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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Oase für Kängurus

von Doris Herrmann, October 9, 2008
Kängurus in Israel? Nein, das ist keine skurrile Idee, sondern Realität. Im Norden Israels liegt eine Oase der australischen Tier- und Pflanzenwelt. Begonnen hat alles mit der Liebe eines Mannes zur Flora und Fauna des fünften Kontinents. Entstanden ist ein Park, der Jung und Alt zum Verweilen einladet und es den Besuchern erlaubt, auf Tuchfühlung mit den hüpfenden Zeitgenossen zu gehen.
Exotische Natur: Die Känguru-Forscherin Doris Herrmann am Eingang des «Gan-Garoo-Park» . - Foto PD

Am Gittertor steht in hebräischen Buchstaben «GAN-GAROO-PARK». Ein würziger Duft steigt in die Nasen der Besucher. Eukalyptusbäume und australische Sträucherarten versetzen die Eintretenden in eine andere Welt. Dass dieser malerische Park seit drei Jahren existiert, ist dem Traum eines Mannes zu verdanken: Jehuda Gat. Der Israeli Jehuda Gat lebt seit Jahrzehnten mit seiner Familie im Kibbuz Nir David, doch sein Herz hat er an die australische Tierwelt verloren. Er verbrachte viele Monate im Land seiner (Tier-) Träume und liess sich von Fachleuten die artgerechte Haltung und Pflege seiner australischen Lieblinge erklären und beibringen.
Jehuda Gat kehrte mit dem Plan nach Hause zurück, in der Nähe des Kibbuz Nir David einen Känguru-Park zu gründen. Das Kibbuz stellte 15 Hektaren Land als Spende zur Verfügung. Zwei Jahre dauerte die Bepflanzung und das Anlegen des Teiches. Noch fehlte die Hauptsache: die Tiere. Sie machten sich aus dem Zoo des südaustralischen Adelaides auf ihren langen Weg. Nun ist der Park belebt von menschenfreundlichen roten und grauen Riesenkänguruhs, aber auch von scheueren kleineren Känguruarten wie den Rotnacken-Wallabies und Bettongs. Dazu kommen Emus, Sittiche, leuchtend weisse Kakadus, Reiher, Kormorane und schwarze Schwäne, der Stolz Australiens. Bemerkenswert sind auch einige Kasuare, eine Straussart mit rotblauen Köpfen und schwarzem Gefieder - sie wurden dem Park von der australischen Botschaft in Israel gestiftet.
Die vollständige Fertigstellung des Parks ist jedoch noch lange nicht in Sicht. Er wird gerade erweitert und mit speziellen Eukalyptusbäumen bepflanzt. Sie werden als «Futterbäume» für ein Koalabärenpaar gebraucht, das in den nächsten zwei Jahren eine neue Heimat in Israel finden wird. Scherzhaft erzählt Jehuda Gat, er sei von australischen Behörden im Austausch gegen die Koalabären um einen Riesenstein aus der Klagemauer gebeten worden. Die Tore zu den Riesenkängurugehegen sind immer offen. Die zahmen Tiere «mischen» sich unter die Besucher, die sich manchmal wagen, das mollige Fell zu streicheln. Der Park bietet den Tieren einen klimatischen Komfort. Bei grosser Hitze - oft bis zu 50°C im Schatten - gibt es überall auf dem Boden oder an hängenden Leitungen feinrieselnde Brausen. Die Kängurus wälzen sich auf dem kühlen, feuchten Boden oder stehen unter den feinen Regen. Auch haben die Tiere Orte, die ihnen zum Rückzug vor allzuvielen Besucher dienen. Für alle Australienfans und Tierliebhaber ist der Besuch des Känguruparks ganz sicher ein reines Vergnügen.

Die Autorin ist Känguru-Forscherin und hat bereits mehrere Bücher zum Thema publiziert. Um den Park zu besuchen, fährt man in Richtung Tiberias. Der Park liegt in der Nähe der Stadt Beth Schean und der Anlage Gan Haschloscha.


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