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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Sundance-Preis für «The Believer»

von Tom Tugend, October 9, 2008
«The Believer», ein Film über einen Juden, der zum Anführer einer antisemitischen Bande wird, hat am Sundance-Filmfestival in Los Angeles den höchsten Preis für ein Drama erhalten. So unglaublich es tönen mag: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte.
«The Beliver»: Filmszene einer unglaublichen Geschichte mit wahrem Hintergrund. - Foto JTA

Im Mittelpunkt des am Sundance-Festival mit dem Drama-Preis ausgezeichneten Films «The Believer» steht ein jüdischer Schüler und Barmizwa-Junge, der zum Anführer einer neo-nazistischen Bande wird. Und so unglaublich es tönen mag: Der Film, dessen ursprünglicher Titel «The Jewish Nazi» gelautet hatte, basiert auf einer wahren Geschichte. In den 60er Jahren hatte ein Reporter der «New York Times» den bei einer Kundgebung des Ku Klux Klan verhafteten Neo-Nazi Daniel Burros interviewt, nachdem ihm ein Gerücht zu Ohren gekommen war, der Mann sei effektiv jüdisch. Als der Journalist Burros’ ethnische Identität enthüllte, erschoss dieser sich. Der Autor und Regisseur Henry Bean, der 1998 die Erfolgsstory «Feind des Staates» (Enemy of The State) geschrieben hatte, war von Burros’ Schizophrenie fasziniert und schuf den Charakter des Danny Balint. Im Film wird der heranwachsende Danny in Rückblenden als begabter Schüler einer jüdischen Schule dargestellt, der seine Lehrer in Fragen zur Bibelkunde provoziert und schliesslich von der Schule gewiesen wird. Von da an weist Danny seine Abstammung und Kindheit zurück und wird zum charismatischen und furchtlosen Führer einer Skinhead-Bande. Doch er passt nicht in die Schablone des durchschnittlichen Selbsthassers. Er macht zwar mit beim Überfall auf eine Synagoge, doch schützt er die Thorarollen vor dem Zugriff seiner brutalen Freunde. Er fährt sogar fort, Hebräisch zu lernen und die Bibel zu studieren - um «den Feind» besser kennen zu lernen, wie er seiner Freundin sagt. Gleichzeitig übertrifft er als Bandenführer mit seinem antisemitischen Verhalten seine Mitläufer hin und wieder. Gegenüber einem Reporter greift er Karl Marx, Siegmund Freud und Albert Einstein an, die den Kommunismus, die infantile Sexualität und die Atombombe über die Menschheit gebracht hätten.
Henry Bean selber wuchs in einem extrem reform-orientierten Heim in Philadelphia auf, machte eine Art Barmizwa mit, lehnte schliesslich die Synagoge aber ab. Dank des Einflusses seiner Frau, einer Drehbuchautorin und Tochter eines Rabbiners, gehört Bean heute einer konservativen Synagoge an und führt einen koscheren Haushalt. In der Filmgestalt des Danny Balint fand Bean einige, ins Extreme interpretierte Elemente seiner eigenen Konflikte als Teenager. «Der Gedanke», sagte er, «dass man versuchen könne, zwei Dinge zur gleichen Zeit zu sein, ein lebender Widerspruch, etwas und sein Gegenteil - das war ein magischer Aspekt in meinem Leben, auch wenn der Versuch katastrophal misslingen musste. Ich hatte die Vorstellung für einige tiefe, in meinem Innersten verborgenen Gedanken gefunden, die ich bis dahin nie auszudrücken imstande war.» Auf der Suche nach einer Besetzung für «The Believer» stellte Bean fest, dass das zentrale Thema des Filmes für manche zu aufrührerisch oder abstossend war. Seine erste Wahl für die Titelrolle lehnte ab, und ein Drehbuch-Überwacher und ein anderes Mitglied des Teams zogen sich von der Produktion zurück. Schliesslich sah Herny Bean sich auch veranlasst, den Titel des Streifens zu ändern, da er Schwierigkeiten vorhersah, für die Produktion eines Filmes mit dem Namen «The Jewish Nazi» die nötigen Lokalitäten mieten zu können.

JTA





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