Auszeichnung für Paul Krugman
Für Experten ist es keine Überraschung, dass der an der renommierten Princeton Universität lehrende Ökonom Paul Krugman nun mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet worden ist. Der 1953 auf Long Island geborene Nachkomme russich-jüdischer Einwanderer gilt seit Mitte der achtziger Jahre als einer der kreativsten Köpfe seines Fachs. Krugman erhielt 1991 die begehrte John-Bates-Clarke-Medaille für den besten Nachwuchswissenschaftler und hat seither unter anderem eine Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin angenommen. Der Ökonom hat seinen Doktor 1977 mit einer Arbeit über flexible Wechselkurse am Massachusetts Institute absolviert und sich danach theoretisch mit dem internationalen Währungssystem und dem Welthandel befasst. Seine Leistungen auf diesem Gebiet wurden nun mit dem Nobelpreis gewürdigt.
Politischer Berater und Kritiker
Gleichzeitig wurde Krugman schon 1982 in der Politik aktiv. Damals unterbrach er seine Professur an der Universität Yale, um die Reagan-Regierung ein Jahr lang in wirtschaftspolitischen Fragen zu beraten. Zu Beginn der neunziger Jahre stiess er zu dem Expertenkreis um den damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton. Aber im Gegensatz zu anderen Akademikern wie Robert Reich wurde Krugman nach Clintons Sieg nicht gebeten, in die Regierung einzutreten. Krugman machte sich während der neunziger Jahre jedoch einen Namen als Kolumnist und Buchautor. In Fernsehauftritten und Zeitungsbeiträgen trat er für den Freihandel und die Globalisierung ein, wandte sich jedoch gegen die Deregulierung etwa der Energiemärkte in den USA. Im Jahr 2000 nahm Krugman die Einladung der «New York Times» an, zweimal in der Woche wirtschaftspolitische Fragen zu kommentieren. Bis dahin bekannt als moderater und unparteiischer Experte, entwickelte sich der Princeton-Professor nach dem Wahlsieg von George W. Bush schnell zu einem harschen Kritiker der neuen republikanischen Regierung.
Kritik am amerikanischen Präsidenten
Krugman hat Bush früher als die meisten Journalisten und Experten eine radikale Agenda attestiert, die auf nichts weniger als die Schleifung der von Franklin D. Roosevelt nach 1933 durchgesetzten sozialen Einrichtungen im Renten- und Gesundheitswesen abzielte. Krugmans Kolumnen wurden im Jahr 2003 in dem Besteller «The Great Unravelling» («Das grosse Enträtseln») gesammelt. Er warf Bush darin vor, er habe das Platzen der «New-Economy-Blase» und die Anschläge von «9/11» skrupellos zum Vorwand genommen, um seiner patriotisch gestimmten Nation von langer Hand geplante Steuersenkungen zu Gunsten der Reichen und eine unilaterale Weltmachtpolitik zu verkaufen. War Krugman mit dieser Analyse lange ein Aussenseiter, sind seine Einsichten inzwischen zu Gemeinplätzen geworden. Dass ihn das Nobel-Kommittee ausdrücklich auch für seine Tätigkeit als Kommentator und Blogger würdigt, stellt eine unmissverständliche Ohrfeige für die scheidende republikanische Regierung in den USA dar, die ihrer Nation und der Welt einen Scherbenhaufen hinterlässt.


