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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Ronald Lauder zeigt sich grosszügig

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Ein aussergewöhnliches Geschenk erhielten zum diesjährigen Chanukkafest bedrohte historische Synagogen in sieben Ländern: Zuwendungen von total 250 000 Dollars zum Zweck ihrer Erhaltung bzw. Rettung. Bedacht wurden Synagogen in Jugoslawien, Weissrussland, der Tschechischen Republik,Ungarn, Polen und der Ukraine sowie eine archäologische Stätte in Surinam mit den Überresten der ältesten Synagoge von architektonischer Bedeutung in der Neuen Welt.
Hilfe für die jüdischen Gemeinden Osteuropas: Ronald Lauder (l.) mit Moskaus Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt. - Foto Keystone

Kurz vor Beginn des Chanukkafestes gaben der World Monuments Fund und die Ronald S. Lauder Stiftung ihre Absicht bekannt, bedrohten historischen Synagogen durch Geldzuwendungen helfen zu wollen. Die Lauder-Stiftung verpflichtete sich, in den nächsten 5 Jahren total eine halbe Million Dollar zur Rettung von Stätten zu spenden, die für das jüdische Erbe von Bedeutung sind. Die Zuwendungen stellen einen Meilenstein im Versuch dar, bedrohte Synagogen zu bewahren und zu beschützen, auch an Orten, an denen es heute keine Juden mehr gibt. Mit den Zuwendungen hat das entsprechende Programm des World Monuments Fund seine Tätigkeit aufgenommen, die in der Bewahrung und Rettung von jüdischen Stätten von kulturellem Wert in aller Welt besteht. «Unsere verbleibenden Synagogen und andere Stätten von jüdischem Wert», sagte Ronald Lauder, «einst vibrierende Zentren des jüdischen Gemeindelebens, erhalten somit endlich die Aufmerksamkeit und den Respekt, den sie verdienen.» Lauders Stiftung unterstützt auch jüdische Bildungsaktivitäten in mehr als einem Dutzend Länder. «Wir dürfen nicht zulassen», fuhr Lauder fort, «dass diese wertvollen Verbindungen zur jüdischen Vergangenheit von der Bildfläche und aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden, ohne dass wir alles in unserer Macht stehende getan hätten, um zu ihrer Restaurierung beizutragen.»
Zu den Synagogen, die von den Stiftungen profitieren, ist jene im jugoslawischen Subotica, die für Sofortmassnahmen 65 000 Dollar erhielt. Das im Jahre 1902 gebaute Haus weist eine zentrale Kuppel auf, und im Innern zieren die Wände Fresken, die von bäuerlichen ungarischen Stickereien beeinflusst sind. Das seit Jahren leerstehende Gebäude gehört heute der Stadt. Während einer gewissen Zeit diente es als Theater, was dem Inneren grossen Schaden zufügte. In einem benachbarten Haus sind die Räumlichkeiten der 200 Seelen starken jüdischen Gemeinde von Subotica untergebracht, u.a. ein Gebetsaal und eine Holocaust-Gedenkstätte.
Zu den anderen Synagogen, die finanziell unterstützt wurden, zählen: Die 1642 im Barockstil errichtete Choral-Synagoge in Weissrussland, die aus dem 17. Jahrhundert stammende Synagoge im tschechischen Boskovice, der Synagogen-Komplex in Mad, im Nordosten Ungarns, der 1795 entstand und eines der ältesten Gotteshäuser des Landes ist. Zum Gebäudekomplex gehört ein Rabbinerhaus und eine Jeschiwa. Dann die Synagoge im polnischen Pinczow, errichtet um das Jahr 1600. Sie ist eine der ersten Synagogen mit einem Abteil für Frauen, und ihre Wandmalereien zählen zu den ältesten, die man kennt. Schliesslich wurde auch die archäologische Stätte bei Jodensavanne in Surinam berücksichtigt, welche die Überreste der ersten Synagoge von architektonischer Bedeutuntg in der Neuen Welt beherbergen. Das Gotteshaus war ursprünglich um das Jahr 1700 herum von holländisch-portugiesischen Juden errichtet worden.

JTA





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