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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

«Wir wollen Israels führende Umweltschutzorganisation werden»

October 9, 2008
Mit dem Bau von Wasserreservoiren verlagert der KKL seinen Schwerpunkt auf die akute Wasserfrage in Israel. Einst gegründet, um im damaligen Palästina Land zu kaufen und es für die Landwirtschaft aufzubereiten, stand der KKL über Jahrzehnte für die Begrünung Israels. JR-Chefredaktor Yves Kugelmann sprach mit dem Weltvorsitzenden Yehiel Leket über die Neuorientierung der Organisation, Israels Umweltschutz und die erfolgte Umstrukturierung des Hauptbüros in Jerusalem.
Yehiel Leket: «Jeder kann per Internet einen Baum oder einen Wassertropfen spenden.» - Foto PD

Jüdische Rundschau: Es gab eine Restrukturierung des KKL-Israel. In Europa war zu vernehmen, dass diese Restrukturierung Probleme mit sich brachte, sogar Stellen abgebaut wurden. Wie ist Ihre «innere» Sicht dieses Prozesses?
Yechiel Leket: Es war eine positive Erfahrung. Es liefen parallel zwei Prozesse ab. Zum einen gab es eine strategische Analyse auf das Jahr 2000 hin. Eine solche Analyse war in den letzten zwanzig Jahren niemals gemacht worden. Wir haben eine Firma damit beauftragt, eine neue Strategie auszuarbeiten. Kurz umrissen wollen wir:
Zum ersten die führende Organisation in Umweltschutzbelangen werden und eine ganzheitliche Sicht in diesem Bereich repräsentieren. Zum zweiten wollen wir die grossen Arbeiten konzentrieren und nicht kleinere Projekte ausarbeiten, wie in den vergangenen Jahren. Zum dritten wollen wir noch stärker das ernst zu nehmende Wasserproblem in Israel zu lösen versuchen, was bedeutet, z.B. mehr Geld für Wasserreservoir-Projekte zur Verfügung zu stellen. Zum vierten möchten wir die nationale Herausforderung annehmen, die verunreinigten Flüsse in Israel zu säubern und so das Gleichgewicht wieder herzustellen. Wir verhandeln in dieser Sache mit dem Umweltschutzministerium. Der Minister teilt unsere Idee und wir hoffen, in ein paar Monaten auch die Absegnung der Legislative in dieser Sache zu erhalten. Um diese Strategie auch umsetzen zu können, mussten wir natürlich die Strukturen unserer Organisation unter die Lupe nehmen. Diese haben sich dabei als veraltet erwiesen, wenn wir auch viele qualifizierte Arbeitnehmer haben. Wir brauchen mehr Hightech und müssen die im Verlaufe der Jahre angesammelte, brachliegende Arbeitskraft abbauen. Ebenso müssen wir vermehrt Outsourcing betreiben, da wir letztlich nicht auf allen Gebieten Experten sein können. Deshalb reorganisieren wir, Entlassungen gehören auch zu diesem Prozess; wir verringern unsere Angestelltenanzahl um ein Drittel von rund 3300 auf 2000. Der grösste Anteil der Entlassenen sind Feld- und Waldarbeiter, ebenso haben wir die Verwaltung extrem verkleinert.

JR: Was sind die Jahr 2000-Projekte des KKL?
YL: Die Wasserversorgung und Flussbettrehabilitierung sind unsere Hauptanliegen im Jahr 2000, wenngleich diese Projekte natürlich auch viel länger dauern werden. Israel benötigt ca. 100 neue Wasserreservoirs - wir rechnen im Moment mit ca. 7-8 Wasserreservoirs, die wir pro Jahr aufbauen können. Um dieser Herausforderung begegnen zu können, müssen wir imstande sein, mindestens 15-20 Wasserreservoirs zu bauen. Um für dieses Ziel Spenden zu bekommen, haben wir eine Werbekampagne gestartet.

JR: Der KKL avanciert nun also zu einer modernen Umweltschutzorganisation?
YL: Heutzutage können Sie via Internet einen Baum oder auch einen Wassertropfen spenden, Sie können das Reservoir, dem Ihr Geld zugute kommen soll, auswählen.

