Wer darf nach Berlin gehen?
Der Beschluss der zuständigen Kommission, die Ernennung des Abgeordneten Yossi Katz zum Botschafter in Berlin zurückzuweisen, brachte Pläne Ehud Baraks und seines Aussenministers David Levy durcheinander, ein Revirement in der Knesset herbeizuführen. Es war die Rede davon gewesen, Motti Mishani von Levys Gesher-Fraktion als nächsten auf der Liste von «Ein Israel» für Katz in die Knesset nachrücken zu lassen. Dann würden zwei Minister der Arbeitspartei aus der Knesset ausscheiden, was zwei weiteren Kandidaten Gelegenheit bieten würde, ins Parlament einzuziehen.
Das Ernennungskomitee, das Katz für Berlin ablehnte, erklärte den Mann damit nicht automatisch für andere Botschafterposten als ungeeignet. Eytan Bentsur, Generaldirektor des Aussenministeriums, bat die Kommission um eine Wiedererwägung ihres Beschlusses. Aus der Umgebung des Premierministers hiess es, während man früher unbesehen auch unqualifizierte Personen nominierte, gehe man heute ins andere Extrem und lehne geeignete Kandidaten einzig aufgrund ihrer politischen Ansichten ab. Katz sei für den Posten in Berlin durchaus qualifiziert, meint man in Baraks Umgebung. «Früher», so meinte ein Offizieller, «musste ein Botschafter ein Experte auf verschiedenen Gebieten sein, doch heute im Zeitalter des Internet, muss er nur noch sein Land repräsentieren.»
Yossi Katz reagierte beleidigt auf den Beschluss der Kommission. Er werde auf keinem anderen Posten als in Berlin dienen, erklärte er. Nach einem 40minütigen Auftritt vor der Kommission hatte er geglaubt, seine Nominierung bereits in der Tasche zu haben. Die Kommission kam zum Schluss, dass Katz zwar einen «würdigen und erfahrenen Eindruck» hinterlassen habe, dass man aber nicht sagen könne, er würde sich besonders für den Posten an der Berliner Botschaft eignen.
Formell ist der Beschluss der Kommission nur eine Empfehlung für die Regierung, und Aussenminister Levy steht es immer noch frei, das Kabinett um eine Bestätigung der Ernennung des Abgeordneten zu bitten.
Haaretz


