Wochenrückblick
Prozess. Am 21. Januar kämpft Joseph Spring aus Melbourne in Lausanne vor dem Bundesgericht mit Hilfe seines Rechtsanwalts, des St. Galler SP-Nationalrats Paul Rechsteiner, gegen die Eidgenossenschaft um sein Recht. Und um symbolische 100 000 Franken Genugtuung für die Ermordung von zwei Cousins. Drei Tage zuvor, am 18. Januar, feiert er seinen 73. Geburtstag. Dass er dies tun kann, hat er nicht den Schweizer Behörden, sondern einem Wunder zu verdanken. Schweizer Grenzwächter jedenfalls haben ihm nicht zu langem Leben verholfen, ganz im Gegenteil. Mit seinen zwei Cousins wurde Spring, damals 16 Jahre alt, im November 1943 vonschweizerischen Grenzbeamten an Frankreich ausgeliefert. Über die Grenze
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Gestellt. Und die Schweizer, die wie der Rest der Welt längst wussten, was die Nazis mit den Juden machten, gaben den «Kollegen» von drüben noch die echten Papiere der drei Jugendlichen mit dem blutroten J-Stempel. Das besiegelte ihr Schicksal. Die Cousins wurden noch am Tag der Ankunft in Auschwitz vergast, Spring überlebte als Arbeiter im Aussenlager Buna. Spring wird am Prozess teilnehmen und sich auch zu Wort melden, was niemanden kalt lassen wird, der ihn sprechen hört. Das Urteil soll nach öffentlicher Beratung noch am gleichen Tag gesprochen werden. Die höchsten Richter müssen also darüber entscheiden, ob sich die Schweiz während der Nazi-Zeit im Fall Spring ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuschulden kommen liess. Die JR wird über den Prozess berichten. Alle an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassenden Eingaben Rechsteiners und die von der Wochenzeitung WoZ aufgedeckte teils falsche und wahrheitswidrige Argumentation des angeklagten Eidgenössischen Finanzdepartements sind auf der WoZ-Homepage zu lesen: http://www.woz.ch/wozhomepage/spring.html.
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Meili. Noch nichts Neues aus Brooklyn: Die Verteilung der Schweizer Bankenmilliarden an möglichst berechtigte Personen hängt noch immer in der Schwebe. Ein Mann würde speziell gern wissen, ob er eine Entschädigung erhält oder nicht: Christoph Meili. Sie wurde ihm fest zugesagt, doch sein Name durfte in der Vereinbarung der Bankenanwälte mit den jüdischen Klägern nicht erscheinen. Eine Abfindung würde ihn unabhängig machen. Nächste Woche wird eine aus aktuellen Gründen verschobene Reportage in der JR zu sehen und zu lesen sein: Ein Besuch bei den Meilis in Südkalifornien, wo sie versuchen, ein trotz allem möglichst normales Familienleben zu führen. Diese Woche erscheint eine ähnliche Reportage in der «Schweizer Familie».