JR: Ist der KKL eine Organisation der Diaspora, in dem Sinne, dass die Menschen in der Diaspora das Geld zur Verfügung stellen, oder haben Sie auch in Israel Geldgeber?
YL: Die KKL ist in erster Linie eine jüdische Organisation. In diesem Sinne gibt es keine Trennung zwischen Israel und der Diaspora. Der Grossteil des Geldes stammt aus dem Ertrag des Landes, das in unserem Besitz ist. In Israel ist es z.B. sehr beliebt, einen Baum zu verschenken, so bei einer Geburt, Hochzeit oder anderen wichtigen Lebenspunkten, an denen man mit einem Baum ein symbolisches Geschenk machen möchte.

JR: Sie haben über Umweltschutz gesprochen: in Israel müssen Sie die Idee des Umweltschutzes jedoch noch stark verbreiten, ist er doch eigentlich dort neu.
YL: Wir arbeiten derzeit intensiv mit Schulen zusammen mit dem Ziel einer Umwelterziehung, die wir mit neuen Ideen anbieten wollen. Der Dialog über jüdische Identität spielt dabei auch eine Rolle. So haben wir z.B. 30 Studentenführer von 30 verschiedenen Universitäten aus den USA gebeten, unsere Gäste zu sein und haben ihnen angeboten, in Israel Ökologie von einer anderen Seite kennenzulernen. Ökologische Fragen können zu einem wichtigen Anknüpfungspunkt im Gespräch mit der jungen Generation werden und auch eine starke Verbindung zu Israel schaffen.

JR: In Israel gibt es neben KKL noch andere Institutionen und gewichtige Gelehrte auf dem Gebiet des Umweltschutzes, dennoch haben die Israelis wenig Bewusstsein für ökologische Probleme.
YL: Dies ist tatsächlich problematisch. Bis jetzt hat unsere Bevölkerung zu wenig Sensibilität für das Thema entwickelt. Sie müssen dies vor dem Hintergrund unseres jungen Staates mit seinen Einwanderern aus verschiedenen Kulturen sehen. Etwas in vielen europäischen Ländern so Selbstverständliches wie Recycling ist in Israel völlig unbekannt. Der KKL versucht nun, auf Kreisläufe aufmerksam zu machen und die Verantwortung jedes Einzelnen anzusprechen. Wir gründen Clubs, in dem Menschen auf freiwilliger Basis z.B. Waldarbeit leisten. Auch für junge Leute haben wir eine solche Organisation, in die wir etliche Millionen Shekel investiert haben. Dennoch können wir nicht erwarten, dass ein solcher Bewusstseinswandel in kurzer Zeit stattfindet.

JR: Der KKL ist eine unpolitische Organisation. Als zionistische Organisation ist er jedoch politisch definiert. In der Knesset hat ein arabischer Abgeordneter vor kurzem den Vorschlag vorgebracht, alle jüdischen Organisationen, die mit dem Zionismus verbunden sind, aufzulösen, was auch den KKL betreffen würde.
YL: Der KKL ist keine politische Organisation, insofern es bei einer Baumpflanzung keinen Unterschied macht, wer diesen Baum pflanzt. Einen Baum zu pflanzen dient der Verbesserung der Umwelt. Mit 3 Millionen Bäumen sind wir die grössten Pflanzer in Israel, was an sich kein politischer Akt ist - gleichzeitig sind wir jedoch auch Landbesitzer und dies hat selbstverständlich eine politische Implikation. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt ist: Will Israel das Land der Juden und Jüdinnen bleiben, oder will es das Land seiner Bürger sein? Es ist verständlich, wenn Barak sagt: nach 50 Jahren ist es nun an der Zeit, dass Israel sich als das Land seiner Bürger versteht, was bedeutet, dass es kein nationales-jüdisches Eigentum gibt, welches die Araber diskriminiert. Ich jedoch sage: Jüdinnen und Juden haben dieses Land gekauft. Wir besitzen 17% des israelischen Landes, weil wir dafür bezahlt haben. Der Staat muss alle seine Bürger in gleichwertiger, demokratischer Art behandeln. Dennoch - dass unser Land jüdisches Land ist, hat nichts mit Demokratie zu tun. Landbesitz steht nicht unter einem demokratischen Konzept, sondern es gehört jemanden.

