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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008

Banken-Deal. - Genau vor einem Jahr, am 12. August 1998, wurde bekannt, dass die beiden Schweizer Grossbanken mit den jüdischen Organisationen und Sammelklagen-Anwälten einen Deal abgeschlossen hatten. Die Welt, vor allem die Schweiz, staunte nicht schlecht: Die Banken zahlten. Und zwar so viel, wie von allem Anfang an ungefähr erwartet, 1,25 Millionen Dollar, aber doppelt so viel, wie sie ihre «äusserste Offerte» beziffert hatten. Mit diesem Lösegeld holten sie sozusagen die gesamte Schweiz aus dem Schneider: nicht nur sich selber und ihr Amerika-Business, sondern auch die anderen Banken, zudem die gesamte Industrie, die vermutlich Champagnerkorken hätte knallen lassen, stünde da nicht der für 2001 programmierte Schlussbericht der Historikerkommission am Horizont, und sogar die Eidgenossenschaft als Staat. Nur die Versicherungen wurden sich selbst und ihren Separatverhandlungen überlassen. Noch immer gibt es Leute, die annehmen, die Bankenanwälte hätten diesen Deal ohne Wissen und Genehmigung der anderen Geretteten, vermutlich inklusive Bundesrat oder wenigstens Teilen davon, abschliessen können. Der Deal wurde den Kontrahenten von Bundesrichter Korman an einem schwülen Sommerabend in einem Separee des berühmtesten Fischrestaurants von Brooklyn beim Essen mit eingeflösst. Anderntags leisteten sie ihre Unterschriften unter einem vierseitigen Abkommensentwurf. Doch nach Tisch las man’s anders als jetzt: Im fixfertigen Dokument der beidseitigen Anwälte stehen nun plötzlich Kategorien von Opfern, von denen vor Tische keine Rede gewesen war. Angesichts der neu definierten, komplizierten Einschränkungen der Bezugsberechtigung ist es kein Wunder, dass allerlei US-Organisationen und Büros krampfhaft Antragsteller suchen, die sich bis zum Stichtag im Oktober melden sollen. Denn im November muss Korman den Vertrag und den gesamten Verteilplan erst absegnen. Die Suche nach Berechtigten ist so chaotisch wie fragwürdig. Der Deal hat das Thema noch lange nicht erledigt.





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