippur an. Damit war ein freundschaftlicher Ton etabliert, der den ganzen Abend lang hielt. Nur ganz am Ende, als die Diskussion kurz auf die Steuerpolitik kam, wurden echte Differenzen zwischen dem Republikaner und dem Demokraten deutlich.
Klare Haltung zu Israel
Was die Haltung Obamas und McCains zu Israel und dessen Bedrohung durch Iran anging, so waren sich D’Amato und Nadler weitgehend einig: Ihre Kandidaten würden Israel als US-Präsident keinesfalls «zu Kompromissen zwingen, die das Sicherheitsbedürfnis des jüdischen Staates verletzen». Und weder McCain noch Obama wollen auf die militärische Option verzichten, um Teheran von seinen nuklearen Ambitionen abzubringen. D’Amato sah keinerlei Anlass, an Nadlers Ausführungen zu zweifeln. Zu seiner alten Form fand er nur, als die Rede auf die Abhängigkeit Amerikas vom Öl der Saudis kam. Er bezeichnete die traditionellen Verbündeten der USA als korrupte Gangster-Clique und erklärte, das gesamte Herrscherhaus mit seinen 3000 verwöhnten Prinzen habe «weniger königliches Blut» in sich als er in seinem kleinen Finger.
Andere Töne waren jedoch im Publikum zu vernehmen. Etliche ältere Zuhörer machten aus ihrem Misstrauen gegen Obama keinen Hehl. Sie betrachten den Juniorsenator aus Illinois als «unbeschriebenes Blatt» und als Feind Israels, wenn nicht als klammheimlichen Muslim, der mit der Hamas und den Mullahs in Teheran unter einer Decke steckt. Bestärkt werden sie darin seit vielen Monaten durch im Internet zirkulierende Rundbriefe. Zu diesen kommt in jüngster Zeit eine Flut von Telefonanrufen, die sich vor allem an ältere jüdische Wähler im Süden Floridas richten. Die Region gilt auch in diesem Wahljahr als zentrales Schlachtfeld. Bei den Telefonaten erkundigen sich angebliche Demoskopen danach, was ihre Ansprechpartner eigentlich davon halten, «dass Obama die PLO massiv mit Geld unterstützt». Die Kampagne geht Pressemeldungen zufolge auf ein Komitee jüdischer Republikaner in Florida zurück.
Komikerin für Obama
Doch Obama erhält in Florida Schützenhilfe von überraschender Seite. Die jüdische Komikerin Sarah Silverman hat das Video «The Great Schlep» produziert, in dem sie junge Juden überall in den USA auffordert, «ihre bequemen Hinterteile nach Florida zu bewegen», um ihre Grosseltern von Obamas Vorzügen zu überzeugen. Der Clip ist im Internet unter http://thegreatschlep.com zu finden und wurde dort und auf Youtube bereits millionenfach gespielt. Silverman, die es an Derbheit jederzeit mit D’Amato aufnehmen kann, rühmt Obama im Video zunächst als «proisraelisch». Dann nehmen eine ältere jüdische Dame und ein junger Schwarzer neben ihr auf einem Sofa Platz, über dem ein Porträt des Afroamerikaners Obama hängt. Silverman erklärt ihren Sitznachbarn, dass es keine Unterschiede zwischen ihnen gäbe: «Ihr mögt beide Trainingsanzüge, Cadillacs und klotzige Juwelen.» Am Ende scheint die Seniorin für Obama gewonnen und Silverman fordert ihr junges Publikum noch einmal auf, Geschichte zu machen und zu den Grosseltern im Sunshine State aufzubrechen.


