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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

«Wir haben Grund für Optimismus»

von Sharon Samber, October 9, 2008
Während George W. Bush sich auf die Übernahme des höchsten Amtes der USA vorbereitet, verbreitet sich unter den orthodoxen Juden Amerikas die Hoffnung, in den nächsten Jahren im Weissen Haus auf ein offeneres Ohr zu stossen, als dies in der Ära Clinton der Fall gewesen ist. Gruppen wie die Agudat Israel und die «Orthodox Union» bauen darauf, dass Bush und seine Leute der Religion einen zentralen Platz im öffentlichen Leben einräumen.
Orthodoxe US-Juden: «Hoffen auf ein offeneres Ohr im Weissen Haus.» - Foto Keystone

Schon sehr frühzeitig machen die orthodox-jüdischen Gruppen der USA sich beim designierten Präsidenten Bush bemerkbar. Das zeigt, wie sehr ihnen daran gelegen ist, Bush bei Angelegenheiten wie den so genannten Schul-«Voucher» für sich zu gewinnen. Dabei geht es um staatliche Finanzen für die Schüler religiöser und/oder privater Schulen. «Wir haben optimistischen Grund zur Annahme», sagt David Zwiebel, Vize-Präsident für staatliche und öffentliche Angelegenheiten der Agudat Israel, «dass die neue Administration sich in die von uns schon lange vertretenen Richtung bewegen wird.» In Bezug auf die «Vouchers» gehen die Ansichten unter den jüdischen Organisationen der USA auseinander, doch viele orthodoxe Juden, die ihre Kinder in Jeschiwot (Talmud-Schulen) oder jüdische Tagesschulen schicken, unterstützen das Konzept eines staatlichen Beitrags. Das gilt vor allem für die Agudat Israel und die «Orthodox Union» (O.U.). In einem offenen Brief ersuchte Zwiebel den neuen Präsidenten, die jüdische Unterstützung für politische Beschlüsse zu gewinnen, welche die Optionen der Eltern in der Erziehung ausweiten würden. In einer Botschaft an Bush entwarf die O.U. ihre innenpolitische Prioritätenliste, und die Aguda setzte sich für die Aufrechterhaltung eines Voucher-Programms in Cleveland ein, obwohl dieses im vergangenen Monat als verfassungswidrig erklärt worden ist. Der Oberste Gerichtshof dürfte sich demnächst aber gründlicher mit der Frage befassen. Die orthodoxen Organisationen der USA weisen u.a. darauf hin, dass ihre Schulen sich eines wachsenden Zuspruchs, auch aus nicht unbedingt orthodoxen Kreisen, erfreuen. Zwiebel meint, es würde sich für Bush lohnen, sich gezielt um mehr Unterstützung aus jüdischen Kreisen zu bemühen, auch wenn weniger als 20% der amerikanischen Juden bei den letzten Wahlen sich für den republikanischen Kandidaten entschieden hatten.
Ein anderer Bereich, in dem die Absichten und Ziele der Orthodoxen sich mit jenen der Bush-Administration decken, ist die wachsende Bedeutung von glaubensorientierten Organisationen. Initiativen, die auf dem Glauben begründet sind, haben nach Ansicht von Juliana Glover, einer Sprecherin für Bush, ein gewaltiges Potenzial, und Bush hoffe, jüdische Organisationen würden davon profitieren. Glover vermied es, direkt auf die verschiedenen Botschaften einzugehen, welche orthodox-jüdische Gruppen Bush geschickt hatten. Nathan Diament, Direktor des Instituts für öffentliche Angelegenheiten der O.U., vermutet, die Bush-Administration werde den Kontakt zur jüdischen Orthodoxie suchen. In ihrem Memo an Bush hatte die O.U. betont, dass die orthodox-jüdische Gemeinschaft der USA eine Anzahl der politischen Initiativen unterstützt hatte, die Bush während seiner Kampagne lancierte. Andrerseits unterstrich Diament, dass die O.U. sich für einen traditionell-jüdischen Zugang einsetze, und nicht für einen liberalen oder konservativen. In Bezug auf so umstrittene Themen wie die Todesstrafe werde man daher keinen gemeinsamen Nenner mit Bush finden können.

JTA


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