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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Verlagsmitteilung

October 9, 2008

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Schweiz braucht ein jüdisches Medienprodukt, das den spezifischen Informationsbedürfnissen der jüdischen Gemeinschaft nachkommt und die Brücke zum nichtjüdischen Publikum in und ausserhalb der Schweiz schlägt. Bisher haben die «Jüdische Rundschau» und das «Israelitische Wochenblatt» diese Aufgabe mit viel Einsatz und Freude geleistet. Doch der zahlenmässig enge Leserkreis und ein stagnierender Inseratemarkt stellten die Eigentümer seit Jahren vor die Frage, wie lange sie ihre publizistischen Aufgaben noch eigenständig erfüllen können. In den letzten Monaten, ganz besonders in den letzten Wochen, haben der zur Basler Mediengruppe gehörende Verlag Manfred Marx AG und die Jüdische Rundschau Medien AG sehr intensive Diskussionen über die Zukunft der jüdischen Presse in der Schweiz geführt. Sie sind zum Schluss gekommen, dass sich die Eigentümerschaft und der publizistische Auftritt ändern müssen, wenn sie den Bedürfnissen der an einer eigenständigen jüdischen Presse Interessierten gerecht werden wollen. Zu diesen Interessierten zählen ganz besonders Susanne Braginsky und ihr Mann René. Sie und die Basler Mediengruppe haben deshalb beschlossen, die «Jüdische Medien AG» zu gründen. Damit werden die unternehmerischen und publizistischen Kräfte gebündelt und konzentrieren sich ganz auf die publizistische Qualität der Medienprodukte «Tachles» und «Revue Juive», der Schwesterpublikation des Israelitischen Wochenblattes aus der Romandie. Erstmals erscheint «Tachles» am 6. April. Das hat zur Folge, dass das «Israelitische Wochenblatt» und die «Jüdische Rundschau» ab 30. März nicht weitergeführt werden.
Das Aktienkapital der Jüdischen Medien AG wird zu je 50 Prozent von der Basler Mediengruppe und dem Serenada-Verlag mit Verwaltungsratspräsidentin Susanne Braginsky gehalten. Den Eigentümern des Serenada-Verlags stehen zwei Drittel der Stimmrechte in der neu geschaffenen Jüdischen Medien AG zu. Der Verwaltungsrat setzt sich zusammen aus René und Susanne Braginsky, Matthias Hagemann (Verwaltungsratspräsident der Basler Mediengruppe), Peter Urs Naef (Vorsitzender der Geschäftsleitung der Jean-Frey AG), Esther Girsberger (Journalistin und Urenkelin des Mitbegründers des IW), Joseph Wormser (Geschäftsführer der Jüdischen Medien AG und bisher Geschäftsführer des Verlags Manfred Marx AG) und Björn Bajan (Rechtsanwalt). Das Verwaltungsratspräsidium übernimmt René Braginsky.
Wegfallende Medienkonkurrenz wird in vielen Fällen als Schwächung des publizistischen Inhalts empfunden. Doch im Falle des «IW» und der «Jüdischen Rundschau» verhält es sich etwas anders: Das neue Produkt vereint die ohnehin beschränkte Anzahl von Journalistinnen und Journalisten, die von ihrem Hintergrund her in der Lage und gewillt sind, sich mit qualitativ überzeugenden journalistischen Beiträgen im Besonderen auch religiösen, ethnischen und ethischen Fragen sowie der Minderheitenpolitik zu widmen. Die beiden Redaktionen werden deshalb zusammengelegt und organisieren sich neu. Der designierte Chefredaktor von «Tachles» ist Yves Kugelmann, der Leserschaft vor allem aus der «Jüdischen Rundschau» als deren Chefredaktor bestens bekannt. Jacques Ungar, Enkelsohn des JR-Mitbegründers Otto Abisch und Sohn des langjährigen Herausgebers Heinrich Ungar, gehört dem neuen Redaktionsteam als Leiter des Nahost-Büros an. Peter Bollag, Chefredaktor des «Israelitischen Wochenblatts», übernimmt eine neue Aufgabe. Er hat die jüdische Presselandschaft über 15 Jahre lang betreut und entscheidend mitgeprägt. Ihm sei für seinen grossen Einsatz herzlich gedankt.
«Tachles» wird in der deutschen Umgangssprache als Aufforderung gebraucht, Klartext zu reden. Das ist für das neue Unternehmen Verpflichtung und Herausforderung zugleich. «Tachles» ist redaktionell unabhängig gegenüber allen Seiten. Es erscheint jeweils am Freitag als Wochenmagazin und umfasst folgende Ressorts: «Schweiz», «Israel», «International», «Kultur», «Leben» und «Inside» mit einem erweiterten Serviceteil (Kalender, Familien- und Gemeindenachrichten). Die bewährtesten Rubriken des «IW» und der «JR» werden im neuen Magazin wieder erscheinen, wie die jüdische Welt auch in «Tachles» nicht neu erfunden werden soll und wird. Erstes Anliegen der Redaktion ist es, ihre bisherige Arbeit in einem neuen unternehmerischen Umfeld noch professioneller weiterzuführen. Das gilt auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verlags, die zum grössten Teil aus den beiden bisherigen Unternehmen stammen.
Es fällt schwer, traditionelle Produkte wie die sechzigjährige «JR» und das gerade eben sein hundertjähriges Bestehen feiernde «IW» aufzugeben. Wir sind uns denn auch bewusst, dass vielen Leserinnen und Lesern «ihr ‘IW’» oder «ihre ‘JR’» fehlen wird. Einfacher fällt uns diese Änderung, weil wir überzeugt sind, mit «Tachles» nicht nur eine qualitative Verbesserung zu erbringen, sondern damit auch längerfristig das Weiterbestehen eines unabhängigen, schweizerisch geprägten Medienprodukts zu sichern.
Wir möchten Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, für die bisherige Treue danken und freuen uns, Ihnen am 6. April bei «Tachles» wieder zu begegnen.

Dr. Eric Teitler
Verwaltungsratspräsident
Verlag Manfred Marx AG

Susanne Braginsky
Verwaltungsratspräsidentin
Serenada Verlag AG

Dr. Matthias Hagemann
Verwaltungsratspräsident
Basler Mediengruppe





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