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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Schönbergs Wiener Kreis

von Walter Labhart, October 9, 2008
Nachdem der Nachlass des in Wien geborenen, im Exil in Los Angeles verstorbenen Komponisten, Dirigenten, Musikpädagogen, Malers und Schriftstellers Arnold Schönberg (1874-1951) im Frühjahr 1998 von Kalifornien an den Geburtsort überführt worden war, nahm das Schönberg-Center als Privatstiftung seine Vermittlertätigkeit mit Konzerten, Vorträgen und Ausstellungen auf.
Arnold Schönberg. - Foto Keystone

Wie wichtig die Unterrichtstätigkeit in Schönbergs Leben schon vor der Leitung einer Meisterklasse für Kompositionen in Berlin (1925) war, bringt noch bis zum 7. Januar im Palais Fanto eine Sonderausstellung zum Ausdruck. Sie vermittelt unter dem Titel «Arnold Schönbergs Wiener Kreis» anhand von Musikhandschriften, Briefen, Fotos und Ölbildern (des Multitalents) einen spannenden Einblick in das Schaffen der bekanntesten Kompositionsschüler bis zum Jahr 1925. Ausser Alban Berg und Anton Webern waren es vor allem jüdische Musiker, welche in Wien und Mödling von den Stunden in Harmonielehre und Komposition profitierten, die der Begründer der bahnbrecherischen Zwölftonmusik vorwiegend privat erteilte; Hanns Eisler und Egon Wellesz, Józef Koffler und Rudolf Serkin, Max Deutsch und Viktor Ullmann, Rudolf Kolisch und Eduard Steuermann und zahlreiche weitere (heute kaum mehr bekannte Persönlichkeiten). Von den insgesamt rund 120 Schönberg-Schülern aus der Wiener Zeit stellt die mehrere Tischvitrinen mit Handschriften einbeziehende Sonderausstellung eine kleine, jedoch sehr gehaltvolle Auswahl mit kompositorischen Arbeiten vor, unter denen es auch solche von Komponistinnen wie Olga Novakovic zu entdecken gibt. Schönbergs Beziehung zu Gustav Mahler spricht aus einem (für den «Merker» geschriebenen Nekrolog, diejenige zum eigenen Kompositionslehrer und Schwager Alexander Zemlinksky aus einem bislang selten gezeigten Porträt, das ein sehr vorteilhaftes Licht auf den dem Expressionismus nahestehenden, mit Kandinsky befreundeten Malers Schönberg wirft. Das technisch auf den modernsten Stand gebrachte Forschungszentrum macht überdies mit der Stimme des Komponisten bekannt, dessen Bekenntniss zu Gershwin ebenso beeindruckt wie die anschaulichen Einführungen in eigene Werke. In direktem Zusammenhang mit den vielen Wiener Schülern steht der in Wien gegründete, später auch nach Prag ausgedehnte «Verein für musikalische Privataufführungen» in welchem u. a. Maurice Ravel als Pianist auftrat. Entsprechende Dokumente zeugen zusammen mit der Rekonstruktion von Schönbergs Arbeitszimmer in Los Angeles, mit einem Teil seiner Wiener Bibliothek von 1913 und mit Skizzen zum vor100 Jahren entstandenen Streichsextett «Verklärte Nacht» (nach Richard Dehmel) von der schier unerschöpflichen Vielfalt des mustergültig erschlossenen Nachlasses. Seine nächste grössere Ausstellung widmet das Schönberg-Center im Frühling den Beziehungen des vor 125 Jahren zur Welt gekommenen Musikers und Malers zu Wassily Kandinsky.


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