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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Winterthur / Rechtsextremismus - Migros-Klubschule zieht Konsequenzen gegen Bernhard Schaub

von Hans Stutz und Anton Maegerle, October 9, 2008
Zwei Schweizer Holocaust-Leugner, beide Lehrer und Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Zeitgeschichte (AEZ), sind in den vergangenen Tagen ein bisschen in der Welt herumgekommen. Gestern Mittwoch musste in Aarau der Basler Vielschreiber Jürgen Graf vor dem Aargauer Obergericht erscheinen, da er gegen seine erstinstanzliche Verurteilung zu 15 Monaten Gefängnis unbedingt appelliert hatte. Und am Dienstag vergangener Woche referierte in München sein Gesinnungskamerad Bernhard Schaub und wurde dort als Lehrer vorgestellt, der auf dem Gebiet der Erwachsenenpädagogik tätig sei.

Ein Schweizer Holocaust-Leugner, der sich öffentlich als Lehrer vorstellen lässt, lädt zur unverzüglichen Recherche. Nach seinem ersten öffentlichen Auftreten als Holocaust-Leugner war Bernhard Schaub im Winter 1992/93, damals Lehrer an der anthroposophischen Schule Adliswil, unverzüglich entlassen worden. Doch bei der Migros-Klubschule Winterthur-Thurgau-Schaffhausen fand Schaub eine neue Wirkungsstätte als «pädagogischer Mitarbeiter» und war unter anderem zuständig für die Kursleiter-Betreuung und Lehrerinnen- und Lehrer-Einstellungen. Im vergangenen Sommer wurde die Migros-Klubschulle auf Schaubs publizistische Tätigkeit als Holocaust-Leugner aufmerksam gemacht. Der Holocaust-Leugner sei per Ende Jahr entlassen worden, dies hatte die JR damals auch erfahren und auf weitere Recherchen verzichtet.

Ist Schaub also immer noch bei der Migros-Klubschule Ostschweiz angestellt? Bei der Klubschule in Frauenfeld berichtet man am Dienstag freimütig, dass Schaub immer noch «pädagogischer Mitarbeiter» sei. Peter Kleger, Schulleiter der Migros Klubschulen Ostschweiz, bestätigt der WoZ, dass die Klubschulen den Holocaust-Leugner auf Ende 1999 entlassen, ihn jedoch im Auftragsverhältnis, insbesondere für ein bereits laufendes zweijähriges Ausbildungsprogramm, weiter beschäftigt haben. Sie seien jedoch davon ausgegangen, dass sich Schaub vorerst öffentlicher Auftritte enthalte. Er werde nun, so Kleger weiter, in der Geschäftsleitung den Antrag stellen, dass die demnächst auslaufenden Verträge mit Schaub nicht mehr erneuert werden. Ob die Schülerinnen und Schüler der Migros-Klubschule in Frauenfeld auch jene politischen Widerlichkeiten hören, welche Schaub vergangene Woche in München von sich gab? «Europa ist die Heimat der weissen Rasse», behauptete er und beschwor die Anwesenden, «dass die Wiege der weissen Menschheit nicht zum Auffangbecken für Krethi und Plethi aus aller Welt wird». Nicht «an jeder Ecke ein Neger, Kebab-Stand und Südamerikaner» will Schaub, auch nicht «elektronisch verzerrten Negerjazz aus Amerika, den man Pop nennt», hingegen will er, dass «wieder ein homogener Volkskörper» hergestellt wird. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hingegen, so meinte Schaub weiter, gehörten abgeschafft. Dazu brachte Schaub auch noch ein paar verschwörungsphantastische Anspielungen und die Klage, dass Globalisten es in diesem Jahrhundert bereits zweimal verhindert hätten, dass in Deutschland ein starker Nationalstaat entstehe. Dies sei «ein grossartiger Versuch» gewesen, «der fehlgeschlagen war». Eine gravierende Verharmlosung des Nationalsozialismus also.

Schaub erhielt auch die entsprechende Würdigung. Nach Schluss seines Vortrages wurde er vom 82jährigen Karl Günther Stempel verabschiedet, einst Mitglied der SS und der NSADP, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern eine Karriere als Richter machte und 1977 den Münchner Bürgerverein gründete, welcher Schaubs Vortrag in München organisiert hatte. Der Migros-Klubschullehrer brachte also Labsal für die geschundenen Seelen der Ewiggestrigen. Die Anwesenden hätten Schaubs Ausführungen «immer wieder mit begeisterten Kommentaren» begleitet, berichtet ein Versammlungsteilnehmer.





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