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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Weder stressig noch gefährlich

von Rene Kirchheimer, October 9, 2008
Abseits der Hektik der israelischen Strassen gibt es eine Wegverbindung, die weder stressig noch gefährlich ist. Auf der sagenumwobenen Gewürzstrasse brachten alte Völker des Nahen Ostens ihre «Schätze» nach Griechenland, Rom und Ägypten. Die seltenen Pflanzen wuchsen im südlichen Arabien. Es war kommerziell logisch, dass die Bewohner der Wüste Transportwege für die Waren auskundschafteten und anlegten.
Erinnerung an die Gewürzstrasse: Karawane aus Metal in Israels Wüste. - Foto KY

Vor 4000 Jahren wurden die kostbaren Waren mit Eseln und Maultieren transportiert, die sich jedoch den heissen und kargen Wüstenbedingungen nicht anpassen konnten. Die Waren mussten durch den «fruchtbaren Halbmond» nordwärts entlang dem Fluss Eufrat, am Rande der syrischen Wüste durch die Täler Libanons, entlang dem Mittelmeer durch Israel nach Ägypten geschickt werden.
Die Wüstenvölker zähmten darauf das Kamel zum Transporttier, welches enorme Lasten tragen konnte und für die extreme Hitze und Trockenheit der Wüste geeignet war. Nun konnten die Karawanen die Wüste auf dem Weg zum Mittelmeer direkt durchqueren und mühelos 30 bis 40 km pro Tag hinter sich bringen. Der Handel nahm neue Formen an. Historiker berichten von einer richtiggehenden Revolution, die durch die Verkürzung des Weges und die Senkung der Transportkosten ausgelöst wurde. Dutzende von Ruinen alter Krawansereien finden sich auf dem Weg von Südarabien bis zum Hafen von Gaza, welcher ein wichtiges Ziel für die Karawanen war.
Oft zogen die Händler den Seeweg vor, um Überfällen in der Wüste auszuweichen. Andererseits waren Überfälle von Piraten im Indischen Ozean und Roten Meer häufig, weshalb die Händler den Landweg vorzogen.
Vor rund 2300 Jahren liessen sich die Nabatäer in der heute von Jordanien und Israel geteilten Negev-Wüste nieder, gruben Brunnen, bauten Zisternen, Karawansereien, Dörfer und gründeten Städte wie Petra, Avdat (Oboda) Mamshit (Memphis), Shivta und Nizzana. Bei einem Besuch im Negev können wir nur staunen über die Baukunst und vor allem über die fortschrittliche Art der Wüstenlandwirtschaft der damaligen Zeit.Was wurde nun auf der berühmten Gewürzstrasse transportiert und wo ging sie durch? Man darf sich die Gewürzstrasse nicht als eine Strasse im heutigen Sinne vorstellen. Das war eher ein Strassennetz, des den Osten mit dem Westen, Indien mit Mesopotamien und der arabischen Halbinsel, mit Israel, Ägypten, Griechenland und dem römischen Reich verband. Eine der transportierten Waren waren Gewürzpflanzen, die zur Körperpflege, Desinfektion, Medizin, Konservierung und religiösen Zwecken verwendet wurden. Parfum und Weihrauch wurden aus Pflanzen gewonnen und waren für religiöse und zeremonielle Zwecke wichtig. Oft wurden die seltenen Pflanzen ihres Wertes wegen so sorfältig transportiert und bewacht wie Silber und Gold. In den Bädern des alten Rom war der Körperkult eng verbunden mit wohlriechenden Ölen, vermischt mit Gewürzen.
Bei vielen Völkern spielte die Reinheit des Priesters eine grosse Rolle, und der Totenkult war oft mit Wohlgerüchen verbunden. Um den Verstorbenen das Leben in der nächsten Welt angenehmer zu gestalten, wurden sie vielmals mit persönlichen Gegenständen, Geschenken und Duftbehältern begraben.
In alten Schriften erwähnte Blumen, Sträucher und Bäume konnten nicht immer identifiziert werden. Ebenso berühmt wie mystisch sind Myrrhe und Weihrauch. Möglicherweise gehörten sie zu den Pflanzen, die für die Einweihung des Tempels und die Salbung des Hohepriesters Aharon verwendet wurden. Die Israeliten bereiteten heiliges Öl der Salbung aus Gewürzen und Olivenöl vor. Die Oasen Ein Gedi und Jericho sowie ferne Länder wie Nepal, Indien, China, Ceylon, Somalien, Jemen und Oman werden in Zusammenhang mit Gewürzimporten erwähnt. Die Myrrhe wurde zur Produktion von Kosmetik und Parfum benutzt. Sie war vermutlich der erste Vorfahre der Ozon-Loch-Kultur, da sie wenig Rauch erzeugt. In der Antike wurde sie auch zum Zweck der Luftreinigung verbrannt.
Unser Ausflug auf der Gewürzstrasse beginnt im Aravatal bei der nabatäischen Festung Moa, einer einst wichtigen Karawanserei an der Strasse von Petra nach Avdat und Gaza. Eine weitere Strasse führte von Norden her durch das Aravatal nach Eilat. Das ganze stammt vermutlich aus dem 1. und 2. Jahrhundert. Typisch nabatäische Einrichtungen wie eine Ölpresse, ein Badehaus und ein Aquädukt sind noch klar zu sehen.Die erste Steigung ist nur für gute Jeepfahrer. Wir erreichen Hurvat Katzra, die erste Station über dem Tal, wo die Resten eines Wachturmes und einer kleinen Karawanserei zu sehen sind. Vom Turm aus wurde die Gewürzstrasse bewacht.
Durch das trockene Flussbett des Nachal Nekarot fahren wir an einer weiteren Ruine vorbei, die etwas erhöht auf einem Hügel liegt und vielleicht ein Wachposten für das nahe gelegene Wasserloch war. Die Festung Nekarot (auf arabisch Kasr e Sik genannt) stammt aus der Römerzeit und war mit einem hohen Turm versehen.
Eindrückliche Felsformationen und Schirm-Akazien schmücken das breite Wadi, bis wir durch enge Stellen und schwierig zu bewältigende Passagen das wunderschöne Nachal Ardon und das Saharonim-Plateau erreichen. Deutlich erkennen wir auf einem Teil der ursprünglichen Gewürzstrasse die Meilensteine aus römischer Zeit.
Wer noch nicht müde ist, kann eine einstündige Wanderung durch das Hufeisental machen, während die Erschöpften sich bei einem Glas Tee erholen.
Quer durch den Ramon-Krater, der eigentlich gar kein Krater ist, bewältigen wir mit unserem Jeep über die Machmal-Steigung eine Höhendifferenz von 200 m und bewundern von oben die herrliche Nachmittagsstimmung in der Wüste.
Unser Tag endet in Mitzpe Ramon, wo wir entweder im preislich vernünftigen und gemütlichen Hotel Ramon Inn übernachten oder in der günstigen und sauberen Jugendherberge.
Versuchen Sie auf keinen Fall, diese Tour ohne einen lizenzierten Wüstenguide zu unternehmen.

Rene Kirchheimer, IEA, Telefone: 0097235259544 oder 0097250-402370.





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