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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008

Vorschuss. 75 bedürftige Schoa-Überlebende in der Schweiz haben vom Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF) dieser Tage je 1000 Franken überwiesen bekommen, die ihnen vom Humanitären Fonds in Bern auf Weisung der Welt-Wiedergutmachungsorganisationen (WJRO) endlich zugesprochen werden konnten. Allerdings ist dies erstens weniger, als beispielsweise US-Überlebende erhielten und israelische Opfer nächstes Jahr erhalten sollen. Und zweitens musste der VSJF das Geld vorschiessen, um die meist hochbetagten und kranken Empfänger nicht länger warten zu lassen. Drei von ihnen sind inzwischen gestorben, weil die WJRO seit Oktober 1998 nicht vorwärts machten - die paar Schweizer Überlebenden sind ihnen offenbar gänzlich unwichtig. Nun muss der VSJF auf die Überweisung aus Jerusalem warten, woher das Geld neuerdings verteilt wird. Daran ist nicht der Fonds schuld, sondern die Organisationen, welche die Verteilung an sich gerissen haben. Und die ständig behaupteten, es gehe ihnen nur um die Überlebenden.

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Intervention. SIG-Präsident Bloch be-dankte sich dieser Tage beim neuen Schweizer Aussenminister Deiss für die von diesem veranlasste Intervention der Schweizer Botschaft in Teheran zugunsten der verhafteten dreizehn Juden (die JR berichtete). Es sei ein sehr positives Gespräch gewesen, sagte Bloch auf Anfrage. Er habe Deiss über die Situation des Antisemitismus in der Schweiz und über das vom SIG im Vorfeld der Publikation des Flüchtlingsberichts der Historikerkommission in der ersten Oktoberhälfte geplante Symposium informiert. Er habe mit ihm auch Einzelheiten bezüglich des Humanitären Fonds besprochen, die das Aussenministerium betreffen. Die erste generelle Vorstellung sei sehr gut verlaufen, so Bloch. Der SIG hoffe nun auf einen weiteren positiven Kontakt mit dem Aussenminister.

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Funkstille. Weniger Glück hatte der SIG beim iranischen Botschafter in der Schweiz. In einem Brief hatte die Vertretung der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz darum gebeten, die Exzellenz möge eine Delegation zu einem Gespräch empfangen. Bisher übt sich die Botschaft in Funkstille. Der SIG bekam auf seinen höflichen Brief noch nicht einmal eine Antwort.

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Preis. Professor Saul Friedländer, Mitglied der Schweizer Historikerkommission mit besonderer Beziehung zur Schweiz (er überlebte als Knabe in einem französischen Kloster, während seine Eltern an der Schweizer Grenze zurückgeschickt und deshalb in Auschwitz umgebracht wurden), erhielt den Preis der MacArthur Foundation in Los Angeles zugesprochen. Der 66jährige Friedländer scherzte, von den vielversprechenden Jungen sei er vermutlich der älteste. Die mit dem Preis verbundenen 375 000 Dollar will er dafür verwenden, sein neuestes Werk über Nazideutschland und die Juden zu vollenden. Der erste Band über die Jahre der Verfolgung 1933 bis 1939 erhielt nach seinem Erscheinen höchstes Lob.





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