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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Zalman Shoval ist endgültig abgetreten

von Michael Shapiro, October 9, 2008
In den letzten Wochen hat Zalman Shoval, bis vor wenigen Tagen Israels Botschafter in den USA, seinen zweiten diplomatischen Aufenthalt in Washington gebührend würdevoll beendet: Er hielt eine Rede im Nationalen Presseclub, gab in seiner Residenz einen Empfang für 400 geladene Gäste und wurde im eleganten Heim des Kosmetik-Erben Ronald Lauder von der jüdischen Führungsspitze gefeiert.
Gute Beziehungen: US-Präsident Clinton mit Ex-Botschafter Shoval. - Foto JTA

Zalman Shoval (69) rechnet damit, dass der Abschied ein endgültiger sein wird. Er glaubt nicht, dass er als erster Israeli dreimal auf den Botschafterposten in Washington berufen werden wird. «Als ich das letzte Mal abreiste», sagte er in einem Interview, bevor er die US-Kapitale verliess, «schloss ich es nicht aus, dass ich noch einmal zurückkommen könnte. Diesmal schrieb ich auch nie ein Buch über meine erste Kadenz, obwohl ich alles Material bereit hatte. Ich wollte aber keine Brücken abbrechen.» Ob er das Buch nun schreiben will, weiss er noch nicht, doch möchte er auf jeden Fall seiner Familie mehr Zeit widmen und auch wieder ins Geschäftsleben zurückkehren. Bereits hat man ihm den Vorsitz einer neuen akademischen Institution angetragen. Shoval möchte gerne weiter am Pulse der Aktualität bleiben, doch könne dies, wie er meinte, auf verschiedene Weise geschehen. Noch nicht sicher ist er, ob er erneut für die Knesset kandidieren will, in der er schon 13 Jahre verbracht hat, meistens für den Likud.

Wirkungsloser Sprecher

Shovals zweite Kadenz als Botschafter endete gleich wie die erste: Der Likud-Premier, der ihn nach Washington geschickt hatte, wurde in den Wahlen vom Gegner besiegt. 1992 widerfuhr dieses Schicksal Yitzchak Shamir, der Rabin weichen musste, und jetzt war es Barak, der Netanyahu in die Opposition verwies. In beiden Fällen entpuppte Shoval sich als loyaler Diplomat, verharrte er doch monatelang auf seinem Posten, bis die Regierung der Arbeitspartei einen Nachfolger gefunden hatte. Dank seinem Professionalismus und seiner gemässigten Haltung konnte Shoval also unter vier Premierminister zweier verschiedener Parteien dienen. Samuel Lewis, ein ehemaliger US-Botschafter in Israel, formulierte es wie folgt: «Zalman Shoval ist einer der interessantesten Likud-Politiker, entstammt er doch einer Atmosphäre und Ideologie der Mässigung und des Kompromisses, die seine Wurzeln im Gedankengut eines Dayans und eines Ben-Gurions widerspiegeln. Gleichzeitig ist er ein sehr wirkungsvoller Sprecher der Likud-Partei.» Erstmals war Shoval 1970 als Mitglied der unabhängigen, von Ben-Gurion gegründeten Rafi-Partei in die Knesset gewählt worden. Beiden Grossparteien gedient zu haben, war für Shoval nicht schwer: «Sobald ich Botschafter wurde, hörte ich auf, Politiker zu sein. Das wussten sowohl meine Freunde als auch meine politischen Gegner. Bevor ich das letzte Mal nach Washington reiste, kam sogar Barak zu meiner Abschiedsparty.
Sieht man einmal von den eher ideologisch orientierten Positionen am Rande des Spektrums der beiden Parteien ab, gibt es in Israel nach Shovals Ansicht einen breiten Konsens zu Themen wie Jerusalem und der Ablehnung einer Rückkehr zu den Grenzen von 1967. «Wer an der Macht war, spielte dabei kaum eine Rolle», sagte er und fügte hinzu, Netanyahu und Barak seien weniger ideologisch und mehr pragmatisch gewesen als Shamir und Rabin. «In unserem Fall muss Sicherheit alles andere überwiegen.» Ein Abkommen mit Syrien werde, so Shoval, zwar zu dieser Sicherheit beitragen, doch dürfe man nicht glauben, ein Friedensvertrag mit Damaskus und Beirut werde zu jenem «umfassenden Frieden» führen, von dem viele in Washington, inkl. Präsident Clinton, sprechen. «Syrien verkörpert in diesem Sinne nicht mehr die absolute Macht wie noch vor ein paar Jahren», erklärte Shoval, «und ein umfassender Friede ist nicht mehr so umfassend, wenn wir an Irak oder Iran in der gar nicht so entfernten Nachbarschaft denken.» Er ist auch nicht der Meinung, ein Friede zwischen Israel und Syrien werde automatisch die anti-Friedens- und Anti-Israel-Haltung Teherans abbauen. «Genauso gut könnte das Gegenteil der Fall sein», sagte er vor dem Nationalen Presseclub in Washington.

Kampf um Finanzhilfe

Nicht wenig wichtig für Jerusalem schätzt der abgetretene Botschafter einen israelisch-syrischen Frieden für die USA ein, die das Abkommen möglicherweise mit Milliarden von Dollars unterstützen werden. Da der Deal die Stellung der Amerikaner in der Region festigen wird, warnt Shoval vor einer Wiederholung des Kampfes um die Finanzhilfe für das Wye-Abkommen. Shoval, der inzwischen bereits von David Ivry als Botschafter in Washington abgelöst worden ist, meinte schliesslich, die Finanzhilfe, die Israel möglicherweise von den USA für einen Frieden mit den Syrern erhalten wird, stärke letzten Endes auch US-Interessen, werde dadurch doch die Stabilität in einer der wenigen Regionen der Welt gefestigt, in welcher die USA nach eigenen Angaben lebenswichtige Interessen zu verteidigen hat.

JTA





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