Schlechte Presse
Die Amerikaner und Europäer blasen ins gleiche Horn und kritisieren, zusammen mit israelischen Menschenrechtsorganisationen, die Umzingelung palästinensischer Städte durch IDF-Soldaten. Zu Recht, denn die Fotografien verzweifelter Eltern, die ihr krankes Baby zum Arzt in eine andere Stadt bringen wollen, dies aber erst nach stundenlangem Warten an der Strassensperre tun können, sind schlimme Fotografien. Auch erhöht es die Sympathie für Israel in der Welt nicht, wenn die TV-Stationen immer und immer wieder Bilder zeigen von Palästinensern, die ihre Pakete und Koffer zu Fuss über Erdwälle und Gräben hinweg schleppen müssen, weil Taxis, Busse und Privatfahrzeuge die von den Israelis geschaffenen Hindernisse nicht bewältigen können.
Soweit so gut, bzw. so schlecht
Sind die Israelis wahnsinnig geworden? Haben sie vergessen, zu welchen minimalen Gesten dem besetzten Volk gegenüber internationale Gesetze eine Besatzungsmacht verpflichtet? Wohl kaum, doch um die Beantwortung dieser Frage kümmern die Schlagzeilen-Journalisten und die den Scoops nachjagenden Kameramänner sich schon viel weniger. Israels Kulturminister Matan Vilnai fand am Mittwoch die passenden Worte: Die palästinensische Zivilbevölkerung leide unter den israelischen Massnahmen, weil die palästinensische Führung sie dazu verknurrt habe. Typisch israelische Übertreibung? Mitnichten. Langsam aber sicher kommen nämlich immer mehr Menschen zum Schluss, dass die derzeitige Intifada weniger der Ausdruck eines spontanen, emotionalen Protestes eines unterdrückten Volkes ist, als vielmehr das Resultat kühler Überlegungen und Entscheidungen der palästinensischen Führung, die, aus welchen Gründen auch immer, beschloss, israelische Offerten im Blut der eigenen Leute zu ertränken. Was folgte, ist bekannt. Die Spur des von Arafat stillschweigend gebilligten und von seinen Leuten tatkräftig unterstützten Terrors lässt sich von Jerusalem, über Asur und Netanya bis hinab nach Neve Dekalim sehr leicht verfolgen, und ein Ende ist nicht abzusehen.
Wer Ortschaften in besetztem Gebiet umzingelt, der bekommt eine schlechte Presse. Wenn Israel dank dieser Massnahme aber auch nur einen einzigen Terroristen festnehmen und auch nur einen einzigen Anschlag verhindern kann, dann muss man verstehen, wenn es sich einen feuchten Dreck um die schlechte Presse kümmert.


