Querverbindung zur Nimrodi-Affäre
Jerusalem / GZS. Israels Präsident Weizman sieht sich mit neuen Einzelheiten über die fragwürdige Annahme von Geldgeschenken konfrontiert, und obwohl Knessetabgeordnete vor der Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens zurückschrecken, wird es dem trotz allem immer noch sehr populären Präsidenten immer schwerer fallen, sich den Rufen nach einem freiwilligen Rücktritt zu entziehen. Die neuen Aufdeckungen besagen, dass Weizman auch noch zu einer Zeit, da er schon als Staatschef fungierte, Gelder aus dem Konto bezog, in das ein französischer Millionär fast eine halbe Million Dollar einbezahlt hatte, und auch seine Familie Kreditkartenbezüge aus diesem Konto begleichen liess. Trotzdem hält der Präsident zurzeit an seinem Amt fest. Laut eigenen Angaben ist er sich keiner strafbaren Handlung bewusst, und auch die Improprietät der Annahme von Geldgeschenken stellt für ihn offenbar kein Problem dar. Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen die Übergabe aller relevanten Dokumente verlangt, und das Präsidentenamt wollte dieser Aufforderung noch am Dienstag nachkommen. Nach genauem Studium der Akten wird die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob eine formelle Untersuchung eingeleitet werden soll. Bis zu diesem Zeitpunkt will sich der Präsident nicht weiter äussern. Der Journalist Yoav Yitzhak, der die Angelegenheit mit seinen Enthüllungen ins Rollen gebracht hatte, teilte mit, Weizman habe vor einigen Tagen einen Rücktritt «aus Gesundheitsgründen» erwogen, diesen Schritt aber nicht vollzogen, damit sein Abgang nicht als Eingeständnis einer Schuld ausgelegt werden könne. Nun wolle Weizman am kommenden Unabhängigkeitstag, wenn die Affäre - so hofft er - in Vergessenheit geraten ist, aus seinem Amt ausscheiden.
Die politischen Parteien sehen sich schon nach geeigneten Nachfolgern um. Von der Arbeitspartei soll - angeblich gegen den Willen von Ministerpräsident Barak - der ehemalige Ministerpräsident Peres portiert werden, der Likud will den farblosen ehemaligen Minister Moshe Katasav aufs Schild erheben.
Unterdessen wird von den Medien eine Querverbindung zu der anderen Affäre geschlagen, die Israel zurzeit beschäftigt. Vor einer Woche enthüllte die Tageszeitung Haaretz, dass Ofer Nimrodi, der Zeitungsherausgeber, der wegen Mordverdachts und weiterer Vergehen in Untersuchungshaft sitzt, im vergangenen August in Begleitung seines Vaters, eines alten Bekannten des Präsidenten, bei Weizman vorgesprochen habe. Zweck des Treffens sei gewesen, beim Präsidenten eine Begnadigung für den Sohn zu erwirken, der damals wegen Anzapfen von Telefonleitungen noch eine mehrmonatige bedingte Gefängnisstrafe zu gewärtigen hatte. Weizman habe das Ansinnen entrüstet abgewiesen, und die drei Männer seien im Unguten auseinander gegangen. Vom Generalinspektor der Polizei kommt eine etwas andere Version. Als er hörte, dass Weizman ein Gesuch zur Begnadigung vorbereite, habe er um ein eiliges Treffen mit dem Präsidenten gebeten. Bei diesem Treffen habe er ihm eröffnet, dass eine verdeckte Untersuchung gegen Nimrodi im Gange sei, die noch weit schlimmere Verbrechen als das Anzapfen von Telefonleitungen betreffe. Daraufhin habe Weizman seine Empfehlung zur Begnadigung Nimrodis zurückgezogen.
Laut Bekannten soll Ofer Nimrodi nach dem ergebnislosen Treffen mit Weizman gesagt haben, dass er den Präsidenten «erledigen» werde. Weizman bestätigte das Treffen mit Nimrodi Senior - ob der damals erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassene Junior ebenfalls teilnahm, daran wollte er sich nicht erinnern - doch bestritt er, dass das Treffen mit einer eventuellen Begnadigung zu tun gehabt habe. Kurz darauf soll ein unzufriedener Buchhalter Akten aus dem Tresor des Anwaltes entwendet haben, die die Transaktionen zwischen Weizman und dem Millionär betrafen. Der Anwalt behielt die peinliche Begebenheit für sich und erzählte Weizman nichts über den Diebstahl. Kurz darauf soll der Journalist, der - nebenbei bemerkt - für Ofer Nimrodis Zeitung Maariv arbeitet, die Informationen über die Geldgeschenke an den Präsidenten erhalten haben. Ofer Nimrodi widersprach diesen Darstellungen. Ein Treffen habe bloss vor über einem Jahr stattgefunden, und ein Höflichkeitsbesuch bei Weizman - zur Übergabe einer Einladung zu seiner Hochzeitsfeier - habe bloss zehn Minuten gedauert.


