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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008

Hersch. Wir befinden uns im «Jahre Hersch» - die in Genf tätige Philosophin Jeanne Hersch feiert dieses Jahr ihren 80. Geburtstag und wird deshalb von ihrer Alma mater mit dem Zyklus «Das philosophische Erstaunen» geehrt. Das «Année Jeanne Hersch» besteht aus einer Reihe gewichtiger öffentlicher Vorlesungen im Hauptgebäude der Universität Genf, Saal B 101. Am 11. Mai spricht Gabrielle Dufour-Kowalska über «Das Prinzinp der \"Klarheit\" im Denken von Jeanne Hersch», am 18. Mai ist Joseph Starobinski zu hören über «Jeanne Hersch, eine Philosophin und das Recht, die Politik und die Gesellschaft». Die gloriose ganztägige Schluss-Apotheose findet am 8. Juni statt mit sieben professoralen Kurzreferaten und einem Podiumsgespräch der Referenten zwischen 14 und 16 Uhr, an dem auch die Jubilarin teilnimmt.

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Picard. Der Berner Historiker Jacques Picard, Mitglied der Bergier-Kommission, war gleich am ersten Tag Ehrengast am Stand der Licra an der Genfer Buchmesse (3. bis 7. Mai). Er signierte dort die französische Übersetzung seines Standardwerks über die Schweiz und die Juden während der NS-Zeit. Es heisst wörtlich übersetzt «La Suisse et les Juifs». Professor Saul Friedländer, ebenfalls Kommissions-Mitglied, schrieb dazu ein grossartiges Vorwort; der Autor selber verfasste ein Nachwort. Die «Liga gegen Antisemitismus und Rassismus» (Licra) empfängt jeden Nachmittag an ihrem Stand Gäste, die Minderheiten repräsentieren.

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Riegner. Der unermüdliche Warner vor der «Endlösung», der in Genf tätige Gerhart Riegner, der am Dienstag anlässlich des Jom Haschoa im Gemeindehaus der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ein Referat hielt, bekam den Preis Lucien Caroubi des Casip (Comité d’Action Sociale Israélite de Üaros et de l’Ile de France) zugesprochen. Er ist Verfasser des grossartigen Buches «Niemals Verzweifeln - 60 Jahre im Dienste des jüdischen Volkes und der Menschenrechte», das weit mehr ist als eine Autobiografie, sondern ein lebendiger Bericht über die Geschichte des 20. Jahrhunderts von einem, der sie erlebt und mitgestaltet hat. Der oben zitierte deutsch übersetzte Titel ist leider ein Wunschtraum - die bitter nötige Verbreitung des Buches in deutscher Sprache scheiterte bisher an der Finanzierung der professionellen Übersetzung.

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Meili. Am 8. Mai, dem 55. Jahrestag der deutschen Kapitulation, veranstaltet die jüdische Gemeinschaft von Los Angeles ein Fundraising-Dinner für Christoph Meili. Die Veranstalter wollen den Meili, der als Schützling des Überlebenden-Verbandes «39 Club» in Südkalifornien studiert und mit seiner Familie in einem zur Verfügung gestellten Haus lebt, eine gesunde Basis für die Zeit ermöglichen, nachdem die grosszügig dotierten vier Jahre vorbei sind. Deshalb gibt es Tische, die - wie in den USA üblich - für 10 000 und 5000 Dollar zu buchen sind. Diese Gäste dürfen an einem Empfang mit Meili und dem ehemaligen Gouverneur von New York, Mario Cuomo, teilnehmen. Einzeleintritte zum Dinner kosten 125 Dollar. Cuomo sowie den kalifornischen Senatorinnen Dianne Feinstein und Barbara Boxer sowie Bürgermeister Richard Riordan inklusive. Meili, der sich vernünftigerweise Gedanken über die Zukunft seiner Familie macht, hat sein erstes College-Jahr als «Freshman» an der Chapman-Universität beendet und beginnt demnächst sein «Sophomore»-Jahr. Über die Wahrscheinlichkeit einer Forderung von einer Dollar-Million aus dem Schweizer Bankendeal weiss er nicht viel. Nur eins: Er musste dem notorischen Anwalt Ed Fagan 25 Prozent davon unterschriftlich zusichern. Und dieser, mitten in einer sündteuren Scheidung, hat anscheinend die Haut des Bären bereits abgeholt, bevor dieser überhaupt erlegt ist: Er soll die - allfällige - Zahlung bzw. seinen Anteil einer amerikanischen Inkassofirma zediert und dem Vernehmen nach bereits die 250 000 Dollar kassiert haben, die er zu bekommen hätte, falls Meili tatsächlich eine Kompensation erhalten sollte!





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