Wochenrückblick
Flüchtlinge. Das Schweizerische Jugendschriftenwerk SJW und der Berner Lehrmittel- und Medienverlag BLMV stellten gestern je eine neue Publikation zur Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs vor, die sich an Jugendliche ab 13 Jahren und selbstverständlich auch an Erwachsene richten. An der Medienkonferenz referierten der israelische Botschafter Yitzhak Mayer, Nationalrätin Cécile Bühlmann und alt SIG-Präsident Rolf Bloch, seit seinem kürzlichen Rücktritt «nur» noch Vizepräsident des Europäisch-Jüdischen Kongresses. Das Buch des BLMV heisst «Zur Zeit: Flüchtlingspolitik», jenes des SJW «Retten Sie wenigstens mein Kind». Letzteres porträtiert zehn Zeitzeugen. Einer davon ist mit seiner abenteuerlichen Lebensgeschichte und seinen Gedichten der JR-Leserschaft bestens bekannt: Bernard Blaustein, 95, Pensionär im Zürcher Altersheim Sikna.
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Beerdigung. Er hiess Schimschon Klueger, und er starb mit 72 Jahren im Altersheim von Oswiecim - er war der letzte Jude des Städtchens nahe dem Vernichtungslager Auschwitz. Als hätte er sich seines Überlebens geschämt, lebte er die letzten 50 Jahre zurückgezogen wie ein Einsiedler, bis er vor zwei Jahren ins Altersheim kam. Nachbarn versorgten ihn mit Essen, aber sie sahen ihn kaum jemals. Als er starb, wurde ein Bruder gesucht, der in Brooklyn leben soll, allerdings vergeblich. Zufällig befand sich zur gleichen Zeit eine israelische Reisegruppe in Polen. Ihr Leiter, ein Erzieher namens Michael Berl aus Jerusalem, war bereit, wie der «Jewish Chronicle» berichtet, den letzten Juden von Auschwitz im kleinen jüdischen Friedhof von Oswiecim inmitten eines Wäldchens begraben zu helfen.


