Picknick im Wald von Ben Shemen
Vor genau 30 Jahren hatten Refuseniks mit einer spektakulären Flugzeugentführung in Leningrad auf die Lage der russischen Juden aufmerksam gemacht. Drei Jahre später begannen Refuseniks (Juden, die kein Ausreisevisum erhielten), sich zu besonderen Gelegenheiten (Sukkot, Jom Ha’Azmaut, Lag Ba’Omer usw.) in den Wäldern ausserhalb von Moskau zu versammeln. Einerseits wollten sie gemeinsam die Feste feiern, andererseits wollten sie den Behörden zeigen (der KGB war als «Zuschauer» immer anwesend und griff manchmal auch ein), dass sie auf ihren Rechten beharrten, zusammen Ivrit lernen und reden, israelische und chassidische Lieder singen und die Religion praktizieren wollten.Einige Refuseniks, vor allem Nathan und Jonah Schwartzmann, die schon die Treffen bei Moskau organisierten und auch in Israel die Löwenarbeit leisteten, sowie Aharon Gurevich setzen sich seit langem für die Errichtung eines Gedenkplatzes im Wald von Ben Shemen ein. Sie konnten den KKL dafür gewinnen, zur Erinnerung an den Einsatz der Refuseniks und «Assirei Zion» (Gefangene Zions) einen Erholungs-, Spiel- und Picknick-Platz anzulegen. Am diesjährigen Treffen wurde eine Tafel enthüllt, die dieses Ziel kundtut. Zur Verwirklichung des Vorhabens wird weiter Geld gesammelt.
An der Zeremonie sprachen ehemalige Refuseniks wie Raw Elijahu Essas und Aharon Gurevich (er erinnerte an die verstorbenen Aktivisten). Der Knessetabgeordnete Dr. Yuri Stern, Fraktionssprecher der rechts-nationalen Partei «Israel Beitenu», mahnte an die Wichtigkeit des politischen Einsatzes. Yehiel Leket, der Vorsitzende des KKL, unterstrich das Recht des jüdischen Volkes auf sein Land.
Nicht nur für die meist verstreut im ganzen Land lebenden Refuseniks ist dieses einmal im Jahr stattfindende Treffen ein besonderes Erlebnis, sondern auch für die aktiven Helfer aus dem Westen, wobei bislang die Schweiz immer die grösste Anzahl an Besuchern im Wald stellte. Diesmal waren u.a. zugegen: Chana und Jacques Berlowitz, Werner und Edith Guggenheim, Dorit Hoffer und Ruth und Evi Bloch. Menschen wie Alexander Slepak, Oda Nudel und viele andere wieder zu sehen, denen man unter viel schwierigeren und gefährlicheren Umständen in Russland begegnet war, ist ein emotionaler Moment. Und sicher tut es gut, sich in diesen Zeiten der Ratlosigkeit und Konsternierung daran zu erinnern, dass erst knapp eine Generation verstrichen ist, seit mit Hilfe mutiger, einsatzbereiter Menschen, aber auch mit Hilfe des Himmels das geschichtliche Wunder des Massenexodus aus der ehemaligen Sowjetunion begann.


