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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Viel Lärm - um nichts?

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

Es tut sich was in Zürichs jüdischem Gemeindeleben: Diskussionen, Vetos, Streitereien, Gerüchte, Austritte, Spekulationen und auf Anfrage grosses Schweigen. In der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) z.B. kündigen sich strube Zeiten an. Nachdem die ICZ den bisher einzigen SIG-Präsidentschaftskandidaten Alfred Donath mit einer Gegenkandidatur bekämpfen will - man munkelt, der Vorstand versucht Anwalt Herbert Winter für das Vorhaben zu gewinnen -, steht im Vorfeld der GV vom kommenden Montag die Debatte um die Renovation des Gemeindehaus (vgl. S. 3) und eine nicht allen genehme Vorstandskandidatur (vgl. S. 1). Kommt es an der GV in beiden Punkten nicht zu einem Konsens, so droht eine sehr emotionale Diskussion die in Rücktritte münden könnte. In der Israelitischen Religionsgesellschaft Zürich (IRG) gibt es Rücktrittsgerüchte rund um Rabbiner Levy. Dem Luzerner Rabbiner Mantel wurde kürzlich schriftlich mitgeteilt, dass sein Gehalt nur noch bis Ende Jahr gesichert sei, wodurch Spekulationen über Mantel als Nachfolger Levys neue Nahrung erhalten. Gleichzeitig wird in Zürich ein traditioneller Schulbazar abgesagt, dahinter steckt offenbar ein Rabbinatsbeschluss, wonach solcher Anlässe künftig nur noch geschlechtergetrennt durchgeführt werden dürfen. Somit gehen rund 80 000 Franken Einnahmen flöten. Zwei Tage vor dem erfolgreichen Agunot-Podium vom letzten Montag (vgl. INside S. 19) sorgt im Minjan Wollishofen ein Vorstandsentscheid für Furore (vgl. INside S. 22), der die dort eingeführte Liberaliserungen femininer Anliegen erweiterte. Ein Rücktritt aus dem Vorstand gab es schon. Der Präsident geht - wohl nicht in diesem Zusammenhang - im Februar, und bereits - zwei Jahre nachdem die Gründung einer neuen Gemeinde evaluiert wurde - wollen nun verschiedene Wollishofianer ein neues Minjan in einem Privathaus einführen. Dies wäre neben Brunau bereits das zweite Austrittsminjan in Wollishofen. Auseinandersetzungen sind gut, wichtig ist aber Sinn, Ziel und Zweck. Bei so viel Bewegung der Zürcher Gemüter - die Liste wäre noch erweiterbar - bleibt zu hoffen, dass die Verpolitisierung des Gemeindelebens mit Tendenz zu den Extremen nicht die Qualität des jüdischen Lebens Schaden nehmen lässt und Ideale zurückdrängt.





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