Nazi-Seiten gesperrt
754 Nazi-Websites sowie andere rassistische und antisemitische Internet-Seiten sind in der Schweiz seit einer Woche gesperrt, auch der e-mail-Kontakt ist unterbrochen. Ein mutiger Schritt für die drei grossen Schweizer Provider, ein harter Schlag für die virulente Nazi- und Skinhead-Szene, die nun ihr wichtigstes Kommunikations- und Werbe-Instrument verloren hat. Die meisten Schweizer Internet-Benützer können diese braun getönten Seiten nicht mehr öffnen. Zu verdanken ist dieser weltweit wohl einmalige Coup Samuel Althof und der «Aktion Kinder des Holocaust» (AKdH).
Seit zehn Jahren gibt es die AKdH, seit vier Jahren versucht sie, den Alt- und Neonazis, Rassisten und Antisemiten auf dem Internet das Handwerk zu legen. Mit viel Mühe, aber auch mit grossem Erfolg. «Zuerst mussten wir die Nazi-Seiten von den Gratis-Internet-Providern vertreiben», berichtet Samuel Althof. Er orientierte die Schweizerische Bundespolizei zunächst über die Homepages von rechtsradikalen Gruppen bei kleinen privaten Providern. Die Bundespolizei forderte die Provider auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Das war das Ende einiger Websites. Von den ganz Grossen zog Yahoo-Geocities, der weltweit grösste Gratis-Provider in den USA, als erster die bei ihm beheimatete braune Flut für die Schweiz aus dem Verkehr. (Yahoo stand ohnehin unter Beschuss, weil sie eine Auktions-Seite für Nazi-Memorabilia im Netz hatte, die schliesslich auch in Frankreich und in England gesperrt werden musste.) Mit dem Zugeständnis von Yahoo ging die Strategie von Althof auf - die Drahtzieher der Nazi-Seiten, beispielsweise der Skinheads Limmattal, flüchteten verschreckt an eine Adresse, bei der sie sich sicher glaubten: Sie heisst front14.org, befindet sich in den USA und ist ein riesiger Mülleimer mit Hunderten rassistischer, antisemitischer und Nazi-Websites.
«Es hat ein halbes Jahr und viel Arbeit gebraucht, um alle diese Seiten ausfindig zu machen», sagt Samuel Althof (45), Gründer der AKdH, zur JR. «Wir fanden insgesamt 754, die wir sperren lassen wollten. Und jetzt sind wir am Ziel.» In der Tat: Mit Wissen der Schweizerischen Bundespolizei und parallel zu einem entsprechenden Gesuch der AKdH an diese Behörde warf Sunrise-Diax als erster Provider die üble Fracht von front14.org am vergangenen Donnerstag aus dem Netz. Mit diesem Erfolg im Rücken konnte Althof auch Tiscalinet sowie den Swisscom-Provider IP-plus überzeugen, dasselbe zu tun. Durch diese «backbones», das Rückgrat des Schweizer Internet-Verkehrs, sind die einschlägigen Seiten nun auch bei zahlreichen kleineren Unter-Providern gesperrt. Noch befindet sich allerdings viel zu viel militant braunes Gedankengut im Netz. Die entsprechende Arbeit geht der AKdH nicht aus. Auch der Provider Yoderanium in den USA diente den von Yahoo verbannten Seiten als Asylstation, wodurch dieser bald technische und finanzielle Probleme bekam. «Diese Domain wurde in der Zwischenzeit verkauft», berichtet Althof, «aber wir wissen noch nicht wohin und an wen.»


