Provokativ?
Was ist provokativ an einem kurzen Besuch von sieben Likud-Abgeordneten an der heiligsten Stätte des Judentums? Die von der Palästinensischen Behörde orchestrierte Reaktion ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Palästinenser ein echter, dauerhafter Friede mit Israel gar nicht interessiert. Würde ein Abkommen, das den Palästinensern die Souveränität über Teile der Jerusalemer Altstadt, inkl. dem Tempelberg verleihen würde, Besuche der Stätte durch Juden verunmöglichen?
Falls die Palästinenser tatsächlich das Prinzip der freien Religionsausübung und des Zugangs zu heiligen Stätten anerkennen, hätten sie den Likud-Besuch ignorieren müssen. Die Visite wäre dann höchsten in der lokalen Presse erwähnt worden, und die Palästinenser hätten sich für ihre Haltung auf die Schultern klopfen können. Sharon sagte, jeder Jude, der dies wünsche, habe das Recht, den Tempelberg zu besuchen. Polizeichef Yehuda Wilk unterstützte diese Ansicht, und Yair Yitzchaki, der Kommandant der Jerusalemer Polizeitruppen, doppelte nach: «Es sollte jedem klar sein, dass ein Jude den Tempelberg besuchen kann, ohne dass dies als Provokation hingestellt wird.»
Nach dem Fiasko von Camp David war Arafat mit Vorwürfen überhäuft worden, weil er zu keinen Kompromissen bereit war, nicht einmal gegenüber einer von Barak angeführten Links-Regierung, die auch in Jerusalem Kompromisse gemacht hätte. Wie immer schreckten Israels «Freunde» aber vor einer eindeutigen Verurteilung des palästinensischen Standpunktes zurück. Bietet sich aber die Chance einer Kritik an Israel, ist von solchen Zweifeln nichts zu spüren. Die Europäische Union etwa sprang rasch auf den abfahrenden Zug, und Miguel Moratinos, der EU-Botschafter für den Nahen Osten, schimpfte den Besuch auf dem Tempelberg eine Provokation. Kein Wort über den arabischen Terrorismus. Auch die Franzosen, die derzeit die EU präsidieren, krisitierten erwartungsgemäss den Besuch der den Juden heiligen Stätte als Provokation. Und die von CNN und der BBC angeführten internationalen Medien steuerten ihre bekannte einseitige Berichterstattung bei. Halbwahrheiten über halbe Tatsachen werden zur akzeptierten Version, wenn man sie nur oft genug ausstrahlt. Die internationale Gemeinschaft hat für arabische Aggressionen gegen Israel eine ganz besondere Praxis entwickelt. Wer Israel angreift und gewinnt, darf die Beute seiner Aggression behalten. Verliert hingegen der Angreifer, muss Israel dem Aggressor alles zurückgeben. Keith Graves, Korrespondent von «Sky News», setzte als einziger einen anderen Akzent: «Die Unruhen waren von Arafat orchestriert worden, und es hätte in seiner Macht gelegen, sie zu stoppen», sagte er in einem Bericht aus Hebron. In Kairo sprachen die arabischen Aussenminister von Israels «Provokation und Aggression». Warum, so fragten sie, setzt Israel zur Unterdrückung der Unruhen so viel Waffen ein? Vielleicht wäre es tatsächlich angebracht, die israelischen Sicherheitskräfte mit Schleudern und Säcken voller Steine auszurüsten!
Der Friedensprozess ist zum Krieg der Klischees geworden. Begriffe wie «harte Entscheidungen», «Fakten im Felde» oder auch der «Frieden der Mutigen» sind zur bedeutungslosen Umschreibung eines sogen. Friedensprozesses (ein weiteres Cliche) geworden, der Konzessionen nur von einer Seite fordert. - So lange wie der Partner im Friedensprozess seinen Schülern Hass eintrichtert, seiner Jugend beibringt, die Israelis als Nazis zu betrachten und über Radio und Fernsehen täglich Hass und Verleumdungen ausstreut, kann es keinen wirklichen Frieden geben. Heute wissen viele Juden kaum etwas über ihre Tradition und Geschichte. Vor 2000 Jahren, als es weder Christentum noch Islam gab, standen in Israel neben dem Tempel schon Synagogen. In Jerusalem hat es immer eine jüdische Präsenz gegeben, und seitdem Israel die Souveränität über die Stadt ausübt, stehen die heiligen Stätten allen Religionen offen. Die jüngsten, organisierten Unruhen sollten die Juden der Welt zur Vernunft bringen, bevor es zu spät ist. Jerusalem muss die ungeteilte Hauptstadt des jüdischen Volkes unter israelischer Souveränität bleiben, die allen Besuchern der Stadt die freie Ausübung ihrer Religion garantiert.


