Zypern / Militär - Ende einer schmerzlichen Affäre für Israels Marine "Dakar" nach 31 Jahren lokalisiert
Die \"Dakar\" war am 9. Januar 1968 mit 69 Mann an Bord vom britischen Hafen Portsmouth, wo sie überholt worden war, in Richtung Israel ausgelaufen. Am 13. Januar wurde ein Zwischenhalt in Gibraltar eingelegt, und in der Nacht vom 24. zum 25. Januar erreichten die letzten Funksignale der \"Dakar\" die Kommandostelle in Israel. Nachdem die ersten
Suchaktionen - die USA, Grossbritannien und Griechenland halfen mit - ergebnislos verlaufen waren, wurde die \"Dakar\" am 4. Februar 1968 für verloren, die Besatzung für verschollen erklärt. Die Spekulationen über die Hintergründe der Katastrophe wucherten in den verschiedensten Richtungen. So schloss man anfänglich nicht aus, dass die Ägypter das israelische U-Boot zum Sinken gebracht hätten. Die \"Dakar\" wollte nämlich vor der Heimkehr nach Haifa in ägyptischen Gewässern ihre neue, damals hochmoderne Radaranlage testen, zu einer Zeit, da die Ägypter vor Alexandria Marinemanöver veranstalteten. Während israelische Berichte später die Möglichkeit einer ägyptischen Beteiligung am Versenken der \"Dakar\" in Abrede stellten, sind die Experten sich bis heute in der Beurteilung der Gerüchte nicht einig geworden, wonach das Schiff von den Sowjets versenkt worden ist. Als ein Fischer von Khan Yunis im Februar 1969 einen Bestandteil der \"Dakar\" vor der Küste des Gazastreifens aus dem Meer fischte, erhielt die ägyptische Version für eine Weile neuen Auftrieb. Im Anschluss an den Frieden mit Ägypten wurde die Suche in den 80er Jahren vor allem vor der Küste von Alexandria intensiviert, allerdings erfolglos. Die Erforschung der Meeresströmungen führte dann zur Vermutung, dass besagter Bestandteil aus der Gegend von Kreta an die Küste des Gazastreifens geschwemmt worden ist. Im Sommer 1997 verliefen Suchaktionen mit Hilfe eines Mini-U-Bootes der US-Armee in der Region von Kreta ohne Ergebnisse, und anschliessend schrieb die israelische Marine die Sucharbeiten mit modernsten Sonar-Mitteln international aus. Diese Aktion führte nun letzte Woche zum ersehnten Resultat. Die Kosten von rund 1,5 Mio. Dollar tragen die USA. Eine Hebung des Wracks aus fast 3000 Metern Tiefe und damit die Möglichkeit, sterbliche Überreste zur letzten Ruhe zu betten, wird von allen Experten als ein Ding der Unmöglichkeit angesehen, doch schliesst man nicht rundweg aus, moderne Video- und Fotokameras ins Meer hinabzulassen, um u. a. die nach wie vor ungeklärte Ursache des Untergangs der \"Dakar\" herauszufinden. Rund um die Affäre \"Dakar\" ranken sich zahllose Geschichten und Legenden. So setzte am letzten Samstag abend General d. R. Michael Barkai (64) seinem Leben ein Ende, kurz nachdem er von der Auffindung des Wracks erfahren hatte. Barkai, der an Krebs litt, war seinerzeit Kommandant der israelischen Marine. Sein jüngerer Bruder Avraham war stellvertretender Kommandant der \"Dakar\" und ging mit ihr 1968 unter. Mehr Glück hatte Ilan Shorer, damals Korrespondent des israelischen Radios. Zusammen mit zwei anderen israelischen Journalisten befand er sich an Bord des U-Boots und hätte eine Dokumentation über dessen Fahrt machen sollen. Kurz nachdem aber eine verschlüsselte Botschaft für den Kapitän in Gibraltar an Bord gebracht worden war, mussten die Journalisten das Schiff verlassen. Das Couvert mit der Botschaft war in London Yecheskel Misrachi, einem Angehörigen der Besatzung, vom israelischen Militärattaché‚ in Grossbritannien mit der Anweisung übergeben worden, es dem Kapitän persönlich zu überreichen. Misrachi, der eigentlich die Geburt seines Kindes in London abwarten wollte, bestieg das nächste Flugzeug in Richtung Gibraltar, übergab seinem Kapitän die mysteriöse Botschaft - und starb zusammen mit den restlichen 68 Besatzungsmitgliedern in den Fluten des Mittelmeeres. Das Wrack der \"Dakar\" wurde 31 Jahre nach dem spurlosen Verschwinden des Schiffes nun entdeckt; die Ursache der Tragödie bleibt vorerst aber weiter ungeklärt


