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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Pension von den Briten für Nazi

von Douglas Davis, October 9, 2008
Alexander Schweidler, ein Mann, der angeblich im KZ Mauthausen Menschen umgebracht hatte, ist in England im Alter von 78 Jahren gestorben. Wenige Tage vor seinem Tode hatte der «Holocaust Educational Trust» eine Untersuchung seiner Aktivitäten während des Weltkrieges gefordert.
Tony Blair bei der Anne-Frank-Ausstellung: Englands inkonsequenter Umgang mit der Vergangenheit. - Foto Keystone

Dem aus der Slowakei stammenden Alexander Schweidler, der in der britischen Ortschaft Milton Keynes gelebt hatte, wurde vorgeworfen, als Mitglied des SS-Totenkopf-Kommandos im österreichischen KZ Mauthausen, in dem 80000 Menschen umgekommen sind, Grausamkeiten verübt zu haben. Wenige Tage vor dem Tod des 78-jährigen hatte der Londoner Holocaust Educational Trust beschlossen, das britische Innenministerium zu ersuchen, der Polizei Anweisung zu erteilen, die Dossiers diverser verdächtigter Kriegsverbrecher erneut zu öffnen und Schritte zur Aberkennung ihrer britischen Staatsbürgerschaft zu unternehmen.
Grossbritannien laufe Gefahr, zum Altersheim für angebliche Kriegsverbrecher zu werden, die ohne jegliche Furcht vor einer gerichtlichen Verfolgung im Lande leben könnten. Diese Meinung äusserte Lord Greville Janner, Ehrensekretär der überparteilichen parlamentarischen Gruppe für Kriegsverbrechen und Präsident des «Holocaust Educational Trust». Die parlamentarische Gruppe war gebildet worden, um die Verabschiedung eines Gesetzes zu fördern, das es britischen Gerichten erlaubt, Personen abzuurteilen , die Kriegsverbrechen in Nazi-Deutschland oder im besetzten Europa begangen haben, und zwar auch dann, wenn weder die Verdächtigten noch deren Opfer britische Bürger waren und die Verbrechen nicht auf britischem Boden verübt worden sind. Das Gesetz wurde 1990 verabschiedet. Seinerzeit hatte das Simon Wiesenthal-Zentrum der Londoner Regierung eine Liste mit den Namen von 17 der Verübung von Kriegsverbrechen verdächtigten Personen ausgehändigt, die damals in Grossbritannien lebten. Nach dem Krieg hatte Grossbritannien eine grosszügige Einwanderungspolitik verfolgt, was zahlreichen Nazi-Kollaborateuren und Mitgliedern der SS ein bequemes Untertauchen erlaubte. Vor einigen Wochen war der Fall Schweidler in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass der Mann in aller Ruhe seinen Lebensabend genoss und erst noch eine monatliche Staatsrente bezog. Nach Angaben der Polizei war er 1996 verhört worden, und man forschte auch in Österreich nach, doch seien nicht genügend Beweise für die Eröffnung eines Verfahrens zutage gefördert worden. 1997 erhielt Schweidler die Mitteilung, dass keine weiteren Aktionen gegen ihn mehr unternommen würden.
Alexander Schweidler hatte von Januar 1942 bis zur Befreiung des Lagers durch die Amerikaner im Mai 1945 in Mauthausen gearbeitet. 1948 traf er in Grossbritannien ein, wo er 1964 die Staatsbügerschaft erhielt. Ein Jahr später emigrierte er in die USA, wo er sich zum Computer-Programmier emporarbeitete. Im Rahmen einer Routineuntersuchung wurde er als Wachmann von Mauthausen identifiziert und 1994 nach Grossbritannien abgeschoben.
Die US-Behörden hatten ein angeblich von Schweidler unterschriebenes Dokument entdeckt, in dem der Mann die Ermordung zweier Gefangener beschrieb, die im April 1942 aus Mauthausen hatten fliehen wollen. Letzte Woche berichtete der Londoner «Guardian» zudem von Dokumenten, die beweisen würden, dass Schweidler einer SS-Gruppe angehört hatte, die am 6. und 7. September 1944 48 Gefangene, unter ihnen 7 britische Soldaten, erschossen hatte.

JTA





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