JR: Gibt es KKL-Projekte in Zusammenarbeit mit Palästinensern?
YL: Wenn wir Land in der Nähe von arabischen Dörfern in Israel besitzen, bekommen sie dieses oftmals im Tauschgeschäft und wir bekommen Land von arabischen Besitzern. Wir diskriminieren keine Araber. Wir achten sie als Bürger Israels, die auch als solche von der Regierung behandelt werden sollten. Wir sind nicht die Regierung, sondern eine jüdische Organisation, die sich mit der Verwaltung des von uns gekauften Landes beschäftigt.

JR: Aber da der KKL keine politische Organisation ist, sondern sich mit der Umwelt beschäftigt, könnte sie eine gute Plattform für einen jüdisch-arabischen Dialog bieten.
YL: Unser Know-how in der Zurückdrängung der Wüste steht den Nachbarn zur Verfügung und kann zur Völkerverständigung beitragen. Wir kommunizieren auch mit Jordanien in Bezug auf die Nutzung des Jordanwassers. Niemand wird jedoch das Wesen des KKL als jüdische Organisation ändern.

JR: Was antworten Sie auf den oben erwähnten Vorschlag in der Knesset?
YL: Ich habe keine Probleme mit dem arabischen Vorschlag. Mir macht es jedoch Mühe, dass Juden für diesen Vorschlag votieren. Unglücklicherweise sind manche von ihnen recht prominent - wie z.B. Yossi Beilin oder Amnon Rubinstein. Das Land des Staates, ca. 75 %, muss allen Bürgern zu gleichen Teilen dienen. Aber Land in Privatbesitz muss davon unterschieden werden. Der KKL hat dieses Land gekauft. Yossi Beilin hat geäussert, Israel brauche das Geld aus der Diaspora nicht mehr.
Dies ist das Dümmste, was ich je gehört habe. Denn wir brauchen einander. Zu sagen, Israel brauche diese Hilfe nicht, ist wirklich dumm. Israel braucht nicht nur Mithilfe von der Diaspora, sondern dies ist auch umgekehrt der Fall. Wenn Israel ein jüdischer Staat ist, müssen wir einige Dinge zusammentun. V.a. für die jüngere Generation ist dies wichtig. Wenn Menschen in der Diaspora mit dem Staat Israel teilen, setzen sie damit für ihre Kinder ein wichtiges Beispiel. Wer sagt, wir brauchten diese Verbindung nicht, versteht die Bedeutung Israels nicht.

JR: Waldbrände sind eines Ihrer grössten Probleme.
YL: Dies ist so. Seit dem grossen Feuer vor drei Jahren hat die Regierung ein nationales Untersuchungskomitee eingesetzt, das Empfehlungen ausgearbeitet hat. Wir haben diese angewandt und unseren Verantwortungsbereich reorganisiert, auch die Zusammenarbeit mit den anderen verantwortlichen Stellen im Bereich der Waldbrände. Wir haben viele Beobachtungstürme gebaut, um Feuer frühzeitig erkennen zu können. Wir haben spezielle Feuerwehrwagen, die sehr geländegängig sind. Der KKL ist bei Alarm für die erste Feuerbekämpfung zuständig. Wir müssen das Feuer aufhalten, bis die staatliche Feuerwehr, die Armee und private Unternehmen das Löschen übernehmen.


JR: In zwei Jahren feiert der KKL 100 Jahre. Wie werden Sie dieses Jubiläum begehen?
YL: Wir planen viele Anlässe. Wir wollen das Jubiläum nutzen, um unsere 100jährigen Tätigkeiten vorzustellen. Wir beginnen in Basel, wo der KKL gegründet worden ist. Wir hoffen, dass alle KKL-Präsidenten anwesend sein werden, wie auch einige prominente israelische Politiker. Ausserdem wird es in Israel eine Feier, eine Sondermarke der Post und vieles mehr geben.

JR: Welches ist die langfristige Perspektive für den KKL?
YL: Wir wollen unsere Anstrengungen bezüglich der Wasserversorgung in kurzer Frist lösen - im Rahmen von 5 Jahren. Dies ist eine Frage des Geldes. Wasserreservoirs werden jedoch das Wasserproblem nicht gänzlich zu lösen vermögen. Es stellt sich die Frage nach Wasserentsalzungsanlagen. Diese übersteigen aber vorläufig die finanziellen Möglichkeiten der KKL. Die zusätzlichen 100 Wasserreservoirs stellen eine Investition von 130-150 Millionen US-Dollars dar.

