Soll Hebron judenrein werden?
Yitzhak Mayer, der israelische Botschafter in Bern
«Israel hat in Camp David vorgeschlagen, im Rahmen einer definitiven Lösung Hebron von Siedlern zu reinigen.» Mit dieser, in einem Interview mit der palästinensischen Zeitung «Al-Hayat al Jadida» gemachten Äusserung hat Saeb Erekat, der Chef-Unterhändler der Palästinenser, die jüdischen Siedler in der Patriarchenstadt auf die Barrikaden gebracht. Noam Arnon, Vorsitzender der rund 400 jüdischen Einwohner Hebrons, verbreitete am Mittwoch über Radio Israel die folgende Botschaft an die «leider immer noch existierende» Regierung Barak: «Wir werden einer Räumung der Stadt der Väter um keinen Preis zustimmen und einen kompromisslosen Kampf liefern. Wir werden in Hebron bleiben, die Regierung wird fallen.» Auf die Frage, ob die heute von einem starken Aufgebot an IDF-Soldaten bewachten Siedler Hebrons auch zu den Waffen greifen werden (die sie besitzen), wollte Arnon nicht eingehen. Uri Ariel vom Siedlerrat der Westbank und des Gazastreifens meinte, Ehud Barak verstehe nicht, dass er weder vomVolk noch von der Knesset ein Mandat habe. «Mindestens die Hälfte der Israelis stehen hinter Hebron», erklärte Ariel. In einer neuen Informationskampagne, die derzeit in Vorbereitung ist, will der Siedlerrat Israels Linke, und insbesondere Ehud Barak, vorwerfen, die «Lehren aus dem Rabin-Mord nicht gezogen zu haben». Barak wird in der Kampagne zudem als der Mann dargestell, der Erez Israel verkauft und sich als Diktator aufspielt.
Bereits letzte Woche hatte Erekat anlässlich einer Zeremonie zur Verlängerung des Mandates der internationalen Beobachter in Hebron um weitere sechs Monate auf angebliche Offerten Israels in bezug auf Hebron angespielt. In Gegenwart israelischer Gäste sagte Erekat zu Hebrons Bürgermeister Mustafa Natshe: «Bald wirst du Bürgermeister des vereinten arabischen Hebrons sein.» Im erwähnten Interview enthüllte der palästinensische Chef-Unterhändler auch, dass Israel in Camp David die schrittweise Aufhebung jüdischer Siedlungen im Herzen der Westbank und die Schaffung grosser Siedlungsblöcke auf 12% des Territoriums vorgeschlagen hat. Die restlichen 88% sollen an die Palästinenser übergehen.
Das Büro von Premierminister Ehud Barak dementierte am Mittwoch Erekats Äusserungen. In Camp David sei nichts vorgeschlagen und nichts beschlossen worden. Man habe einzig israelische, palästinensische und amerikanische Ideen diskutiert, doch sei kein Abkommen erzielt worden. Erekats Worte seien «nichts anderes als Spekulationen». Ungeachtet dieser Verlautbarung muss damit gerechnet werden, dass das Interview Saeb Erekats und die Reaktionen der Siedler die an sich schon hohe Spannung in Hebron weiter steigen lassen werden.
Barak ernennt
jerusalem / j.u. Einen Tag nachdem Premierminister Barak den Generaldirektor des Aussenministeriums und eine Reihe von Botschaftern und Konsuln entlassen hatte (Vgl. Artikel auf S. 3), wurden die ersten Neuernennungen bekannt. Eitan Bentsur, der gefeuerte Generaldirektor, soll Botschafter in Paris werden, ex-Knessetsprecher Prof. Shevach Weiss wird nach Polen geschickt, der ehemalige Abgeordnete Emanuel Zisman (der 3. Weg) nach Bulgarien, und Zvi Stauber, heute politischer Berater Baraks, nach London. Zudem spricht man davon, dass Arieh Shumer, heute Leiter des Präsidentenbüros, Botschafter in Südkorea werden soll.
Botschafter Mayer muss gehen
zürich / gb. Yitzhak Mayer, der israelische Botschafter in Bern, muss im September die Koffer packen und nach Hause fliegen. Als der israelische Aussenminister David Levy vor einer Woche demissionierte, war es absehbar, aber nicht so rasch erwartet: Der nunmehr amtierende Aussenminister, Ministerpräsident Ehud Barak, suchte am Montag erstmals das Aussenministerium in Jerusalem auf und feuerte alle, die ihm nicht genehm waren. Vor allem liess er die elf politisch – meist noch unter Benjamin Netanjahu - ernannten Botschafter abberufen, u.a. jene in Bern, London, Paris und Pretoria. Das prominenteste Opfer ist Elijahu Ben-Elissar in Paris, ein altgedienter Diplomat und strammes Likud-Mitglied. Alle Botschafter dürfen bleiben, bis ihr Vertrag ausläuft. Mayers Pech: Seine Amtsdauer geht im September nach drei Jahren regulär zu Ende. Ausserdem verliess seine Partei, die nationalreligiöse Mavdal, vor sechs Wochen die Regierungskoalition und wird wohl so schnell nicht zurückkehren, es sei denn, es gebe Neuwahlen. Dennoch kommt Mayers Abberufung als Überraschung, war er doch vor einiger Zeit ersucht worden, ein viertes Jahr in Bern zu bleiben. Dem Vernehmen nach dürfte er einige Wochen länger, als auf dem Papier steht, ausharren, um seinen Schreibtisch zu räumen. Das schweizerische Aussenministerium ist von Jerusalem direkt informiert worden. Für einen israelischen Botschafter an einem sonst so ruhigen, angenehmen, unspektakulären und eigentlich unwichtigen Aussenposten wie Bern erlebte Yitzhak Mayer die ungewöhnlich turbulente Zeit der Holocaust-Debatte, in die er sich mit Verve, wenn auch ohne offizielles Mandat, einmischte. Seine Beziehung zur Schweiz bezeichnete er stets als eine ganz besondere - seine Mutter war während des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz geflüchtet und hatte hier mit ihren beiden kleinen Söhnen eine Zuflucht gefunden, eine Tatsache, die er oft als besänftigendes Element in die Debatte warf. In Mayers Amszeit fiel auch der erste Besuch eines schweizerischen Aussenministers (Flavio Cotti) in Israel, der 1998 trotz der die Schweiz verärgernden Mossad-Affäre stattfand.


