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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Wahnsinnsmarsch der Offiziere

October 9, 2008

Wir stecken mitten in Nebelschwaden der Konfusion und Verwirrung, welche die Regierung verbreitet hat. Auf der einen Seite hören wir die verängstigten Aufschreie der Bewohner des Golans und der Leute, die Erez Israel treu sind. Auf der anderen Seite sind die hin- und herschwankenden Hoffnungen auf einen Frieden. Die Notwendigkeit eines Friedens zweifelt niemand an. Wir brauchen Frieden. Der Streit dreht sich um die Art und Weise, um den Zeitpunkt und um den Preis.
Baraks Berater für PR- und Image-Fragen haben schon eine Parade hoher Armeeoffiziere aufmarschieren lassen - einige von ihnen im Ruhestand, andere noch in Uniform -, welche der Nation erklären werden, dass ein Rückzug vom Golan keine Bedrohung darstellt, da wir über die «angemessenen Sicherheitsvorkehrungen» und die modernsten Waffen verfügen werden, als Kompensation für den Verlust der Tiefe und der dominierenden Regionen des Golans. Können wir solchen Sicherheitsvorkehrungen vertrauen? Können wir uns auf die Fachkenntnisse dieser Experten verlassen?
Erinnern wir uns an das, was diese «Ritter des Friedens vor noch nicht allzu langer Zeit gesagt haben. Es folgen einige Beispiele, die den Unterschied zwischen «Sicherheitsvorkehrungen» und echter Sicherheit verdeutlichen sollen. Die Linie, an welcher der Feind aufgehalten werden kann. Die Experten erzählen uns, dass es heute möglich sei, Israel auch ohne die Golanhöhen zu verteidigen. Es handelt sich hier um die gleichen Offiziere und Experten, die früher, als man sich um ihre Fachmeinung bat, nachdrücklich betont hatten, die erwähnte Linie gegen eine syrische Attacke auf Israel verlaufe mitten durch den Golan. Sie sprachen von einer Linie «auf Leben und Tod». Sollte sie durchbrochen werden, würde der Kampf sich auf ganz Galiläa ausdehnen. Hohe US-Offiziere, die den Golan besucht oder Aufsätze zum Thema veröffentlicht haben, haben immer wieder ihre stets gleiche Meinung wiederholt: Es ist unmöglich, den Staat Israel ohne eine militärische Kontrolle über den Golan gegen einen militärischen Angriff zu verteidigen. Auch dann nicht, wenn Israel die modernsten Waffensysteme der Welt besitzen sollte. Moderne Technologie kann, so sagten sie, die minimale Tiefe, die der Golan offeriert, nicht ersetzen.
«Auch in Friedenszeiten müssen wir an den Golanhöhen festhalten.» Das sagte kein amerikanischer General, sondern der damalige israelische Generalstabschef Ehud Barak, als er am 18. August 1994 über die Sicherheitsvorkehrungen am Golan sprach.
Der Hermonberg und die Frühwarnstationen. Die gleichen Experten erklären heute, wie wichtig es sei, dass im Rahmen von umfassenden Sicherheitsvorkehrungen, auf welchen Israel bestehen würde, Frühwarnstationen auf dem Hermon von israelischen Offizieren bemannt sind. Die strategische Bedeutung des Hermons bezieht sich nicht nur auf die «Augen des Staates» (und wenn es eine Frühwarnung gibt, wo werden die IDF-Truppen sein, welche die syrischen Soldaten aufhalten könnten?), sondern auch auf seine Rolle als physisches Hindernis, welches das Potenzial und Manövrierfähigkeit der gegenwärtig auf dem Golan und an der libanesischen Front postierten syrischen Kräfte einschränken und reduzieren kann. Mit einer Aufgabe des Golans würde Israel auf ein System natürlicher und künstlicher Hindernisse verzichten, das der Armee Zeit für die Mobilisierung und die Selbstverteidigung einräumen würde. Israel hat auf den Golanhöhen das grösste und tiefste künstliche Hindernis der Welt errichtet. Es handelt sich um Zäune, Minenfelder und Anti-Tank-Gräben. Wenn Israel sich vom Golan zurückzieht, gibt es keinen anderen Ort, wo ein solches Hindernis errichtet werden könnte.
Am wichtigsten erscheint mir hier aber der zynische Missbrauch von Armeeoffizieren unter dem Deckmantel des «militärischen Professionalismus» zu sein. Diese Offiziere sollen uns weismachen, wie dieser Friede einen neuen Nahen Osten mit einem «tiefen» Frieden schaffen wird, der alle Bedrohungen gegen Israels eigentliche Existenz beseitigen wird. Wenn es einen solchen Frieden überhaupt gibt, wozu braucht die Armee zu seiner Sicherung dann Investitionen in der immensen Höhe von 20 Milliarden Dollar? Der Wahnsinnsmarsch dieser Militärexperten gehört zu den eingangs erwähnten Rauchschwaden, die aber eine essenzielle Tatsache nicht verbergen können: Mit einem Rückzug vom Golan würde Israel unersetzbare strategische Trümpfe aus der Hand geben. Es lohnt sich, sich folgende Aussage David Ben-Gurions in Erinnerung zu rufen: «Setzt nicht allzu grosse Hoffnungen in Deklarationen. Wir müssen unterscheiden zwischen einer nur aus Worten bestehenden Deklaration und einer, die von einer Militärkraft flankiert wird, welche sie in die Tat umsetzen kann».
Mit einem Rückzug vom Golan behält Israel sich vielleicht das Recht vor, Deklarationen abzugeben, wie dies die Militärexperten tun, doch verliert das Land die militärische Stärke, um zu handeln. Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand und die intellektuelle Integrität dieser beeinflussten Experten: Hört auf, den Leuten Sand in die Augen zu streuen. Bleibt Eurer professionellen Erkenntnis treu und sagt, was wir alle wissen: Ein Rückzug vom Golan, kombiniert mit einem «Paket an Sicherheitsvorkehrungen» wird weder Frieden noch Sicherheit bringen. Wir müssen diesen Wahnsinnsmarsch so rasch als möglich zum Stillstand bringen.





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