Positive Entwicklungen in Shiraz?
Malcolm Hoenlein, Vizevorsitzender der Präsidentenkonferenz wichtiger jüdischer Organisationen der USA, bestätigte am Dienstag, Shahrokh Paknahad, Farzad Kashi, Nasser Levi Haim und Farhad Saleh, vier der 13 in der iranischen Stadt Shiraz wegen angeblicher Spionage für Israel vor Gericht stehenden Juden, hätten ihre Geständnisse widerrufen und würden nun erklären, diese seien ihnen unter Druck abgerungen worden. «Wir sollten deswegen nicht übertrieben optimistisch sein», meinte Hoenlein, «doch sind dies zweifelsohne positive Entwicklungen.» Die Präsidentenkonferenz, die seit Beginn der Affäre den Standpunkt vertritt, alle 13 Juden seien unschuldig, vertritt ihre Ansicht konsequent vor und hinter den Kulissen. - Am Dienstag widerrief auch einer der der Kollaboration mit den Juden angeklagten Moslems sein Geständnis. Zudem zitierte eine Nachrichtenagentur Esmail Nasseri, einen der Anwälte der Juden, der gesagt haben soll, der Verlauf des Prozesses sei «zugunsten unserer Klienten und bestärken die Position der Verteidigung, gemäss welcher unsere Klienten unschuldig sind». Advokaten der 13 Juden haben von Anfang an deren Unschuld beteuert, und als vor einigen Wochen 9 von ihnen «gestanden» hatten, wurde der Verdacht ausgesprochen, es habe sich hier um erzwungene Geständnisse gehandelt, die den Angeklagten nach 15 Monaten Einzelhaft ohne Kontakt zur Aussenwelt abgerungen worden seien. Drei der Juden sind im Februar gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt worden.
Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wobei die Richter die Rolle der Verhörbeamten, der Staatsanwaltschaft und der Geschworenen übernommen haben - nach westlichen Normen ein klarer Interessenkonflikt. Mit einem Urteil wird bis Ende nächster Woche gerechnet, nachdem die Urteilsverkündung diese Woche wegen des Hearings vom Dienstag verschoben werden musste.
Ein weiteres Hearing ist für heute Donnerstag vorgesehen. Die jüngsten Entwicklungen werden begleitet von Gebeten und Kundgebungen zugunsten der 13 Angeklagten von Shiraz, die jüdische Gemeinden in aller Welt, vor allem in den USA, täglich abhalten. Ein Sprecher des Gerichtes meinte in diesem Zusammenhang, die weltweite Unterstützung für die 13 Juden könnte ihre Position schwächen. Inzwischen hat das «American Jewish Committe» das amerikanische Repräsentantenhaus aufgefordert, die Verabschiedung von Massnahmen zurückzustellen, welche die Sanktionen gegen Iran weiter erleichtern würden.
Mit herber Kritik reagierte sodann der iranisch-amerikanische jüdische Gemeindebund auf Kommentare, welche vier Rabbiner der anti-zionistischen «Neture Karta» in Iran machten. Die Rabbiner, die ihre anti-israelische Haltung an einer Pressekonferenz in Teheran vertreten durften, meinten, die 13 Juden seien von Israel hereingelegt worden. Der Gemeindebund wirft den Rabbinern vor, nichts unternommen zu haben, um die inhaftierten Juden besuchen zu können. Sie hätten sich auch nicht um eine Einsicht in die Prozessunterlagen bemüht.
JTA


