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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008

Iran. Der jüdische Frauen-Dachverband der Schweiz, der BSJF, verabschiedete an seiner Delegiertenversammlung vom 21. Mai eine von allen Teilnehmerinnen unterzeichnete Resolution, in der die Öffentlichkeit um Intervention zugunsten der - wegen Hochverrats und Spionage zugunsten Israels - vor einem «Gericht» stehenden 13 iranischen Juden aufgerufen wird. Der BSJF unterstützt damit die wenige Tage zuvor publizierten Petitionen des Europäisch-Jüdischen Kongresses und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Der BSJF hat bereits früher bei Aussenminister Joseph Deiss sowie beim iranischen Botschafter in Bern schriftlich interveniert. Auch die Poale Zion in England tat desgleichen an einem kürzlichen Parteitag der britischen Labourparty, wie der «Jewish Chronicle» berichtet. In einer von der ehrwürdigen zionistischen Arbeiterbewegung eingebrachten Resolution sollte die Partei ihre Solidarität mit den 13 inhaftierten iranischen Juden aussprechen. Der Vorsitzende rief den «Motionär, einen Mr. Paul Zion», ans Rednerpult. Die Parlamentsabgeordnete Louise Ellman war von Poale Zion bestimmt worden, zugunsten der Resolution zu sprechen. Als sie auf die Bühne kletterte, wurde sie vom Hochsitz aus gefragt, ob sie anstelle von Mr. Zion zu reden gedenke? Blitzschnell entschied die Politikerin, dass Erklärungen noch verwirrender wirken könnten und bejahte die Frage. Die Motion wurde einstimmig gut geheissen - obwohl Mr. Paul Zion sie nicht selber vertreten mochte.

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Retter. Der humanitäre Fonds für bedürftige Opfer von Holocaust/Schoa mit Sitz in Bern hat gegen Ende seiner Tätigkeit zwei Millionen Dollar gesprochen für finanzielle Hilfe an christliche und muslimische Menschen, die während des Holocaust Juden retteten. Fonds-Generalsekretärin Barbara Ekwall war am Dienstag anwesend, als in New York die Ausrichtung dieser Summe angekündigt wurde. Es ist der grösste Geldbetrag, der je für die Hilfe an Retter ausgerichtet wurde. Der Schweizer Fonds (Präsidium: der abtretende SIG-Präsident Rolf Bloch) und die jüdischen Wiedergutmachungsorganisationen (WJRO) beauftragten gemeinsam die Jüdische Stiftung für die Gerechten (JFR) in New York mit der Verwaltung und Verteilung des Geldes. Die JFR wurde 1986 gegründet. Sie unterstützt gegenwärtig 1700 Retterinnen und Retter in 30 Ländern und leitet in den USA ein nationales Holocaust-Lernprogramm für Lehrer. Alle vom Schweizer Fonds bedachten Retter leben in Osteuropa. An der Pressekonferenz in den an bester Adresse in Manhattan befindlichen Büroräumen von Harvey Schulweis, Präsident des JFR, waren ausser Barbara Ekwall und Elan Steinberg, Direktor des Jüdischen Weltkongresses als Vertreter der WJRO sowie Vertretern der israelischen Gedenkstätte Jad Waschem in Jerusalem vor allem zwei Hauptpersonen anwesend: Zofia Bereczynska, 78, aus Tschenstochau in Polen, eine der Empfängerinnen der Zuwendung, und Ilona Mudweid, 63, die von Zofia während des Holocaust gerettet wurde.

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Antirassismus-gesetz. Viele Gegner einer Annäherung der Schweiz an Europa finden selbstgerecht, erst müsste sich die EU der Schweiz anpassen. Nun, diese Forderung wird bald wenigstens teilweise erfüllt: Im Juni will der EU-Ministerrat eine Direktive gegen rassistische Diskriminierung erlassen (in der Schweiz ist das ARG bereits seit 1995 in Kraft). Der Europäisch-Jüdische Kongress sowie Menschenrechtsgruppen kämpften seit langem bei der EU dafür. Der Haider-Effekt scheint dem EU-Ministerrat Beine gemacht zu haben, denn das Europäische Parlament hat die Vorlage bereits angenommen. Ein überaus umfassender Schutz wird künftig gewährleistet: Wer in der EU wohnt, arbeitet oder auch nur reist, ob EU-Bürger oder nicht, soll den Schutz gegen Diskriminierung geniessen.





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