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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

SIG-Präsident bei der WHO

von Gisela Blau, October 9, 2008
Alfred Donath, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) ist ein ausgewiesener Experte in Nuklearmedizin. Das verschaffte ihm eine Anstellung bei der Weltgesundheits-Organisation der Uno (WHO) in Genf, zunächst für sechs Monate.

«Als Ende 1999 bei den ausländischen Truppenkontingenten in Kosovo eine Panik ausbrach, schrieb ich für die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (Deza), für die ich ohnehin tätig bin, einen Bericht über die Literatur und den Wissensstand zur abgereicherten Uran-Munition», berichtet Donath die Vorgeschichte. Das Aussenministerium (EDA), zu dem die Deza gehört, war so zufrieden, dass es ihn vom 29. bis 31. Januar 2001 als seinen Vertreter an eine interne WHO-Konferenz in Genf über abgereichertes Uran delegierte. Bereits am zweiten Tag der Konferenz wurde bei der WHO der Wunsch laut, man würde ihn gerne als Arzt engagieren, der etwas von der Materie versteht. So wurde der SIG-Präsident angefragt, ob er sechs Monate lang für die WHO arbeiten würde, und zwar zu 100 Prozent.
«Ganz kurz gab es für mich die Option, ob ich beim SIG eine Auszeit verlangen und eine Zwischenlösung suchen sollte. Aber dann besprach ich mich mit der Geschäftsleitung, und es wurde entschieden, ich solle mit der WHO einen Vertrag über 50 Prozent Arbeitszeit abschliessen.» So geschah es. Am 8. Februar an der ordentlichen Sitzung des Zentralkomitees wurden die CC-Mitglieder orientiert, und seit dem 12. Februar arbeitet Professor Donath an der Genfer avenue Appia. Seine Gehaltszahlungen werden durch die Deza übernommen, als - durchaus übliches - Geschenk an die WHO.
Von der Arbeit ist der emeritierte Medizinprofessor restlos begeistert. «In einem derart internationalen Milieu herrscht Hochbetrieb», sagt er. Diese Woche war ausgefüllt mit der Schlussredaktions eines Berichts, der in zwei Wochen publiziert werden soll. «Für den medizinischen Teil dieser Monographie über abgereichertes Uranium musste ich auch mit dem Oberfeldarzt sprechen», berichtet Donath, denn insgesamt geht es auch um 2000 Schweizer, 1000 Soldaten und 1000 Zivilisten. Bereits jetzt, so lässt sich absehen, darf erwartet werden, dass die internationalen Untersuchungen keinen Zusammenhang mit Radioaktivität aufdecken.
Mit der Arbeit für den SIG wurde diese intensive Arbeit des Präsidenten so gut es ging koordiniert. Er war eben nicht an allen Treffen mit Redaktionen der betroffenen Medien dabei, deren jüngste Berichterstattung über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern Gegenstand einer Untersuchung waren (die JR berichtete). Generalsekretär Martin Rosenfeld und die Geschäftsleitungsmitglieder Thomas Lyssy und meist auch Josef Bollag waren ohnehin anwesend, mit oder ohne ihren Präsidenten.
SIG-Delegiertentagung am Auffahrtstag hin oder her: Die SIG-Spitze bleibt noch weitere fünf Monate abgereichert. Es sei denn, in irgend einem Krisengebiet finde sich erneut abgereicherte Uran-Munition. Dann könnte die Abreicherung des SIG vielleicht auch länger dauern.





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