Szenario von langer Hand vorbereitet
«Schon vor einigen Monaten», sagte Malcolm Hoenlein, Vize-Vorsitzender der Präsidentenkonferenz wichtiger amerikanisch-jüdischer Organisationen, «erklärte man uns, wie die Dinge sich abspielen würden. Die Juden würden keine Anwälte nach eigener Wahl haben, der Prozess würde sich hinter verschlossenen Türen abwickeln, und es werde Geständnisse geben. Wir erwarten bald ein viertes Geständnis und Erklärungen weiterer Angeklagter.» Hoenlein beruft sich auf Informationen, die er aus dem Gerichtssystem nahestehenden iranischen Geheimdienstkreisen erhalten haben will.
Nach den Verhandlungen vom Mittwoch letzter Woche sagte der 23-jährige Hebräischlehrer Shahrokh Paknahad nach der Ablage seines «Geständnisses» zu wartenden Reportern: «Der israelische Geheimdienst forderte uns auf, im Falle einer Verhaftung alles zu leugnen. Sie würden uns helfen, mit der Hilfe von internationalem Druck wieder auf freien Fuss zu gelangen. Das waren alles nur Lügen.» Paknahad, der von einem Gerichtsbeamten als der «Ideologe» des Spionagerings bezeichnet wurde, fuhr fort: «Für mich und die anderen kann ich sagen, dass wir unglücklich sind und bereuen.»
Entscheidendes Geständnis
Die zwei jüngsten Geständnisse folgten dem ersten, das Dani Tefileen einige Tage zuvor abgelegt hatte. Der tiefreligiöse Mann aus Shiraz, der als Anführer der Gruppe dargestellt wird, gab zu, 1994 in Israel gewesen zu sein. Trotz der offiziellen Dementis aus Jerusalem glaubt Hoenlein, Tefileens Israelreise spiele eine Schlüsselrolle im ganzen Prozess. «Es war entscheidend, ihn zu einem Geständnis zu bringen.» Tefileen ist noch nicht verurteilt worden, doch hat er laut iranischen TV-Berichten bereits um Gnade ersucht. Beobachter schliessen nicht aus, dass das Gericht versuchen wird, ihm weitere Vergehen anzuhängen, wie Drogenbesitz und Schmuggel. Möglicherweise wurde ihm Gnade für den Fall versprochen, dass er in Bezug auf die Spionage geständig ist. Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass Dani mit seinem Verhalten die Freilassung gegen Kaution seines Bruders Omid erkauft hat.
Für Hoenlein besteht trotz der ersten drei Geständnisse kein Zweifel an der Unschuld der ganzen Gruppe. «Man stelle sich vor: Diese Leute sitzen über ein Jahr im Gefängnis, ohne dass etwas über die Bedingungen bekannt geworden wäre. Wie kann man jemanden in einer solchen Situation beurteilen?» Unklar ist für Hoenlein und seine Leute, ob mit den bisherigen «Geständnissen» die anderen freikommen oder ob auch sie abgeurteilt werden. Auf Spionage stehen Strafen von sechs Monaten Gefängnis bis zur Todesstrafe. Vor drei Jahren wurden in Teheran zwei Juden unter der Anschuldigung der Spionage für Israel hingerichtet.
«Anschuldigungen sind grausame Lügen»
Wie in allen iranischen Gerichtsfällen fungiert der Richter auch hier als Untersuchungsrichter, Staatsanwalt und Geschworener - für Beobachter das beste Rezept für einen Missbrauch des Rechtswesens. - «Die Anschuldigungen sind grausame Lügen», sagt Rabbi Michael Melchior, Israels Minister für Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft in der Diaspora. Er warnt Teheran davor, dass der jüdische Staat die Verfolgung von Juden anderswo nicht tolerieren würde. «Wir haben uns schon zuvor für Juden in Iran und anderen Ländern eingesetzt», meinte Melchior, und Israel werde nicht akzeptieren, dass Juden wieder zu Opfern würden, «nur weil sie Juden sind».
Anwälte der Angeklagten versichern, Geständnisse würden nicht ausreichen für eine Verurteilung. Vielmehr müsste der Staat laut iranischem Gesetz zusätzlich Beweise erbringen. «Möglicherweise», sagte Shirzad Rahmani, einer der Strafverteidiger, «hat es Geständnisse gegeben, vielleicht gab es die Absicht zu spionieren, einige Israelreisen und auch Bezahlung. Solange es aber keinen Informationsaustausch zum Nachteil Irans und zum Vorteil Israels gegeben hat, kann der Vorwurf der Spionage nicht erhoben werden».
JTA
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Die Liste der 13 im Gefängnis:
Hamid, Daniel Tefileen, 29, Shiraz.
Faramarz Kashi, 35, Shiraz.
Farzad Kashi, 31, Shiraz. (Bruder von Faramarz)
Nasser Levi Haim, 46, Shiraz.
Javeed Beit Yakov, 41, Shiraz.
Asher Zadmehr, 49, Shiraz.
Farhad Saleh, 31, Shiraz.
Ramin Nemati, 23, Shiraz.
Ramin Farzam, 36, Shiraz.
Shahrokh Paknahad, 23, Isfahan.
Gegen Kaution auf freiem Fuss:
Navid Bala Zadeh, 17, Isfahan.
Nejat Broukhim, 36, Isfahan.
Omid Tefileen, 26, Shiraz. (Bruder von Hamid Tefileen)