JR: Wenn Sie gute Arbeit leisten, braucht Israel in hundert Jahren den KKL nicht mehr?
YL: Der KKL hat das Ziel, eine führende Umweltorganisation zu werden. Um das Land, die Wälder, die freien Flächen und das Wasser zu erhalten und rein zu halten, müssen wir noch viel Arbeit leisten. Diese Arbeit wird uns stets, auch noch in hundert Jahren, fordern.

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Tu Bischwat - Das Neujahrsfest der Bäume

Ein Sederfest im Monat Januar

Tu-Bischwat, der 15. Tag des Monats Schewat, ging als Neujahrstag der Bäume in die post-biblische jüdische Geschichte ein. Mit der Rückkehr des jüdischen Volkes in sein Heimland nach einem langen Exil wurde dem Tag neues Leben eingehaucht. Heute gibt es öffentliche Baumpflanzungs-Zeremonien, aber auch der Tu-Bischwat-Seder gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Dieser Seder basiert auf Elementen, die Rabbi Isaac Luria (der «Ari») und seine Kollegen im 16. Jahrhundert eingeführt haben. An diesem Abend wird Wein offeriert, man isst Früchte der Bäume, singt und liest Texte aus den heiligen Quellen. Der Talmud erwähnt vier Arten des Neujahrs, die begangen werden: Rosch Haschana, bei dem der einzelne Mensch mit seiner Sühne und Erneuerung im Mittelpunkt steht, das Neujahr der Tiere, an dem der Bestand der Herden gezählt wurde und das als Datum für die Fixierung des Alters der Tiere galt, das Neujahr der Könige, das u.a. zur Berechnung der Amtsdauer der Monarchen benutzt wurde, und schliesslich Tu Bischwat, der in den post-biblischen Zeiten als Neujahr der Bäume bekannt wurde. Schon hinsichtlich des Datums gab es Diskussionen. Der Talmud erwähnt eine Ansicht, wonach das Fest am ersten Tag des Monats zu feiern sei, ähnlich den anderen Neujahrsfesten. Hillel jedoch entschied, dass der 15. Schewat der richtige Tag sei, und wie sehr oft behielt er die Oberhand. Wahrscheinlich hat Hillel sich für dieses Datum entschieden, weil es auf einen Vollmond fällt, und die Fixierung von Daten anhand des Vollmonds, war wichtig: Pessach war das Fest der Frühjahrsernte, Sukkots jenes der grossen Herbsternte, und in einer Periode, in der es keine genauen Methoden zur Zeitmessung gab, war der Mond ein essenzielles Instrument. Da zudem Tu-Bischwat das Ende der Haupt-Regenzeit in Israel markiert, wollte Hillel möglicherweise ein paar Tage hinzufügen, um sicherzustellen, dass die Niederschläge wirklich vorüber waren und das Blühen der Früchte und Bäume begonnen hat. Als die Juden vor rund 2000 Jahren ihre Unabhängigkeit verloren hatten, ging auch der Brauch verloren, Könige, Tiere und Bäume an bestimmten Tagen zu ehren. Nach der Rückkehr des jüdischen Volkes aus dem langen Exil in ihre Heimat aber erlebte der Tu Bischwat eine Renaissance. Die Notwendigkeit, ein ödes Land zu entwickeln, fiel mit der Aufgabe zusammen, neue nationale Feiertage zu schaffen. Kurz nachdem der KKL 1908 mit der Pflanzung des Herzl-Waldes sein Aufforstungswerk lanciert hatte, etablierte sich die Tradition des öffentlichen Baumpflanzens an Tu-Bischwat. Im Zuge der Vorbereitung der Aktivitäten von Tu Bischwat beginnt man überall im Lande wilde Blumen zu sehen, die den Beginn der Tu Bischwat-Feierlichkeiten ankünden. Im Mittelpunkt des Festes aber stehen die Baumpflanzungs-Zeremonien. Der KKL stellt die Pflanzungszonen, die Setzlinge und die passenden Zertifikate zur Verfügung, und das ganze Volk geht pflanzen.

Charles D. Wallach


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