Von «Business Angels» und Wundern
Eine beachtliche Anzahl von Menschen hatte sich im Innenhof des Wildt\'schen Hauses bei strahlender Abendsonne versammelt, um diesen Anlass gemeinsam zu begehen. Eine bunt gemischte Gesellschaft lauschte den Worten Professor Gäblers, dem Rektor der Universität, der als erster am Rednerpult stand. Die Liste der Verdankungen war lang und schnell wurde klar, dass sich hier ein Modell durchgesetzt hatte, das hierzulande eher noch Seltenheitswert hat - die teilweise Finanzierung einer Forschungseinrichtung durch staatliche und private Gelder.
Wiedererlangung der Sprache
Als Aufgabe des nun offziell existenten Instituts bezeichnet Ulrich Gäbler u.a. die «Wiedererlangung der Sprache», einer Sprache, die durch die Grausamkeiten der Schoah und deren unvorstellbarem Ausmass in einem Schweigen aus Scham und Betroffenheit verloren gegangen ist. Eine der Grundaufgaben der Universität, so Gäbler weiter, ist es, «einen Beitrag zur Verständigung zwischen Menschen zu leisten» - ein Satz, dem in Bezug auf die Jüdischen Studien nichts hinzuzufügen ist. Auch Rolf Soiron, Präsident des Universitätsrates, der als nächster ans Rednerpult trat, dankte vielen Donatoren, die dieses Ereignis überhaupt erst möglich gemacht hatten, so u.a dem Ehepaar Guth, Beiträge aus der Emile-Dreyfus-Stifung, dem Anne-Frank-Fonds, die ein Forschungsstipendium ausgesetzt hat, Crossair-Chef Moritz Suter, aber auch den Professoren Ekkehard Stegemann und Heiko Haumann und den Assistierenden des Instituts. Vor allem jedoch sprach er in humoriger Form von der eigentlichen Hauptperson des Anlasses: Branco Weiss. Soiron schilderte seine Begegnung mit Branco Weiss und dessen Angebot in Analogie zu einer Engelserscheinung. Allerdings eines Engels der etwas anderen Art. Da Weiss jedoch weder in Sprache noch Statur den himmlischen Boten ähnlich ist, wurde er in Soirons Rede zu einem «Businessangel». Branco Weiss hat dem Institut zwei Professuren finanziell gesichert. Als Beweggrund für sein Engagement nannte er gegenüber der JR «Ich bin wie jeder nachdenkliche Mensch auf der Suche nach dem Sinnvollen». Er hat die Arbeit sowohl des Historischen Seminars als auch des Instituts für Jüdische Studien verfolgt und beschlossen, Letzteres finanziell mit 5 Millionen grosszügigst zu unterstützen, und betont, es handle sich nicht um Sponsoring. Ideen, so Rolf Soiron, brauchen Menschen, die sich ihnen verschreiben. Doch genauso brauchen Erneuerungen Allianzpartner und die nötigen Mittel, um eine Idee Gestalt annehmen zu lassen. Das Institut für Jüdische Studien sei kein «akademischer Luxus», sondern das Schliessen einer schon lange existenten Lücke im universitären Bereich, führte Professor Ekkehard Stegemann als weiterer Redner aus. Stegemann ist optimistisch, dass in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren das Nebenfach «Jüdische Studien» auch als Hauptstudiengang absolviert werden kann. Damit wäre Basel nach Luzern (s. Kasten) die zweite schweizerische Universität, die eine solche Möglichkeit anbieten würde. Stegemann betonte auch vehement, das Studium der jüdischen Kultur, Religion und Geschichte sei keine Minderheitenpflege, sondern eine akademische Auseinandersetzung mit dem «Zivilisationsgefährten, der von Anbeginn an da war». Der jüdische Beitrag zur Geschichte des Abendlandes soll im Zentrum der universitären Reflexion stehen.
«Wir wollen etwas bewirken»
Mit Professor Heiko Haumann endete der Rednerreigen. Er betonte nochmals die Freude über die Weiss’sche Stiftung, die an keinerlei Auflagen geknüpft ist. Auch er bedachte nochmals die anderen Donatoren und diejenigen, die durch ihre tägliche Arbeit den Aufbau des Instituts massgeblich getragen haben, mit Dankesworten. Er beschloss seine Rede mit den Worten «Wir wollen und wir werden etwas bewirken». Der Anlass endete mit einer letzten musikalischen Darbietung des Sängers Marcel Lang, der von Simone Guthauser Rubeli am Klavier begleitet wurde. Es ist für die Universitäten der Schweiz zu hoffen, dass dieses Beispiel Schule machen wird. Nicht, um den Staat aus seiner finanziellen Verantwortung zu entlassen, sondern um neue Wege beschreiten zu können, die allen zugute kommen werden.
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Mit Glanz und Gloria
Luzern / EM. - Am vergangenen Wochenende haben die Stimmbürger und Stimmbürgerinnen des Kantons Luzern mit einem Glanzergebnis von 72% ein neues Hochschulgesetz angenommen. Damit wird aus der bis jetzt aus zwei Fakultäten, einer theologischen und einer geisteswissenschaftlichen, bestehenden Universitären Hochschule eine Universität. Neu wird in Luzern auch ein Studium der Juris Prudenz möglich sein. Die Annahme der Vorlage lässt auch das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung aufatmen, zumal bei einem Nein die Schliessung der Hochschule als Ganzes hätte drohen können. Das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung, das sowohl der geisteswissenschaftlichen als auch der theologischen Fakultät angehört, ist das einzige in der Schweiz, das ein Studium der Judaistik im Hauptfach ermöglicht. Das Institut wird gebildet aus einem Ordinarius und einem jüdischen Lehr- und Forschungsbeauftragten. Es ist Luzern zu wünschen, dass es vermehrt auch als Hochschulstandort wahr- und ernstgenommen wird. Das attraktive Angebot, Judaistik im Hauptfach studieren zu können, hat in den letzten Jahren schon vermehrt Studierende aus allen Regionen der Schweiz nach Luzern gezogen.


