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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Vom Umgang mit Spendengeldern

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

Eine der wichtigen Mitzwot (Gebote) im Judentum ist es, einen Teil des Einkommens für wohltätige Zwecke zu spenden. Schweizer Jüdinnen und Juden tun dies in grossem Masse. Sie spenden und unterstützen im In- und Ausland mit ungebrochenem Engagement u.a. jüdische und israelische Institutionen. Leider gibt es bezüglich der Verwendung von Spenden keine Mizwa. Sprich, wie mit den zugedachten Geldern umgegangen wird, ist den Empfängern von Spendengeldern selbst überlassen. Wie im Falle der vom Keren Hajessod Schweiz mit 2,5 Millionen Dollar unterstützten Rabin-Friedensschule in Mizpe Ramon (vgl. Seite 1) zeigt sich einmal mehr, dass mit diesem Geld nicht immer sorgfältig umgegangen wird. Ein Phänomen, dass gerade bei «Hilfswerken» für Spenden in die Dritte Welt in den letzten Jahren immer wieder zu Dikussion Anlass gab. Mizpe Ramon ist kein Einzelfall. Oftmals gelangt nur ein Teil der Gelder an seinen Bestimmungsort. Über Jahrzehnte waren Spenden aus der Diaspora ein wichtiges Element beim Aufbau des israelischen Staates. Scheinbar - und dies haben israelische Politiker (z.B. Yossi Beilin) in den letzten Jahre immer wieder öffentlich und teilweise in arrogantem Ton kundgetan - ist Israel nicht mehr wie früher darauf angewiesen. Dies während in den jüdischen Gemeinden der Diaspora an allen Ecken und Enden Gelder für jüdische Erziehung, soziale Institutionen und den Wiederaufbau von Gemeinden fehlen. Der Keren Hajessod und andere Institutionen, die mit einem enormen Effort eine wichtige Arbeit verrichten, müssen sich überlegen, inwiefern das ausschliessliche Fokusieren auf Israel sinnvoll ist. Einerseits wird es unerlässlich, dass vermehrt regionale Projekte in der Diaspora unterstützt werden und das die Kontrolle über die Verwendung von Spendengelder mehr Beachtung erhält. Vielleicht sollte der KH Schweiz die von ihm gespendeten Projekte über den Moment offizieller Zeremonien hinaus verfolgen und beraten bzw. sicherstellen, dass der eigentliche Zweck einer Investition - im konkreten Fall von Mizpe Ramon wäre es die Erteilung von Schulstunden in der «Friedensschule Yitzchak Rabin» - erfüllt wird. Es kann ja nicht darum gehen, mit Spendengeldern, die heute längst nicht mehr so leicht fliessen wie früher, die Errichtung «weisser Elefanten» zu finanzieren, welche die Kulissen für bewegende Reden und Feiern abgeben, im Übrigen aber infolge Nichtgebrauchs allmählich im Wüstensand abbröckeln. Oder?





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