Wie anti-israelisch ist Peter Hain wirklich?
Peter Hain, ein führender britischer Antirassist, der am 29. Juli zum Minister mit Verantwortung für den Nahen Osten ernannt worden ist, sagte, seine ausdrückliche Befürwortung für die Schaffung eines Palästinenserstaates zu Lasten der Existenz Israels sei durch die Veränderung in den Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern modifiziert worden. «Menschen dürfen nicht durch die Vergangenheit in Fesseln gelegt werden», meinte er, «denn sonst würde sich nie etwas vorwärts bewegen.»
Hain traf im Alter von 16 Jahren in Grossbritannien ein, als seine gegen die Apartheid kämpfenden Eltern Südafrika verlassen mussten. Viele der engsten Freunde seiner Eltern in der Anti-Apartheid-Bewegung seien, so sagt er, Juden gewesen. «Deshalb trete ich», erklärte Hain gegenüber dem «Jewish Chronicle», «mein Amt als Freund der jüdischen Gemeinde an und hoffe, die Gemeinde wird mich als solcher sehen». Als eine der ersten Handlungen nach seiner Ernennung bat er Dror Zeigerman, den Botschafter Israels in London, zu einem Gespräch in sein Büro. Die Unterhaltung wurde als «herzlich» und «bereinigend» beschrieben.
Noch 1976 war Hains Haltung gegenüber Israel um einiges weniger herzlich, hatte er doch in einem Artikel im Londoner «Guardian» geschrieben: «Der derzeitige Zionistische Staat ist definitionsgemäss rassistisch und muss demontiet werden. Was das Territorium betrifft, wird das neue Palästina dem durch das britische Mandat fixierte Palästina vor 1948 gleich sein. Eine Ersetzung durch die besetzte Westbank und den Gazastreifen kommt nicht in Frage.» Für Hain ging es nicht darum, ob der jüdische Staat «demontiet» und durch eine sekuläre, demokratische palästinensische Einheit ersetzt werden würde. Die Frage war für ihn vielmehr, wie dies vor sich gehen würde. «Das kann auf ordentliche Weise durch Verhandlungen geschehen, wie es der PLO am liebsten wäre», schrieb er. Die Alternative wäre Gewalt. «Die Wahl liegt bei den Israelis. Entweder erkennen sie jetzt, dass die geschichtliche Entwicklung ihrer gierigen Unterdrückung zuwiderläuft, oder sie können sich verschanzen und ein Blutbad auslösen.»
1973, als der jüdische Staat in den Jom-Kippur-Krieg verwickelt war, hatte Hain geschrieben: «Die Welt kann nicht wegen ihrer Scham über die historische Verfolgung der Juden die gegenwärtige Verfolgung der Palästinenser gutheissen. Unsere Auseinandersetzung gilt der ganzen Doktrin des Zionismus und der Arroganz, mit welcher seine Gefolgschaft die Palästinenser beiseite schieben und zu einem Leben in verzweifeltem Elend verurteilen.»
In der von Ideologien freien Atmosphäre der Regierung Tony Blairs gilt Hain als Überzeugungspolitiker. In den letzten zehn Jahren hat er keine wesentliche Äusserung zum israelisch-arabischen Thema veröffentlicht, und offensichtlich ist er sich der politischen Realitäten der Gegenwart bewusst, zu welchen auch positive Gefühle gegenüber Israel im Büro des Premierministers gehören.
Hain wird als wohl kaum Israels Existenzrecht in Frage stellen oder extrem von den politischen Richtlinien seiner Regierung abweichen. Hingegen dürfte er sich in internationalen Gremien mit den schärfsten Kritikern Israels zusammentun und Themen wie die Verbreitung nuklearer Waffen zur Sprache bringen, wenn er es mit Israel und von ihm als reaktionär angesehenen arabischen Staaten zu tun hat. Eine israelische diplomatische Quelle in London meinte, man hoffe, Hain werde ein «ausgeglichener und engagierter Minister» sein. Israelische Offizielle, so hiess es, würden sich auf die Zusammenarbeit mit ihm freuen.
JTA


