Raufhändel in Wiener Synagoge
Im Gespräch mit der Rundschau bekräftigte Friedman das Bedrohungsszenario. Der Vorfall habe sich ereignet, als er letzten Freitag, wie jeden anderen Tag auch, um 7.00 Uhr morgens zum Gebet in die Synagoge gekommen und daraufhin zum Verlassen des Gotteshauses aufgefordert worden wäre. «Es war eine Lynchsituation», so Friedman, «Ich wurde zusammengeschlagen, ganz in Gestapo-Manier - und das beim Beten, während der Rabbiner der Synagoge, David Grünfeld, lächelnd zusah.» Friedman spricht von «Tätern», die er bereitwillig beim Namen nennt. Seit Jom Kippur bereits würde er massive Morddrohungen erhalten. In einigen Bethäusern seien sogar Steckbriefe mit entsprechenden Mordaufrufen angebracht. Die Gründe für diese Angriffe sieht er in seinen Aktivitäten zur Gründung einer zweiten Kultusgemeinde und seinem Eintreten für die jüdischen Flüchtlinge aus dem Iran. Einer der von Moishe-Ayre Friedman namhaft gemachten Beteiligten, Bernat «Berl» Ainhorn von der koscheren Fleischerei, macht aus seiner Abneigung gegen Friedman kein Hehl. Friedman hätte begonnen herumzuschreien und wollte auch nach Aufforderung das Gebäude nicht verlassen. Friedman sei Ainhorns Aussagen zufolge ein Randalierer und Querulant, der bereits mit Hausverbot belegt worden wäre. Auf keinen Fall hätte es bei dem Eklat vom Freitag eine Schlägerei gegeben, Friedman wäre lediglich «hinausgeschoben» worden. Und verletzt sei Friedman nicht gewesen. Auch der von Friedman der Kolaboration beschuldigte Rabbiner Grünfeld bekräftigte gegenüber der Rundschau, Friedman wäre «niemals bedroht worden».
Konflikt um die Gründung einer zweiten Kultusgemeinde
Rabbiner Moishe-Ayre Friedman, dessen Rabbinatsdiplom seitens der Israelitischen Kultusgemeinde Wien angezweifelt wird, ist vor einigen Jahren von Antwerpen nach Wien gezogen und hat die Tochter einer Wiener Familie geheiratet. Letzten Sommer hatte er auf die schlechte Lebenssituation der jüdischen Flüchtlinge aus dem Iran in Wien hingewiesen und sich den Unmut aller Beteiligten zugezogen. Am 16. Oktober hat Friedman beim Kultusamt im Bundesministerium für Unterricht, Wissenschaft und kulturelle Angelegenheiten die Zulassung einer zweiten Kultusgemeinde, einer «Orthodoxen Jüdischen Kultusgemeinde Wien» beantragt (auch die bestehende Einheitsgemeinde versteht sich als «orthodox»). Das Verfahren, so der zuständige Ministerialrat Werner Jisa gegenüber der Rundschau, sei «anhängig» und es werde überprüft, ob die gesetzlichen Erfordernisse für die Zulassung vorlägen. Die gesetzlichen Grundlagen für das Anerkennungsverfahren stammen aus 1890 («Israelitengesetz») und 1984 (Novellierung). Danach sei die Zulassung einer zweiten offiziellen jüdischen Gemeinde prinzipiell möglich, wenn die neue Gemeinde einen anderen Ritus pflegt, allerdings muss die neue Religionsgemeinschaft nachweisen, dass sie ihren Mitgliedern die Ausübung ihrer Religion ermöglichen und entsprechende Einrichtungen bereitstellen kann. Auch eine gewisse Mindestanzahl von Mitgliedern ist erforderlich. Friedman bestätigte im Telefongespräch mit der Rundschau rege Kontakte mit FPÖ-Funktionären. Es wäre die FPÖ, die abseits der Öffentlichkeit das Schicksal von jüdischen Flüchtlingen zu lindern helfen würde und ihn in seiner Arbeit unterstütze, während er innerhalb der IKG mit Korruption und Misswirtschaft konfrontiert sei. Mit dem bekanntesten FPÖ-Funktionär und ehemaligen Parteiführer Jörg Haider habe er aber nichts zu tun. Allerdings sei er massgeblich am Protest in der New York Times gegen die Einmischung in die österreichische Politik im Zuge der Regierungsbildung FPÖ-ÖVP im Frühjahr beteiligt gewesen. Seitens der IKG bezichtigte Amtsdirektor Avshalom Hodik Friedman gegenüber der APA des Betrugs und der Religionsstörung. Der Nachweis über seine Ausbildung zum Rabbiner sei nicht erbracht, und Friedman habe sich zudem «widerrechtlich» ein Bethaus angeeignet.


