Witz, Charme und Tiefe
Der als Sohn holländischer Juden mit portugiesischer Abstammung am 14. Mai 1900 in Amsterdam zur Welt gekommene Musiker studierte bei Bernard Zweers und Sem Dresden am Konservatorium seiner Geburtsstadt, wo er 1922 sein Klavierexamen bestand und 1924 ein Diplom mit der Bewertung «summa cum laude» für seine kompositorischen Fähigkeiten erhielt. Am selben Ort wirkte er von 1924 bis 1927 als Lehrer für Analyse und Harmonie, danach lebte er bis 1937 in Paris. Dort übten vor allem Darius Milhaud, Honegger, Ravel und Strawinsky einen Einfluss auf die schöpferische Entwicklung Smits aus, der in seinen vorwiegend kammermusikalischen Werken seinen angeborenen Witz mit französischem Charme verband und bei aller Liebe zur musikalischen Groteske auf Tiefe abzielte. Nach seiner Rückkehr in die holländische Heimat war er als Musiklehrer und als freischaffender Komponist tätig, bis er am 27. April 1943 von den Nazis in Richtung Osten deportiert wurde. Drei Tage später erlosch das Leben Leo Smits im Vernichtungslager Sobibor und mit ihm eine der grossen Hoffnungen der modernen Musik in Holland. Mit besonderer Vorliebe komponierte Smit für Harfe, wobei er die entsprechenden Werke für Rosa Spier schrieb, die schon damals als angesehene Harfenistin galt.
Sowohl das dreisätzige Quintett für Flöte, Violine, Bratsche, Violoncello und Harfe (1928) als auch das ein Jahr später in Paris veröffentlichte Trio für Flöte, Bratsche und Harfe in einem Satz zeugen noch von der Auseinandersetzung mit dem französischen Impressionismus. Seiner Bewunderung des Jazz verlieh Smit 1937 im Konzert für Klavier und Blasorchester (CD NM Classics 92044, zusammen mit Werken von Henriëtte Bosmans, Kees van Baaren und Ton de Leeuw, Solist: Ronald Brautigam) ebenso deutlich Ausdruck wie in den beiden geistsprühenden «Hommages» für Klavier solo, «A Sherlock Holmes» (1928) und «A Remington» (1930).
Beide finden sich auf der CD «Modern Times». Music from Dutch Jewish Composers. 1928-1943, Channel Classics CCS 7995, Vertrieb: Bärenreiter, Basel), die auch mit dem bedeutendsten Spätwerk Smits bekannt macht, der zwischen 1939 und 1943 entstandenen Sonate für Flöte und Klavier. Sie vereinigt vitales Musikantentum mit ausdrucksvoller Sangbarkeit in drei sehr knappen, französisch inspirierten Sätzen und eignet sich, von Donemus (Amsterdam) neu herausgegeben, gleichermassen gut wie das ebenfalls dort erschienene Trio für Klarinette, Bratsche und Klavier (1938), um Leo Smit von seiner besten Seite, der kammermusikalischen nämlich, kennen zu lernen.


