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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Vermittler hinter den Kulissen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Zusammen mit dem jordanischen König Hussein gehörte der am letzten Freitag verstorbene König Hassan II. von Marokko zu jenen Staatsmännern der arabischen Welt, die schon Jahrzehnte vor Beginn des Friedensprozesses die Notwendigkeit und Unausweichlichkeit der Aufnahme von Beziehungen zu Israel erkannt hatten.
Weitsichtig: Der verstorbene König Hassan II. mit Thronfolger. - Foto Reuters

Anfänglich stand die Alijah der marokkanischen Juden nach Israel im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen Rabat und Jerusalem. Das begann schon unter König Mohammed V., dem Vater des jetzt im Alter von 70 Jahren verstorbenen Monarchen. Als Hassan vor 38 Jahren den Thron bestieg, wurde diese bis dahin eher spontan und unorganisiert durchgeführte Tätigkeit ausgeweitet, und der marokkanische Innenminister General Ofkir übernahm die Funktion des Verbindungsmannes zwischen dem Königshof und den Israelis. In diese Zeit fiel auch, wie Yossi Melman am Sonntag unter Berufung auf ausländische Quellen in der Zeitung «Haaretz» schreibt, die Errichtung einer permanenten Station des Mossad-Geheimdienstes in Marokko. Dieses Abkommen war nicht einseitig, erhielten die marokkanischen Sicherheitskräfte von Israel doch nicht nur technische Unterstützung und Ausbildung, sondern auch Geheimdienstinformationen über subversive Aktivitäten General Nassers, dem damaligen ägyptischen Führer, und über die Opposition in Marokko selber.
Nachdem die Beziehungen infolge der Entsendung marokkanischer Soldaten nach Syrien während des Jom-Kippur-Krieges 1973 einen Dämpfer erfahren hatten, wurden sie wenige Jahre später wieder belebt, und Yitzchak Rabin reiste 1976 als erster israelischer Regierungschef nach Marokko zu einem Treffen mit König Hassan. Das vom Mossad vorbereitete Rendez-vous fand unter höchster Geheimhaltung statt, und erst viele Jahre später machte die Fotografie die Runde, die Rabin mit der Perücke auf dem Kopf zeigt, mit der er nach Marokko geflogen war. Diese Reise leitete den Frieden mit Ägypten ein, und als zwei Jahre danach Menachem Begin in Israel an die Macht gelangte, kam es dann bald zu einem Dreiertreffen zwischen König Hassan, dem israelischen Verteidigungsminister Moshe Dayan und dem ägyptischen Vize-Premier Hassan Tohami. Der Rest - Sadats Israel-Besuch und die Verträge von Camp David - ist Geschichte. Nach dem israelisch-ägyptischen Frieden entwikkelte König Hassan eine diesmal nicht mehr von Geheimhaltung umgebene Aktivität zur Annäherung zwischen Arabern und Israelis. Er gestattete die Rückkehr israelischer Bürger marokkanischen Ursprungs in ihre ehemalige Heimat und unterstützte auch die Entwicklung bilateraler Beziehungen auf Gebieten wie Handel, Tourismus und Landwirtschaft. Nach der Unterzeichnung des Washingtoner Abkommens zwischen Israel und der PLO im Jahre 1993 wurden in Rabat und Tel Aviv diplomatische Vertretungen eröffnet. Nach dem Wahlsieg Benjamin Netanyahus allerdings und den Stockungen, die der Friedensprozess erlitt, kühlten die bilateralen Beziehungen merklich ab. Der Machtwechsel in Israel im Anschluss an die Knessetwahlen vom 17. Mai 1999 war denn auch für König Hassan II. Anlass zu Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der Friedensbemühungen. Premierminister Ehud Barak wollte eigentlich dieser Tage Hassan II. eine Visite abstatten, verschob den Besuch aber wegen Arbeitsüberlastung in der Knesset. An der Beisetzungsfeierlichkeit des marokkanischen Monarchen am Sonntag nahm Barak im Rahmen einer von Präsident Ezer Weizman angeführten israelischen Delegation teil, der auch Aussenminister David Levy und Shimon Peres, Minister für reigonale Planung, angehörten.

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«Ein Freund des israelischen Volkes»

BRD / S.L. - Israels Premierminister Ehud Barak und Staatspräsident Ezer Weizman verfassten am Wochenende Kondolenzbotschaften an die Adresse Marokkos. «Volk und Regierung Israels sind schockiert angesichts des Todes des Königs», schrieb Barak, der hinzufügte, das Volk Israels neige sein Haupt in Erinnerung an ihn und teile den Schmerz des marokkanischen Volkes. «Eine grosse Persönlichkeit ist von uns gegangen», liest man weiter, «ein Mann der Weisheit und ein wahrer Freund und Partner auf Israels Weg zum Frieden mit der arabischen Welt. Sein ganzes Leben lang hat Hassan II seltenes diplomatisches Geschick bewiesen. Er war ein Pionier beim Aufbau wirtschaftlicher und diplomatischer Brücken zu Israel. Hassan II wurde ein Freund des israelischen Volkes und war den Juden Marokkos teuer.» Hassan II. habe als «Vater gegenüber der jüdischen Gemeinde» gehandelt, schreibt Präsident Weizman in seiner Botschaft, und sei ein «echter Partner» im Friedensprozess gewesen. «Sein Tod hat unsere ganze Nation in Trauer gestürzt.»
Viele prominente Israelis marokkanischen Ursprungs wollten sich am Sonntag der offiziellen Delegation anschliessen, die an Bord einer Sondermaschine der Luftwaffe nach Rabat zur Beisetzung Hassan II. flog. Als sich dies nicht verwirklichen liess, wurde beschlossen, in etwa zehn Tagen eine weitere offizielle israelische Kondolenz-Delegation nach Marokko zu entsenden. Dieser wird wahrscheinlich auch Knessetsprecher Avraham Burg angehören.





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