Wie sicher sind jüdische Institutionen?
«Es handelt sich um eine aussergewöhnlich warmherzige Gemeinde, und wir wollen helfen, wo wir können», meinte am Mittwoch gegenüber Radio Israel Osnat Minc, Vertreterin der Jewish Agency in dem Teil von Los Angeles, in dem der Anschlag stattfand. Das Büro der JA liegt im Hause neben dem Gemeindezentrum. Der Anschlag hat begreiflicherweise Bestürzung und Panik unter den Eltern von Kindern ausgelöst, die in dem Zentrum Kindergarten- und Schulklassen besuchen. Zur Zeit des Anschlags hielten zwei Klassen sich im Museum der Toleranz des Simon-Wiesenthal-Zentrums auf. «Einige der Mütter riefen höchst beunruhigt an», erklärte Rabbi Marvin Hier, Leiter des Zentrums, «und unsere Leute konnten sie beruhigen, dass ihre Kinder in Sicherheit seien.» Der Überfall vom Dienstag folgte kurz nach zwei anderen Attacken, welche die jüdische Gemeinschaft der USA bereits erschüttert hatten. Am 18. Juni hatten Brandstifter drei Synagogen in Nord-Kalifornien angezündet, und zwei Wochen später verletzte ein rassistisch motivierter Amokläufer in Chicago sechs Juden, die sich auf dem Heimweg von der Synagoge befunden hatten. Unmittelbar nach dem Geschehen von North Valley hat die Vereinigung der Jüdischen Gemeindezentren Nordamerikas für die 275 ihr angeschlossenen Zentren Alarm ausgelöst und sie aufgefordert, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. «Wir hatten keinen Grund, zu glauben, dass so etwas geschehen könnte», sagte Jeff Rouss, Direktor des Gemeindezentrums von North Valley. «Jetzt haben wir natürlich die Sicherheit für alle unsere Institutionen verschärft.» Rouss benutzte die Gelegenheit, die Behörden dringend dazu aufzurufen, die Kontrolle des Waffenbesitzes zu verschärfen. «Als Jude und Amerikaner und als Direktor dieses Gemeindezentrums glaube ich, dass es hier um die Sicherheit unserer ganzen Gesellschaft geht. Wir müssen etwas unternehmen wegen der Waffen. Lasst uns unsere Kinder schützen, lasst sie Kinder sein.»Das Gemeindezentrum (JCC) North Valley ist eine von sieben JCC-Filialen im Einzugsgebiet von Gross-Los Angeles. Die verwundeten Kinder waren Teilnehmer eines Tages-Camps während der Sommerferien. «Schrecklich, dass jemand wahllos auf unschuldige Kinder schiessen kann», meinte die Mutter eines 7jährigen Jungen. Nachdem Polizei und Feuerwehrleute die mehreren hundert Kinder vom Orte des Geschehens in die benachbarte Beth-Torah-Synagoge evakuiert hatten, wurden sie im Verlaufe des Dienstagnachmittags mit ihren Eltern wiedervereint. Während die Untersuchungen ihren Fortgang nahmen, erklärte ein JCC-Sprecher, die Institutionen der Vereinigung seien sicher. «Im Allgemeinen können die Leute sich bei uns sicher fühlen. Solche Zwischenfälle gibt es immer wieder irgendwo.»
Nach Bekanntwerden des Anschlags erhielten viele Bewohner von Los Angeles besorgte Anrufe von Verwandten in Israel und anderen Ländern. Rabbi Michael Melchior, der israelische Minister für die Beziehungen zur Diaspora, verurteilte den «abscheulichen Akt». Er mache sich, fügte Melchior hinzu, grosse Sorge über die Zunahme des gewalttätigen Antisemitismus in den USA und an anderen Stellen der Welt. Minister Melchior will demnächst mit jüdischen Persönlichkeiten aus aller Welt die Situation und mögliche Lösungen besprechen, wobei seiner Meinung nach das Schwergewicht auf Erziehung und Informationskampagnen zu legen sei. In Telefongesprächen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde von Los Angeles offerierte Melchior die Hilfe der israelischen Regierung.


