Wochenrückblick
Chefin. Bundesrätin Ruth Dreifuss soll an der Spitze einer erstklassigen Delegation nach Stockholm an eine Holocaust-Konferenz reisen (26. bis 28. Januar). Rolf Bloch, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), wird sie begleiten, ebenso die grüne Luzerner Nationalrätin Cécile Bühlmann, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR). Ausserdem sollen Persönlichkeiten, die sich von Berufes wegen mit der Materie befassen, mit von der Partie sein. Die Konferenz von Stockholm gilt als Nachfolgetagung der Raubgoldkonferenz von Washington im Dezember 1998.
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Chef. Selbstbewusst wie immer hat Rabbi Marvin Hier, Chef des Simon-Wiesenthal-Zentrums (SWC) in Los Angeles, in den letzten Dezembertagen an Ruth Dreifuss geschrieben, als sie noch Bundespräsidentin war: Er habe gelesen, steht im Brief vom 28. Dezember 1999, der gefaxt und per Post übersandt wurde, dass die Volcker-Kommission auf Schweizer Banken 1600 Nazi-Konten aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt habe. Wie sie ja wisse, habe das SWC vorhergesagt, dass solche Konten zu finden sein würden. Rabbi Hier wünscht, dass die Namen dieser Nazi-Konten veröffentlicht und darauf gefundene Beträge dem «Fonds für Holocaust-Opfer» überwiesen werden sollten. Falls er den Humanitären Fonds meint, den SIG-Präsident Rolf Bloch präsidierte, so hat dieser kürzlich seine Arbeit als erledigt eingestellt und verwaltet nur noch einen schmalen, nicht verteilten Rest des Geldes für Härtefälle. «Aus unserer Sicht», schreibt Hier, «wäre es lächerlich, diese Konten durch Bankgeheimnisgesetze zu schützen, weil sie mit aller Wahrscheinlichkeit den Verbrechern gehörten, deren Politik Hitlers Endlösung möglich machte. Ich halte Sie an, entsprechend zu handeln.» Und er erwarte eine Antwort. Eine solche war bis Redaktionsschluss offenbar noch nicht erfolgt. Doch es ist klar, was u.a. darin stehen dürfte: Dass Paul Volcker überaus deutlich erklärt hat, dass es Aufgabe der Historikerkommission sein wird, sich mit diesen Konten und allfälligen Mittelsmännern - ein Thema, das er bereits zu Beginn seiner Tätigkeit als seine Priorität deklarierte - eingehend zu befassen. Die entsprechenden Unterlagen, von denen im Volcker-Bericht die Rede ist, werden der Historikerkommission übergeben und überlassen.


